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Vier Athleten des TV Gladenbach im Bundeskader
Vier Athleten des TV Gladenbach im Bundeskader
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15:00 30.11.2021
Christopher Müller (rechts) bei der Ju-Jutsu-WM in Abu Dhabi gegen den Griechen Evangelos Baliousis
Christopher Müller (rechts) bei der Ju-Jutsu-WM in Abu Dhabi gegen den Griechen Evangelos Baliousis Quelle: Deutscher Ju-Jutsu Verband
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Gladenbach

Dunkle Gardinen hängen vor den Fenstern in einem kleinen Raum in der kleinen Sporthalle in der Ringstraße in Gladenbach. Von außen ist Licht im Inneren zu sehen. Im Inneren des Raums liegen rote und grüne Matten am Boden. Die Sportlerinnen und Sportler tragen ihre weißen Anzüge mit farbigen Gürteln.

Der Trainer des TV Gladenbach, Christopher Müller, sticht mit seinem schwarzen Gürtel optisch leicht heraus. Seit drei Jahren ist er Bundestrainer für die Junioren in der Disziplin Bodenkampf. Seit knapp 22 Jahren übt der Polizeibeamte den Sport aus, wie schon sein Vater vor ihm und Tochter Lina und Sohn Constantin nach ihm. „Im Alter von acht Jahren habe ich beim TV Gladenbach mit dem Judo begonnen. Danach habe ich mit dem traditionellen Ju-Jutsu angefangen. Mein eigenes Training und das Coaching von anderen gingen daher Hand in Hand“, sagt Müller.

Lina Müller übt Jiu-Jitsu beim TV Gladenbach aus Quelle: Leonie Rink

An seine 13-jährige Tochter Lina gibt Müller bereits jetzt weiter, dass sie das Training ein Stück weit in die Hand nehmen soll. Die Schülerin, die das Gymnasium Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe besucht, kam mit sechs Jahren zum Ju-Jutsu, seither entwickelte sie sich stetig. „Ich war früher nie im Hessenkader. Da ich aber jetzt Deutsche Meisterin in der Disziplin Fighting geworden bin, bin ich zum ersten Mal für den Bundeskader im kommenden Jahr nominiert“, sagt Lina Müller, die bei der Europameisterschaft auf der griechischen Insel Kreta im kommenden Frühjahr ihr Nationalmannschafts-Debüt bei einem internationalen Turnier geben wird. „Der Titel bei den Deutschen Meisterschaften hat mich stolz gemacht. Ich will dahin, wohin es mein Papa auch geschafft hat“, merkt die Dautpherin an, deren Vater unter anderem mehrfacher Mannschaftsweltmeister im Fighting sowie Weltmeister geworden ist.

Maurice Adelfio übt Jiu-Jitsu beim TV Gladenbach aus Quelle: Leonie Rink

Ebenfalls große Ziel vor Augen hat Maurice Adelfio. Der Silberger fing bereits im Kindergartenalter mit Selbstverteidigungskursen an. Daraufhin hat der Elftklässler, der die Lahntalschule in Biedenkopf besucht, einen Verein in seiner Nähe gesucht. Einige Zeit spielte er Fußball und übte gleichzeitig Ju-Jutsu aus. Aufgrund von sich überschneidenden Trainingszeiten entschied sich der 16-Jährige dann für den Kampfsport. „Ich fand Sport schon immer gut, deswegen gehe ich auch nebenbei noch ins Fitnessstudio und trainiere da Kraftdreikampf, also Powerlifting“, sagt Maurice Adelfio, der seit einem Jahr Bundeskaderathlet ist. „Die Weltmeisterschaft zu gewinnen wäre schon cool. In diesem Jahr habe ich die WM aufgrund einer Schulterverletzung leider verpasst. Zudem will ich auch im Fitness-Bereich erfolgreicher werden und da mal auf Wettkämpfe gehen“, sagt der Schüler, als er über seine sportlichen Ziele spricht.

Lotta Sander übt Jiu-Jitsu beim TV Gladenbach aus Quelle: Leonie Rink

Eine weitere Athletin, die ihre erste WM krankheitsbedingt verpasste, war Lotta Sander. Die Dautpherin begann im Alter von sieben Jahren durch einen glücklichen Zufall mit dem Kampfsport. „Mein Bruder hat einen Sport gesucht und Ju-Jutsu ausprobiert. Für ihn war es gar nichts, aber mir hat es umso besser gefallen“, stellt die 16-Jährige fest, die vor dem Kampfsport zwei Jahre lang Trampolin gesprungen ist. Nun gehört die Elftklässlerin, die die Lahntalschule in Biedenkopf besucht, zu einer der besten Ju-Jutsu-Kämpferinnen im Verein. „Als ich mit dem Sport angefangen habe, hätte ich mir nicht erträumen können, dass ich mal die Möglichkeit haben würde, zu einer WM zu fahren. Ich habe es zwar gehofft, aber gedacht habe ich es nicht. Dass ich die Weltmeisterschaft in diesem Jahr verpasst habe, war wirklich schade“, sagt Lotta Sander, die ihre zweite Chance für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten im kommenden Jahr nutzen möchte. Denn wie ihre beiden Vereinskollegen fährt auch sie im Frühling zur Europameisterschaft nach Kreta. „Mit einer guten Platzierung auf Kreta qualifiziere ich mich für die WM“, erklärt die Schülerin.

Constantin Müller übt Jiu-Jitsu beim TV Gladenbach aus Quelle: Leonie Rink

Der Verein wurde in Sachen WM in diesem Jahr aber nicht nur von Verletzungen und Krankheiten verfolgt, sondern in Constantin Müller konnte einer der drei qualifizierten Sportler in Abu Dhabi starten. Er sicherte sich in der Disziplin Fighting in der Altersklasse U 16 sowie der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm den dritten Platz. Im kleinen Finale setzte sich der 15-Jährige gegen seinen Bundeskader-Kollegen Nikas Manschitz aus Erbach durch, gegen den er im Finale bei den Deutschen Meisterschaften noch den Kürzeren gezogen hatte. „Ich wollte schon immer bei einer WM starten, weil mein Vater das auch gemacht hat. Seine erste WM war in dem Jahr, in dem ich geboren wurde und seither wollte ich das auch. Deshalb bin ich stolz, dass ich dort starten konnte“, sagt der Neuntklässler , der das Gymnasium Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe besucht.

„Ich war sehr aufgeregt vor den Kämpfen. Vorher habe ich auch noch nie in einer so großen Sporthalle gekämpft wie dort“, merkt Constantin Müller an, der seine Medaille an einem sicheren Ort verstaute. „Bis zum Hotel habe ich die Medaille getragen und sie dann in den Rucksack gepackt. Da habe ich sie dann bis zum Rückflug nicht mehr rausgeholt. Ich habe mir auch überhaupt keine Gedanken darüber gemacht“, sagt der Dautpher, der im Alter von fünf Jahren mit dem Ju-Jutsu begann. Im kommenden Jahr steigt der 15-Jährige sowohl in der Alters- als auch in der Gewichtsklasse in die nächsthöhere Klasse. „Das wird eine spannende, aber auch anstrengende Umstellung werden“, sagt der WM-Dritte. Einer dieser ersten Gradmesser wird die EM auf Kreta sein. Dafür trainiert Constantin Müller mit seinen Vereinskollegen im kleinen Raum mit den dunklen Gardinen bis zum Frühjahr.

Von Leonie Rink