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Lokalsport Viele Hinweise auf Verhaltensregeln
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11:58 22.08.2020
Fußball und Hygienekonzept: ein Hinweisschild auf dem Sportgelände in Beltershausen. Quelle: Stefan Weisbrod
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Beltershausen

Ein paar Dutzend Zuschauer sind es, die an diesem Abend, als die Partie des gastgebenden B-Ligisten gegen den übermächtigen VfB Marburg angepfiffen wird, rund um den Sportplatz in Beltershausen verstreut sind.

Manche Fans sitzen auf der Seite des Sportheims auf einer Mauer, andere stehen oberhalb selbiger oder direkt am Geländer. 1,50 Meter Abstand sind gefordert, den Zollstock sollte man besser nicht überall anlegen. Aber es ist auch nicht so, dass sie aufeinanderhängen würden.

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Der Vereinsvorsitzende Andreas Rautäschlein greift zum Mikrofon, macht eine Durchsage, weist auf die Hygieneregeln, die eine weitere Ausbreitung des Coronavirus eindämmen sollen, hin, erwähnt dabei auch den Mindestabstand.

Am Geländer auf der Gegenseite schauen sich manche Zuschauer, aber auch Ersatzspieler des Heimteams an, rücken ein wenig weiter auseinander. Ja, ein Bewusstsein für die Situation scheint da zu sein.

Nur Unachtsamkeiten, kein Vorsatz 

Die Verantwortlichen des SV Beltershausen haben sich viele Gedanken gemacht. Schilder weisen darauf hin, wo welche Zone beginnt und aufhört. Konkret: Der Platz selber ist „Zone 1“ – Zuschauer haben hier nichts zu suchen, ebenso in „Zone 2“, den Umkleidekabinen und Duschen.

Die Gäste dürfen sich nur in „Zone 3“ aufhalten, zu der auch ein Teil des Sportheims gehört – Frau und Mann müssen schließlich auch mal auf Toilette. Mit Pfeilen auf dem Boden und innerhalb des Gebäudes an den Wänden ist gekennzeichnet: Durch die linke Tür geht’s rein, durch die andere wieder raus. Hinweise auf Desinfektionsspender gibt es auch.

Vorsätzliche Missachtungen gibt es nicht, sie fallen jedenfalls nicht in den Blick. Es sind eher Unachtsamkeiten: Eine Frau kommt aus dem Sportheim heraus, durch die Tür, die eigentlich nur Ein- und nicht Ausgang ist. Ein Mann, wohl ein Bekannter, spricht sie darauf an, nicht belehrend, nur hinweisend. Die Dame blickt mit einem „Ohh!“ zurück, hatte die Markierungen offenbar schlicht nicht wahrgenommen.

Füllen wirklich alle einen Zettel aus?

An einem Stehtisch steht ein junger Mann mit einer Bierflasche in der Hand, stützt sich auf der Ablage ab, sieht von dort, wie der angereiste Verbandsligist einen Angriff nach dem anderen startet, am Ende wird er zwölf Tore geschossen haben. Eigentlich ist es kein Problem, dass der Zuschauer dort steht, doch liegen auf dem Stehtisch Formulare aus, von denen „jeder, der nicht auf dem Spielberichtsbogen steht“, wie es in den Durchsagen des Vorsitzenden heißt, eines ausfüllen und in eine Box einwerfen muss.

Steht der Mann dauerhaft dort, kann natürlich niemand anderes unter Einhaltung des Mindestabstands an die Vordrucke gelangen. Ein kleiner Hinweis reicht. Auch in diesem Fall war’s offensichtlich Unachtsamkeit, kein Vorsatz.

Die Formulare sind wichtig, können im Ernstfall wichtig werden: Sollte sich später herausstellen, dass ein nachweislich Corona-Infizierter vor Ort war, würden darüber mögliche Kontaktpersonen ermittelt werden. „Da kann es also um die Gesundheit gehen“, sagt Rautäschlein am Rande des Spiels im Gespräch mit der OP. Dass tatsächlich alle die Zettel ausfüllen und einwerfen, kann er indes nur hoffen. Es nachzuprüfen ist für ihn unmöglich.

Umsetzung „so gut es eben geht“

Der Sportplatz in Beltershausen ist nicht von einem Zaun umgeben, ein wirkliches Sportgelände mit fixen Grenzen gibt es daher nicht. Zuschauer können etwa von einer kleinen Straße mit wenigen Schritten an die Stange ums Spielfeld gelangen. Zum „Meier-III-Cup“, der dieses Jahr ausgefallen ist, werden stets Bauzäune beschafft. Damit wäre es möglich, alle Zuschauer durch einen Ein- und einen Ausgang zu führen, die Erfassung wäre einfacher. „Aber wir können nicht zu jedem Spiel Zäune auf- und danach wieder abbauen“, sagt der Vereinschef, verweist sowohl auf die Kosten als auch auf den Aufwand.

Der ist ohnehin nun größer als vorher – und das ohne einige sonst treue Helfer. „Da sind einige Leute jenseits der 60, denen das Risiko aktuell einfach zu groß ist“, berichtet Rautäschlein und hat „vollstes Verständnis“, dass sie derzeit zu Hause bleiben. Trotzdem: Die Maßnahmen stellt er nicht infrage. „Wir setzen sie um, so gut es eben geht. Wir können aber nicht jedem Zuschauer ständig sagen, wenn er zu nah an einem anderen steht.“ Es gehe, betont er, „eben auch um die Eigenverantwortung jedes Einzelnen“.

Von Stefan Weisbrod