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Lokalsport Wie eine Fahne aus Pigors einen Bayern-Fan machte
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09:00 01.11.2020
Zweimal Christopher Pigors aus Roßberg – links 1997 als Fünfjähriger, rechts 23 Jahre später. Quelle: Nadine Weigel, privat
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Roßberg

An den 31. Mai 1997 werden sich eingefleischte Bayern-Fans sicherlich noch erinnern. Es ist ein Samstag. Es läuft der letzte Spieltag der Fußball-Bundesliga.

Auch wenn bereits eine Woche vorher festgestanden hat, dass die Münchener einmal mehr Deutscher Meister geworden sind, wollen rund 70 Mitglieder des Bayern-Fanclubs Ebsdorf im und vor dem Sportheim in Ebsdorf live mitverfolgen, wie ihr „Loddar“ Matthäus, Mannschaftskapitän des FC Bayern München, an diesem Samstagnachmittag die Meisterschale mit beiden Händen hochreißt.

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Wenige Minuten zuvor brandet bereits Jubel auf, als Christian Nerlinger kurz vor Schluss das 2:2 in Mönchengladbach erzielt – übrigens live übertragen vom Pay-TV-Sender „Premiere“.

Dass Jürgen Klinsmann die Bayern in Gladbach in Führung gebracht und die Borussia das Spiel zwischenzeitlich nach Treffern von Stephan Paßlack und Karlheinz Pflipsen gedreht hat, wird zur Nebensache. Richtig ab geht die Post am Sportheim kurze Zeit später.

Der damalige Vorsitzende des Fan-Clubs, Gerold Bender, legt eine CD auf. Zu hören ist „FC Bayern, forever number one“. Der Grill läuft bereits auf Hochtouren, das echte bayerische Bier ebenfalls. Die Flaschen sind schnell leer, wie im Übrigen auch ein Jahr später eine Flasche für den Meistercoach Giovanni Trapattoni.

Ein Trikot macht den Anfang

Für die vielen Jugendlichen und Kinder, allesamt mit Bayern-Trikots oder -Fahnen ausgestattet, versteht sich, gibt es freilich Limo und Cola.

Unter den Jüngsten ist auch Christopher Pigors aus Roßberg. Er beobachtet die Feierlichkeiten ein wenig aus der Ferne, hält eine große Bayern-Fahne hoch. Die hat ihm sein Papa in die Hände gedrückt. „Ja, ich kann mich noch dunkel an diesen Tag erinnern“, sagt Christopher Pigors heute, 23 Jahre später.

Worum es letztlich ging, wurde dem Roßberger erst später bewusst. Sein Vater hat ihn immer wieder zu Heimspielen des FCB mitgenommen. Schließlich bekam er ein Original-Trikot von Roque Santa Cruz geschenkt. „Da hat mich das Bayern-Fieber so richtig gepackt“, sagt der inzwischen 28-Jährige, der bei den Dienstleistungsbetrieben Marburg als Gärtner tätig ist.

Inzwischen hat er alle Höhen und Tiefen seines Vereins erlebt. „Ich war mitten unter Frankfurter Fans, als uns die Eintracht vergangenes Jahr mit 5:1 aus dem Stadion gefegt hat. War danach aber auch froh, dass Hansi Flick das Ruder übernommen hat.“

Egal, ob Pleiten oder Erfolge, wie etwa das Triple plus zwei Supercups in diesem Jahr – Christopher Pigors geht es wohl wie allen Anhängern der „Roten“: Einmal Bayern-Fan, immer Bayern-Fan.

Bayern-Fanclub Ebsdorfergrund

Die Idee, einen Bayern-Fanclub zu gründen, entstand bei einem Frühschoppen der Freiwilligen Feuerwehr Ebsdorf am 17. Juni 1985. Es fanden sich damals 17 Bayernfans zusammen, die beschlossen, einen Fanclub zu gründen. Die Gründungsversammlung folgte am 1. November 1985 im langjährigen Vereinslokal „Gaststätte Schmidt“ in Ebsdorf. Seit der Gründung ist die Zahl der Mitglieder ständig gestiegen. Aktuell sind es 352 Mitglieder. Vorsitzende des Fanclubs ist seit März 2008 Erika Lapp. Am 1. November dieses Jahres feiert der Bayern-Fanclub Ebsdorf sein 35-jähriges Bestehen. „Die Feier fällt diesmal aufgrund der Corona-Krise aus. Wir wollen ob der steigenden Zahlen kein Risiko eingehen und werden sie hoffentlich nächstes Jahr nachholen“, sagt Vorsitzende Erika Lapp.

Von Michael E. Schmidt