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Lokalsport Von Vorfreude bis Skepsis
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11:00 15.01.2021
Österreichs Lukas Hutecek (links) und Julian Ranftl (Mitte) versuchen Deutschlands Marian Michalczik am Wurf zu hindern.
Österreichs Lukas Hutecek (links) und Julian Ranftl (Mitte) versuchen Deutschlands Marian Michalczik am Wurf zu hindern. Quelle: Marius Becker/dpa
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Marburg

Seit Mittwoch läuft die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten – wegen der Corona-Pandemie unter besonderen Bedingungen, auch für die deutsche Nationalmannschaft um Bundestrainer Alfred Gislason, dessen Schützlinge an diesem Freitag (15. Januar, 18 Uhr) gegen Uruguay in das Endrundenturnier starten. Unter anderem auf arrivierte Stammkräfte wie Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Finn Lemke und Steffen Weinhold muss die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) auskommen, sie hatten aufgrund der Pandemie auf ihre Teilnahme verzichtet.

Die OP hat bei heimischen Handballern nachgefragt, was fürs deutsche Team möglich ist – und wie sie die Ausrichtung des Kontinentalturniers vor dem Hintergrund von Corona bewerten.

Wolfgang Hof und Sabine Rauch trauen Team viel zu

Der Vorsitzende der HSG Hinterland, Wolfgang Hof, wird die Spiele vor dem Fernseher verfolgen. Allerdings steht er der Austragung der WM gespalten gegenüber. „Es ist prinzipiell in Ordnung, dass die WM stattfindet. Aber die Situation ist nicht ganz unproblematisch“, meint der Sinkershäuser.

Einen Vorteil sieht der Vorsitzende darin, dass der Sport im Gespräch bleibt. Dennoch kritisiert er: „Wir an der Basis dürfen keinen Ball in die Hand nehmen, und die Saison ist meiner Meinung nach gelaufen.“ Die Chancen des deutschen Teams schätzt Hof trotz der Ausfälle in der ersten Partie als „gut“ ein. „Ich traue der Mannschaft zu, dass sie mindestens ins Halbfinale kommen kann“, fügt Wolfgang Hof an.

Sabine Rauch, Pressewartin der Handballabteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf, hofft auf einen Überraschungserfolg der Deutschen, ähnlich wie beim Europameister-Titel 2016. „Deutschland ist eine Turniermannschaft. Gegen Uruguay und Cap Verde erwarte ich einen Sieg, gegen Ungarn wird es schwieriger“, meint Rauch.

Die Pressesprecherin freut sich auf das Turnier, jedoch versteht die Stadtallendorferin, wenn Spieler freiwillig auf die Teilnahme verzichten. „Jeder muss die Entscheidung selbst treffen, und das sollte man dann nicht kritisieren“, findet Rauch.

Hoffnung auf den „Turnier-Effekt“

Antonia Fürst blickt wegen der Pandemie „mit gemischten Gefühlen“ auf die WM-Austragung. „Ich habe mir schon alle Spieltermine der deutschen Mannschaft im Kalender eingetragen“, lässt die 24-jährige Rückraumspielerin des Bezirksoberligisten HSG Marburg/Cappel eine gewisse Vorfreude durchblicken – und meint: „So lange ein Hygienekonzept vorliegt, ist es vertretbar zu spielen. Ich bin schon mal froh, dass keine Zuschauer bei den Spielen erlaubt sind.“

Wie Rauch hofft sie auf den Turnier-Effekt: „2016 hatte auch keiner mit Deutschland gerechnet.“ Und auch die letzten Auftritte der DHB-Auswahl stimmen die HSG-Spielerin optimistisch: „Das Abwehrbollwerk fehlt zwar, wenn sich das Team gut anstellt, könnte sich die Mannschaft aber zu einer kleinen Wundertüte entwickeln.“

Die Abwehrleistung dürfte laut Benedikt Blattner, Trainer des Bezirksoberligisten MSG Kirchhain / Neustadt, entscheidend werden. „Die Herausforderung wird sein, den Mittelblock so hinzubekommen, dass er funktioniert. In Lemke, Pekeler und Wiencek fallen zwar wichtige Stützen aus, aber gegen Österreich hat man zuletzt gesehen, dass es auch ohne diese Spieler geht.“ Die Belastung könne allerdings ein weiterer entscheidender Faktor sein.

Was fürs DHB-Team drin ist, mag der 28-Jährige nicht einschätzen. „Das hängt auch davon ab, wie sich die Situation wegen Corona womöglich entwickelt. Man kann das Turnier aber als Chance begreifen – schließlich ist das Team auch ohne einige Spieler konkurrenzfähig.“

Von Leonie Rink und Marcello Di Cicco