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Lokalsport Wetters neues Team muss sich erst finden
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09:59 26.08.2020
Wetters Noah Drescher (Mitte) kämpft in einem Testspiel gegen die Michelbacher Oliver Kupski (links) und Mehmet Akci um den Ball. Foto: Thorsten Richter
Wetters Noah Drescher (Mitte) kämpft in einem Testspiel gegen die Michelbacher Oliver Kupski (links) und Mehmet Akci um den Ball. Quelle: Thorsten Richter
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Wetter

Viele Ab-, noch mehr Zugänge: Der VfB Wetter geht mit stark verändertem Gesicht in die neue Saison der Fußball-Gruppenliga Gießen/Marburg. Auf der Trainerposition herrscht hingegen Konstanz.

Der Rückblick: Neun Siege, vier Unentschieden, neun Niederlagen, 47 Tore, 52 Gegentore, Platz zehn: Der VfB Wetter war in der Vorsaison – bis zum Abbruch, aufgrund der Corona-Pandemie – statistisch gesehen Mittelmaß.

Clemens Drescher, der mit Steffen Schäfer das Trainerduo bildet, bestreitet das nicht, spricht von einer Spielzeit, „die wir uns positiver vorgestellt hatten“. Er verweist aber auch auf „einzelne Spiele, in denen wir überragende Leistungen gebracht haben“.

Die Veränderungen: Personell hat sich in der extralangen Sommerpause beim VfB so viel wie nur bei wenigen anderen Teams getan: Neun Spieler aus dem Gruppenliga-Kader sind gegangen, mehr als ein Dutzend gehören dem nun 26-köpfigen Aufgebot neu an. „Wir haben sicherlich von den Namen her an Qualität verloren“, redet Drescher nicht drumherum.

Spieler fungiert auch als Athletiktrainer

Vor allem die Wechsel von Maximilian Muth (zum FC Ederbergland) und Jonas Braun (TSV Michelbach), „die uns viele Jahre die Treue gehalten und stets ihre Leistung gebracht haben“, sei schmerzlich. „Sie wollen sich eine Liga höher beweisen, das ist völlig legitim.“ Auch die weiteren Abgänge, etwa die der Zucca-Brüder – Piergiorgio zu den SF BG Marburg, Enrico zum FSV Schröck – würden „Lücken hinterlassen, die wir schließlich müssen“.

Robin Dempt (kommt vom SV Bauerbach) kennt das Niveau, kommt mit seiner Dynamik für den Flügel oder auch fürs Zentrum infrage. Zudem fungiert der Neuzugang beim VfB als Athletiktrainer, wie Drescher berichtet. Dogan Caliskan (Spvgg Leusel) spielte bereits in der Jugend beim VfB, zu dem der abschlussstarke Offensivspieler nun zurückkehrt.

Tugay Akarcay (FSG Homberg/Ober-Ofleiden) zeigte sich in den vergangenen Jahren in der Kreisoberliga Süd treffsicher. „Er will den nächsten Schritt machen“, sagt Drescher über den „enorm bissigen Stürmer“. Beim 5:1 in der Begradigungsrunde des Marburger Kreispokals gegen Ligakonkurrenz SG Lahnfels netzte er direkt drei Mal ein. Matthias Weißkopf (Kirchhörder SC) soll ebenfalls für Tore sorgen, könnte als Mittelstürmer oder auch im offensiven Mittelfeld agieren.

Körperlich stark fürs defensive Mittelfeld

Sammy Lorenz (VfB Marburg) ist offensiver Außenspieler, auch Marco Fendrich und Oguzhan Söylemez (beide TSV Michelbach) kommen über den Flügel. Paul Kaiser (Berliner SC) und Claudius Saager (Spvgg Ludwigsburg) sind körperlich starke Spieler, die der Trainer für Positionen im defensiven Mittelfeld im Blick hat. Jakob Nordlohne (FSV Schröck) soll die Verteidigung verstärken, auch Viktor Besel (SG Lahnfels) ist für die Defensive eingeplant.

Hinzu kommen in Calvin Weide (FC Ederbergland U 19), Jamie Blann (eigene Jugend) und Roshan Safi (SF BG Marburg II) „Spieler, die sich an das Niveau und das Tempo zunächst gewöhnen müssen, aber die Gruppenliga auch drauf haben“, ist Drescher überzeugt. Überhaupt: „Wir haben viele Spieler, die zeigen wollen, was sie auf diesem Niveau leisten können. Das kann zu einer Stärke werden.“

Die Taktik: Fürs Trainerduo „läuft die Suche, welche Formation die beste ist“, wie es Drescher ausdrückt. Dafür hat der VfB eine ganze Reihe von Testspielen ausgemacht, auch die Partien im Kreispokal vergangene Woche gegen Lahnfels und an diesem Dienstag bei der FSG Südkreis sollen genutzt werden, um allen Spielern die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen.

„Wichtig ist, dass wir flexibel bleiben“

„Wir wollen uns auf dem Platz als Einheit präsentieren. Dafür müssen wir uns aber zunächst finden.“ Dabei soll auch Jens Borawski helfen: Der Kapitän wollte eigentlich aufhören, hängt nun noch ein Jahr dran – sehr zur Freude Dreschers: „Mit seiner großen Erfahrung kann er vor allem den jungen Spielern helfen.“

In der Vorsaison agierte der VfB meist in einem 4-2-3-1-, später in einem recht defensiv ausgerichteten 3-4-3-System. Wie es künftig aussieht, ist offen, erklärt Drescher und ergänzt: „Wichtig ist, dass wir flexibel bleiben, bei Bedarf auch im Spiel noch umstellen können.“ Einen entsprechend großen Stellenwert nimmt die taktische Schulung in der Vorbereitung ein.

Das Ziel: In den vergangenen Jahren setzten sich die Trainer stets mit der Mannschaft zusammen und definierten gemeinsam die Ziele. „Der Termin steht noch aus“, berichtet Drescher, sagt dann aber doch, dass er auf einen einstelligen Tabellenplatz hofft.

Und sonst? Das Trainerduo geht ins vierte gemeinsame Jahr beim VfB – und zwar völlig gleichberechtigt, wie Drescher im Gespräch mit der OP betont: „Manche meinen, irgendjemand bei uns müsste den Hut aufhaben. Aber wir bekommen das so hin, wir brauchen keinen Hut.“

Von Stefan Weisbrod