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Lokalsport Von Profis, die keine Profis sind
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11:00 25.11.2020
Die Marburgerinnen Kaja Szych (von links) und Nora Brüning (hier gegen Dreieichenhains Tara Korbach) müssen weiter auf das erste Saisonspiel in der 2. Liga Nord warten. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Kuriose Szenen bieten sich aktuell beim Training der zweiten Mannschaft des BC Marburg. Das Zweitliga-Team der Young Dolphins von Headcoach Christoph Wysocki trainiert in drei Gruppen von je vier Personen. „An Mannschaftstraining ist gerade nicht zu denken. Ich habe die Halle halbiert, und auf jeder Seite spielen zwei Mädchen auf zwei Körbe – alles ohne Kontakt. Das erinnert an Training bei Kindern“, sagt Wysocki.

Die Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) hatte ihre Erst- und Zweitligisten nach den Corona-Verordnungen von Bund und Ländern als Profimannschaften definiert (die OP berichtete). Doch jetzt hat die Stadt Marburg den Young Dolphins, die in der 2. Bundesliga Nord an den Start gehen, den Trainings- und Spielbetrieb in Marburg untersagt. Diese Regelung gilt seit dem 17. November. Begründet wird das Verbot damit, dass keine „bezahlte Vollzeittätigkeit von Berufssportlerinnen“ bei der zweiten Mannschaft des BC vorliege, wie die Pressestelle der Stadt auf OP-Anfrage mitteilte. Aus diesem Grund sei es „unverantwortlich, die Spielerinnen quer durch das Land zu schicken, zumal es auch bereits Beschwerden von Eltern gegeben“ habe, heißt es weiter in der Mitteilung.

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Verein begrüßt Entscheidung der Stadt

Diese Entscheidung ist im Einvernehmen mit dem Verein getroffen worden, wie BC-Präsident Oliver Pohland gegenüber der OP bestätigte. „Wir sind dankbar über die Entscheidung der Stadt“, sagt der BC-Präsident. Das Trainings- und Spielbetriebsverbot gilt noch so lange, bis „es Lockerungen im Sport“ gibt, heißt es vonseiten der Stadt.

Die Young Dolphins haben in der 2. Bundesliga Nord noch keine Partie bestritten – am Wochenende findet bereits der sechste Spieltag statt. Obwohl auch die Städte Neuss und Braunschweig ihren Basketballteams ein Spiel- und Trainingsverbot ausgesprochen haben, hält DBBL-Geschäftsführer Philipp Reuner an der Fortführung der Spielzeit fest – und dies trotz der Tatsache, dass einige Mannschaften bereits fünf Spiele, andere wie Marburg oder Braunschweig hingegen noch keine Partie absolviert haben. Am ersten Dezember-Wochenende hätten die Young Dolphins bei Alba Berlin antreten müssen. Dazu dürfte es allerdings nicht kommen, denn: „Es ist problematisch, zu spielen, wenn man nicht trainieren kann“, merkt Reuner an.

Verletzungsrisiko steigt bei der Mannschaft

Der Plan der Liga ist es nun, die ausgefallenen Partien unter der Woche nachzuholen. „Das ist eine Herausforderung für uns, weil die Spielpartner der Neuansetzung zustimmen müssen“, sagt der DBBL-Geschäftsführer. Reuner stellt auch klar, dass es keine Frist gibt, wie viele Spiele eine Mannschaft bis zu einem bestimmten Datum absolviert haben muss. Einen Lichtblick gibt es jedoch für die „Zweite“ des BC: Der Spielbetrieb in der Nord-Staffel der 2. Liga wurde bis zum 30. Juni verlängert – mehr Zeit, um die abgesagten Spiele nachholen zu können.

„Die Mädchen haben wirklich Angst vor dem Virus. Wir können nicht einfach nach Berlin oder Osnabrück fahren. Die meisten Spielerinnen machen gerade ihr Abitur, studieren oder arbeiten. Sie können es sich nicht leisten, wenn sie zwei Wochen in Quarantäne gehen müssen“, stellt Wysocki fest.

Der Umstand, dass kein Teamtraining möglich ist, führt zu weiteren Schwierigkeiten. Es entsteht das Risiko für wieder genesene Spielerinnen wie Kim Winterhoff, die nach ihrem Kreuzbandriss zurück im Team ist, sich nach Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs erneut zu verletzen. „Ich muss die Mädchen – wie das WNBL-Team – wieder von null auf spielfähig bekommen. Selbst wenn wir eine Vorbereitungszeit bekommen, wird es schwierig“, merkt Wysocki an.

Von Leonie Rink