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Lokalsport Schröcks Pokalheld ist jetzt Bundestrainer
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14:58 05.02.2021
Mit den SF BG Blista Marburg nahm für Martin Mania (Zweiter von rechts) Ende 2016 alles seinen Anfang im Blindenfußball. Inzwischen trainiert der 27-Jährige die deutsche Nationalmannschaft.
Mit den SF BG Blista Marburg nahm für Martin Mania (Zweiter von rechts) Ende 2016 alles seinen Anfang im Blindenfußball. Inzwischen trainiert der 27-Jährige die deutsche Nationalmannschaft. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Martin Mania erinnert sich noch genau an den 10. Oktober 2015, an das Marburger Kreispokalfinale: Der damals 22-Jährige trifft mit dem FSV Schröck im Derby auf den SV Bauerbach. „Wir lagen 0:1 zurück“, erzählt er, „dann ist noch ein Spieler von uns vom Platz geflogen, und mit einem abgefälschten Verzweiflungsschuss in der Schlussminute trafen wir zum Ausgleich.“ In doppelter Unterzahl war es schließlich Mania, der in der Verlängerung den 2:1-Siegtreffer für das Team vom Elisabethbrunnen erzielte. „Bis zuletzt kamen danach in Schröck Leute auf mich zu und haben mir erzählt, wie sie sich daran erinnern. Das fand ich super spannend, wie wichtig dieser Sieg doch für viele war“, erzählt der gebürtige Mannheimer, der jetzt in Oberhausen wohnt (siehe Infobox).

Der Schröcker Pokalheld von 2015 will nun mit der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft Erfolgsgeschichte schreiben, seit diesem Jahr ist der 27-Jährige Cheftrainer und damit Nachfolger von Peter Gößmann. Der Moischter ist inzwischen im Ruhestand und hat seine Tätigkeit als Bundestrainer auf eigenen Wunsch beendet – und sein Wunsch war es auch, dass in Mania „eine junge, dynamische Person übernimmt“, sagt er gegenüber der OP. Und die heißt jetzt also tatsächlich Martin Mania, der sich beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) offiziell auf den Cheftrainer-Posten bewarb, ausgewählt und mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet wurde – wohl auch wegen seiner umfassenden Vorkenntnisse und Erfahrungen.

Wie ein Kneipenbesuch den Stein ins Rollen brachte

Über seinen ehemaligen Studienkollegen und Schröcker Mitspieler Sebastian Schleich kam Mania Ende 2016 erstmals mit Blindenfußball in Berührung. „Wir saßen abends mal in einer Kneipe in der Oberstadt zusammen, als er mich fragte: ‚Haste schon mal was von Blindenfußball gehört? Komm doch mal vorbei!‘“ Gesagt, getan. Insbesondere Marburgs Nationalspieler Taime Kuttig begeisterte Mania bei dessen erster Trainingsteilnahme in Cappel. „Das war schon imposant, seitdem war ich von dem Spiel beeindruckt.“

Fortan verschrieb sich Mania ganz dem Blindenfußball: bei den SF BG Blista Marburg, für die er als Trainer und Guide und – weil Not am Mann war – in seiner ersten Bundesliga-Saison 2017 sogar als Torwart aktiv war, und an der Uni. Dort schrieb er seine Examensarbeit zum Thema Blindenfußball und nahm nach seinem Examen unter dem Marburger Sportmediziner Professor Ralph Beneke an drei Forschungsprojekten zur Sportart teil. Ab Ende 2017 und bis zuletzt unterstützte Mania den früheren SF-BG-Blista-Trainer Gößmann im Trainerstab des Nationalteams, das sich nach der verpassten Qualifikation für die Paralympischen Spiele von Tokio in diesem Jahr nun voll und ganz auf die kommenden Turniere fokussieren kann.

Paralympische Spiele 2024 sind der „große Traum“

„2022 findet die EM statt, 2023 die WM. Unser großer Traum sind die Paralympischen Spiele 2024 in Paris. Darauf arbeiten wir hin“, schwärmt Mania, der unter Gößmann eine gewisse Entwicklung in Nationalteam sieht: Zwar wurde die DBS-Auswahl 2019 in Rom nur EM-Siebter, kassierte aber im Schnitt (0,5) ein Gegentor pro Spiel weniger als noch bei der EM 2017 (1,6) unter dem früheren Bundestrainer Ulrich Pfisterer. Und: „Alleine was die Mannschaft mittlerweile für eine Spielqualität und einen Spielwitz hat, ist schon sehr positiv“, meint Mania, der das größte Entwicklungspotenzial in der Offensive sieht und selbst glühender Fan der Brasilianer ist, denn: „Die spielen einen echt genialen Fußball.“

Präzision und Geschwindigkeit sind die zwei Aspekte, die künftig eine große Rolle spielen sollen. „Da fehlt es uns oftmals noch“, sagt Mania, der gerne einen „aktiven und aggressiven Blindenfußball aus einer guten Defensive heraus“ spielen lassen möchte. „Dafür müssen wir noch fitter werden“, weiß der Neu-Coach, der in der Nationalmannschaft auch drei Feldspieler und einen Keeper aus Reihen der Marburger unter seinen Fittichen hat: Neben den arrivierten Leistungsträgern im SF-BG-Team, Alican Pektas und Kuttig, sind dies Rückkehrer Hasan Koparan (zuletzt FC Schalke 04) und Sebastian Themel (Chemnitzer FC), die Nummer eins im Kasten des Nationalteams. „Damit stellt Marburg den größten Block in der Nationalmannschaft“, erzählt Mania.

Von Marcello Di Cicco