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17:01 17.08.2020
Vorsichtig sein, wo es nur geht: Auch bei den heimischen Fußballern und Trainern steht der Gruß mit der Faust angesichts des Coronavirus hoch im Kurs. Foto: Nadine Weigel
Vorsichtig sein, wo es nur geht: Auch bei den heimischen Fußballern und Trainern steht der Gruß mit der Faust angesichts des Coronavirus hoch im Kurs. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

„Dass der Spielbetrieb am seidenen Faden hängt, ist allen Beteiligten klar“, sagt Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt. Angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen in Deutschland bangen auch die Amateurfußballer um ihren Saisonstart, der in den meisten Spielklassen für das erste September-Wochenende geplant ist – sofern es denn möglich ist.

Doch selbst wenn dies klappt, ist die Gefahr von Unterbrechungen des Spielbetriebs oder gar eines Saisonabbruchs wie in der zurückliegenden Spielzeit keineswegs gebannt. Mit einem „gewissen Pessimismus“ angesichts steigender Infektionszahlen blickte Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), schon vor anderthalb Wochen beim Kreisfußballtag Biedenkopf in die Glaskugel. Auch weil es nicht weit hergeholt ist, dass es früher oder später auch unter den Amateurkickern einen Corona-Fall gibt – und dann?

„Der Verband ist zunächst außen vor“, erklärt Verbandsfußballwart Jürgen Radeck, „wir haben keine Befugnisse, wie mit Spielern und Trainern dann umzugehen ist.“ Am Ende des Tages sind die behördlichen Entscheidungen maßgeblich. „Das Gesundheitsamt spielt die zentrale Rolle“, erklärt Peter Schmidt. Und dies ist nicht nur auf Landesebene der Fall, sondern auch in der Regionalliga Südwest, in der Hessenmeister TSV Eintracht Stadtallendorf antritt und die vier Bundesländer umfasst. „Wird eine Corona-Infektion festgestellt, entscheidet die Gesundheitsbehörde, wie es weitergeht – auch was die weitere Nachverfolgung angeht“, sagt Felix Wiedemann, stellvertretender Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR, auf OP-Anfrage.

Auch über weitere Testungen und gegebenenfalls Quarantäne entscheidet die Behörde, der obliegt, wie weit sie den Kreis der Nachverfolgung zeichnet. Nicht auszuschließen sei, dass auch jene Spieler getestet oder unter Quarantäne gestellt werden, die kürzlich gegen die Mannschaft spielten, in der es den Infektionsfall gab.

„Klar ist, dass wir mit den Mannschaften dann eine angemessene Vorbereitungszeit auf das nächste Spiel einräumen müssen, wenn die Mannschaft aus der Quarantäne zurückkehrt“, sagt Wiedemann. Eine Rückkehr am Freitag und ein Pflichtspiel am Folgetag sei selbstverständlich nicht zumutbar. Den Spielplan könnte eine oder gar mehrere Infektionen aber schon ordentlich durcheinanderwirbeln in den in dieser Runde überwiegend größeren Ligen. „Wenn zwei Teams betroffen wären, hieße es letztlich, dass mit Gegner schon vier Mannschaften betroffen sind“, weiß Radeck, „deshalb müssen wir aufpassen, dass wir hinsichtlich des Spielbetriebs nicht in eine Schieflage geraten.“

Jörg Wolf, Klassenleiter der Verbandsliga Mitte und Gruppenliga Gießen / Marburg, hatte kürzlich bereits gegenüber der OP Überlegungen geäußert, den Spielbetrieb zu unterbrechen, sollten vermehrt Infektionen auftreten. Auch Wiedemann hält dies für denkbar. „Genau festgelegt – etwa wie viele Spiele oder Teams ausfallen müssen – haben wir uns aber nicht“, sagt der stellvertretende Regionalliga-Geschäftsführer. Von der Hessen- bis in die B-Liga sollen laut Radeck aber Spielverlegungen um mehr als zwei Wochen nach „hinten“ künftig vermieden werden, um nicht erneut Gefahr zu laufen, dass die Teams im Falle eines Saisonabbruchs eine zu unterschiedliche Anzahl von absolvierten Partien vorweisen.

„Ich hoffe, dass wir Ende August mehr Klarheit haben“, sagt Schmidt. Schließlich sind die Ligen bereits eingeteilt, die Spielpläne schon fertig. Der Ball könnte also rollen. Wäre da nicht Corona.

Von Marcello Di Cicco