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Lokalsport Was heimische Fans Vettel und Co. zutrauen
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11:58 27.03.2021
Saisonauftakt im neuen Boliden: Sebastian Vettel (rechts, mit Teamkollege Lance Stroll) will in dieser Saison mit Aston Martin angreifen.
Saisonauftakt im neuen Boliden: Sebastian Vettel (rechts, mit Teamkollege Lance Stroll) will in dieser Saison mit Aston Martin angreifen. Quelle: James Gasperotti
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Marburg

Ab diesem Wochenende heulen wieder die Motoren in der Formel 1, die Ampel schaltet für den Saisonstart in Bahrain auf Grün. Auch viele heimische Motorsport-Fans fiebern dem Auftaktrennen der bekanntesten Rennserie der Welt an diesem Sonntag (29. März, 17 Uhr / Sky) entgegen – so auch Eduard Marquard.

Er befürchtet jedoch: „Leider wird Lewis Hamilton wieder Weltmeister.“ Er macht keinen Hehl daraus, dass er den Briten nicht sonderlich sympathisch findet. Vor allem würde er sich aber über etwas Abwechslung an der Spitze der Gesamtwertung freuen: „Das ist wie in der Fußball-Bundesliga, wo auch immer die Bayern Meister werden.“

MSC-Kürzel ist zurück

Die Daumen drückt der Fußballer und Abteilungsleiter beim TSV Kirchhain vor allem den deutschen Fahrern. Ganz vorn erwartet er beide nicht: „Sebastian Vettel sehe ich im Mittelfeld, aber vielleicht kann er ja für eine Überraschung sorgen. Hoffentlich hat der Aston Martin nicht so viele technische Probleme wie zuletzt sein Ferrari.“ Und Mick Schumacher?

Zunächst einmal findet er es „geil, dass das Kürzel ‚MSC‘ wieder in der Anzeige auftauchen wird“ – das hatte bereits Michael Schumacher verwendet. Dem Auto des Haas-Teams fehlt es „an Pace“, glaubt er, erwartet den 22-Jährigen daher zunächst im hinteren Bereich des Feldes.

RTL hat keine Formel-1-Rechte

Mit einem Pay-TV-Abo von Sky ist Marquard ausgestattet. Das braucht er, um alle Rennen sehen zu können, da RTL keine Formel-1-Rechte mehr hält und nur noch einzelne Grands Prix mit einer Sublizenz zeigen wird. Wie in der Vergangenheit will er künftig die Rennen gemeinsam mit seinem Vereinskameraden Felix Pochetti verfolgen – zusammen vor einem Fernseher oder jeder für sich. „Wir fachsimpeln dann ein bisschen“, erzählt der 29-Jährige. „Macht so mehr Spaß.“

Selbst bei einem Rennen gewesen ist Marquard bislang nicht. „Ich bin eher der Fernsehgucker, da sieht man letztlich auch mehr“, sagt er. Das bestätigt Jens Martin Jung aus Hartenrod. Der 31-Jährige hat den Vergleich: Bei Großen Preisen auf dem Hockenheimring und dem Nürburgring war er bereits mehrfach dabei: „Die Atmosphäre ist toll. Aber vom Renngeschehen bekommt man natürlich weniger mit, wenn man nur an einer Stelle der Strecke ist.“

Mick Schumachers in der Formel 1

Auch er freut sich über den Aufstieg Mick Schumachers in die Formel 1 – nicht zuletzt, weil er wegen Michael Schumacher als Kind Formel-1-Fan wurde. Auch er meint zum Neuling: „In diesem Auto sollte man von ihm nicht zu viel erwarten.“ Optimistischer ist er, wenn es um Vettel geht: „Ich glaube, er ist in einem guten Team, das viel erreichen will. Ob es aber direkt zu Siegen reicht, da bin ich skeptisch.“ Die erwartet er eher von Max Verstappen im Red Bull. Der Niederländer, so sein Wunsch, könnte die Dominanz Hamiltons brechen.

Jung hat bislang alle Rennen geschaut, egal, zu welcher Uhrzeit. Das wird er auch künftig können: Er habe zunächst überlegt, ob er sich ein Sky-Abo zulegt. „Meine Frau hat gesagt, ich solle es machen.“ Nicht, weil sie selbst auch Motorsport-Fan wäre, sondern: „Sie weiß, dass es mir wichtig ist.“

Laucht: Prioritäten haben sich verschoben

Sven Laucht war die Formel 1 auch lange Zeit wichtig. Fan, sagt er, sei er noch immer, ein Pay-TV-Abo wird er sich für die Rennen aber nicht zulegen. „Ziemlich geärgert“ habe es ihn, dass RTL weitgehend aussteigt, nur noch wenige Grands Prix zeigt. Früher, zu Zeiten von DF1 und Premiere, habe er auch zusätzliches Geld ausgegeben, um die Rennen sehen zu können. „Aber die Prioritäten haben sich geändert“, sagt der Familienvater aus Roth.

Hamilton, ist der Inhaber des Autohauses Laucht überzeugt, werde seinen achten Titel holen. „Wie es dahinter aussieht, wird man sehen.“ Vettels Wechsel zu Aston Martin bezeichnet er als „guten Schritt“, sieht den vierfachen Weltmeister aber nicht in der Spitze. Auf Mick Schumacher ist er gespannt: „Er ist ein riesen Talent. Er weiß, worauf es ankommt. Aber sein Name kann auch eine Belastung sein.“

Weber: Problem mit Rennstall Haas

Nicht darin, sondern in Schumachers Rennstall Haas sieht Bernd Weber das größte Problem. „Das ist kein Spitzenteam“, dämpft der 65-Jährige die Erwartungen. „Für ihn wird es zunächst darum gehen, sich durch sein fahrerisches Können auszuzeichnen und gegen seinen Teamkollegen durchzusetzen, um vielleicht nächstes Jahr in ein besseres Team aufzusteigen.

So war es damals seinem Vater ja auch schon gelungen“, spielt der Kirchhainer auf Michael Schumachers frühen Wechsel zum Karrierestart von Jordan zu Benetton an. Für Vettel hofft Weber, „dass er seinen Weg macht, Aston Martin hat Potenzial“, meint Weber, der seit Ende der 1960er-Jahre die Formel 1 verfolgt, als der dreifache Weltmeister Jackie Stewart bei ihm die Begeisterung entfachte. „Den fand ich klasse“, erzählt der Kirchhainer.

Hamilton ist Titelanwärter für heimische Fans

Nicht nur Weber ist sich sicher, dass Hamilton am Ende der Saison wieder ganz oben auf dem Siegertreppchen steht – auch Marvin Werneburg ist überzeugt: „Er holt sich seinen achten WM-Titel. Eventuell werden Valtteri Bottas oder Max Verstappen ein paar Rennen gewinnen, mehr aber nicht.“

Im Hause Werneburg in Mardorf findet derweil ein ganz eigener Wettkampf statt – und zwar im Mitfiebern: Denn während der 24-jährige Marvin großer Fan des zweifachen Weltmeisters und Rückkehrers Fernando Alonso ist („Den finde ich fahrerisch Weltklasse“), hält sein Vater zu Vettel, den Marvin Werneburg „im oberen Mittelfeld“ sieht. „Für Mick Schumacher wird es wohl eher ein Lehrjahr“, meint der Fußballer des SV Mardorf. Ob es so kommt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Von Stefan Weisbrod und Marcello Di Cicco