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Lokalsport Rums, da geht die Flinte los!
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15:00 12.05.2022
Quelle: Bodo Ganswindt
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Kirchhain

Das Schießen mit historischen Waffen – vorzugsweise Jagdgewehre englischer Herkunft – ist zur Passion des Kirchhainers Thomas Klaner geworden. Der 39-jährige Wirtschaftsingenieur hat Glanz in den Augen, wenn er von seiner Leidenschaft spricht.

Der Umgang mit Vorderlader-Gewehren, die im 18. und 19. Jahrhundert zur Jagd, auf dem Kriegsfeld und zum rein sportlichen Schießen verwendet wurden, will gelernt sein. „Du musst chemische, mechanische und physikalische Kenntnisse haben, wenn du die Waffe angemessen handhaben und pflegen willst“, sagt Klaner, der in Deutschland, Europa und darüber hinaus zu den Top-Schützen gehört. Er verfügt über eine stattliche Sammlung von Vorderladern, Replikate der Originale, mit denen er zu Wettkämpfen antritt und sich mit Gleichgesinnten misst. „Dabei geht es extrem kameradschaftlich zu. Man hilft sich untereinander, selbst wenn man der direkte Konkurrent ist.“

Die nächste hochrangige Gelegenheit für einen Vergleich mit Schützen aus aller Welt bietet sich vom 13. bis 21. August bei der Weltmeisterschaft in Pforzheim. Dort geht Klaner für Deutschland in fünf Disziplinen an den Start, und zwar im Schießen mit dem Steinschlossgewehr, dem Perkussionsgewehr, mit der Muskete und dem Dienstgewehr (stehend und liegend).

Thomas Klaners Waffenkoffer mit umfangreichem Zubehör. Quelle: Bodo Ganswindt

Er hatte sich darüber hinaus auch für die Disziplinen Freigewehr (100 Meter liegend) und Luntengewehr (stehend und liegend) qualifiziert. Doch da ist ihm die Belastung zu groß geworden. „Ich habe nämlich während der WM weitere Aufgaben zu erfüllen als Delegierter Deutschlands und als Teamkapitän der insgesamt 26 deutschen Schützinnen und Schützen“, betont er.

Für die recht schweren Waffen wird als Treibmittel Schwarzpulver benutzt, das je nach Waffe unterschiedlich in sorgfältig abgewogener Menge in den Lauf gefüllt wird. Anschließend wird entweder eine Rundkugel oder ein Langgeschoss hinzugestopft. Damit ist die Waffe im Prinzip geladen.

Die Kugeln gießt er selbst aus Bleiresten

Der Zündvorgang erfolgt je nach Gewehr unterschiedlich. Bei einer Luntenschloss-Zündung bringt eine Lunte das Pulver zur Explosion. Bei einer Steinschloss-Zündung erzeugt ein Feuerstein den Funken und die Perkussionszündung erfolgt über ein Zündhütchen. Der Effekt ist in allen Fällen unüberhörbar und bietet ein durchaus spektakuläres Bild. Dem Beobachter kommen etwa die bösen Buben Max und Moritz in den Sinn, die dem Lehrer Lämpel die Pfeife mit Schwarzpulver gestopft hatten. Wilhelm Busch reimte seinerzeit „Rums! – Da geht die Pfeife los mit Getöse, schrecklich groß!“

Es rumst zuweilen gewaltig auch im Langensteiner Schützenhaus, wenn Klaner in der Anlage seines Heimatvereins, der ihn optimal unterstützt, ein wenig übt und zum Beispiel mit dem Replikat eines Mortimer Steinschlossgewehrs des Kalibers 0.54 Zoll losschießt und in gleicher Sekunde eine Rauchwolke das Gesicht des Schützen verhüllt und ein Feuerstrahl aus der Rohrmündung schießt.

„Alle Gewehre müssen natürlich eingeschossen werden“, sagt Klaner. Er verweist darauf, dass es eine ziemliche Tüftelei mit Schießpulver, Fett, Zündhütchen und Bleikugeln sei, um Zielgenauigkeit zu erreichen. Er hat darin ein beachtliches Talent entwickelt. Dass ein derartiges Hobby auch einige Zeit in Anspruch nimmt, liegt auf der Hand. Ständige Begleiterin Klaners ist dessen Ehefrau Sandra, die selbst auch Schützin ist und ihren Mann während der Wettkampfpartien begleitet. Fast überflüssig zu sagen, dass Klaner mit seinem Hobby kein Geld verdient.

Im Gegenteil: Fast alles wird aus der eigenen Tasche bezahlt. Etwas Unterstützung erfährt er durch das Dachdeckerunternehmen Dörr, das ihn mit Bleiresten versorge, aus denen er die Kugeln gießt.

Von Bodo Ganswindt