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Lokalsport Vom Balljungen zum Hoffnungsträger
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17:59 22.08.2019
Der elfjährige Mats Egbring auf dem Platz in Aktion. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Auf der Anlage des TV Marburg finden sich Nachwuchsspieler während eines Sommer-Camps zum „Schnuppern“ zusammen. Nebenan spielt Mats Eg­bring, der vom „Schnuppern“ allerdings schon weit entfernt ist.

Vor knapp einem Monat sicherte er sich den Hessenmeisterschaftstitel. Was vorerst wie eine sehr gute Leistung wirkt, wird noch beachtlicher, wenn man bedenkt, dass der Elfjährige diesen Titel bereits zum zweiten Mal holte.

Egbring besucht seit Beginn des Schuljahres die sechste Klasse auf der Steinmühle. Noch überschneidet sich der Sport mit der Schule recht selten. „Manchmal sind Turniere so gelegt, dass ich auch mal einen Tag von der Schule befreit werde“, sagt er.

In den sportlichen Fußstapfen der Eltern

Ein großes Problem stellt das aber nicht dar, da die Steinmühle „eine sehr unterstützende Schule für junge Sportler ist“, betont seine Mutter Susanne Egbring. „Zudem schicken auch die Turnierausrichter meist gleich ­eine Schulbefreiung mit“, ergänzt sie.

Sein Interesse am Tennis ist von seinen Eltern geprägt, die beide ebenfalls Tennis spielen und häufig mit ihrem Sohn privat trainieren. „Wir sind schon eine kleine Tennisfamilie“, sagt Susanne Egbring. Wenn das Nachwuchstalent mit dem TV Marburg trainiert, steht einerseits einmal pro Woche Athletiktraining an, in dem neben der Kondition vor allem an der Beinkoordination gearbeitet wird.

„Die Beinarbeit gehört zu meinen Schwachpunkten. Deshalb sind beispielsweise Trainingseinheiten an der Leiter recht wichtig“, gesteht Eg­bring. Zu dem Athletiktraining gesellen sich noch drei Tage in der Woche dazu, in denen er auf der Anlage des TV Marburg trainiert.

Sieg beim Deutschen Jüngstenturnier

Damit ist allerdings noch nicht Schluss. Da sich die Anzahl der gleichwertigen Spieler im Landkreis Marburg-Biedenkopf für ihn allmählich immer weiter verringert, besucht Eg­bring auch das Bezirkstraining in Wetzlar. „Einer von uns beiden holt ihn nach der Schule ab, um ihn dorthin zu fahren“, erklärt Susanne Egbring den Ablauf.

Auf Dauer kommt dadurch zwar ein gewisser zeitlicher und finanzieller Aufwand zustande, den die Eltern aber guten Gewissens in Kauf nehmen. „Letztlich überwiegt dann auf jeden Fall die Unterstützung für Mats“, betont seine Mutter stolz.

Dieser Stolz ist auch durchaus begründet. Die zwei Titel bei den Hessenmeisterschaften sind nämlich nicht das Einzige, was Mats Egbring mittlerweile schon vorzuzeigen hat. So ging er vor wenigen Wochen als Erstgesetzter des hessischen Verbandes beim Talent-Cup in Essen an den Start, den er mit dem achten Platz abschloss. Das Nationale Deutsche Jüngstenturnier in Detmold entschied Egbring sogar für sich. Hinzu kommt für Egbring noch der 16. Platz in der deutschen Tennisrangliste für den Jahrgang 2008.

Eine ganze Sammlung 
von Schweißbändern

Etwas überraschend ist hingegen die Wahl seines persönlichen Vorbilds. Während vielen Leuten die Namen Federer, Nadal, Djokovic oder Zverev einfallen, antwortet Egbring ohne zu zögern: „Dominic Thiem.“ Der 25-Jährige, der 2016 als dritter Österreicher überhaupt in die Top Ten der Weltrangliste vorrückte, habe demnach eine vergleichbare Spielweise wie er selbst.

Zu seinen Stärken zählt Egbring vor allem den Aufschlag. „Ich bin für mein Alter relativ groß, so dass ich beim Aufschlag schon Vorteile habe“, sagt er. Auf Hinweis von seinen Eltern ergänzt der Elfjährige, dass seine Schlagvielfalt auch bereits sehr ausgeprägt ist.

Wenn die Profis bei großen Turnieren wie Wimbledon kürzlich auftreten, saugt Egbring „alles wie ein Lexikon auf“, berichtet seine Mutter. Die Begeisterung am Tennis verdeutlicht sich auch durch eine besondere Sammlung. „Viele wollen Autogramme von den Spielern, aber ich habe eine ganze Sammlung von Schweißbändern“, sagt Egbring stolz.

An den Linien im Einsatz 
für Zverev und Brown

In Zukunft soll die bisher so ­erfolgreich verlaufende Karriere­ fortgesetzt werden. „Ich will die Hessenmeisterschaften natürlich nochmal gewinnen“, gibt Egbring sich angriffslustig. Auch die Marburg Open reizen ihn.

„Ich bin seit einigen Jahren Ballkind und habe auch schon heutige Stars wie Alexander Zverev oder Dustin Brown gesehen“, sagt Egbring. Dadurch werde man angespornt. Sollten die kommenden Jahre für Mats Egbring ähnlich erfolgreich verlaufen, steht einer Teilnahme ­jedenfalls nichts mehr im Weg.

von Yann Ruppersberg