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Lokalsport Überraschungsmeister VfB Wetter II
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17:55 28.07.2020
Wetters Yanik Johannes Spenner (rechts) enteilt in dieser Szene Johannes Hahn von der SG Niederweimar/Haddamshausen. Die VfB-Reserve ist Meister der Kreisliga B Marburg II geworden. Quelle: Nadine Weigel
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Wetter

Nein, damit hätte selbst der Trainer absolut nicht gerechnet. Im „gesicherten Mittelfeld“, sagt Michael Reinhardt – wohl wissend, dass es aus der Kreisliga B keine Absteiger gibt – wollte er mit dem VfB Wetter II mitspielen. Stattdessen ist zweite Mannschaft des Gruppenligisten in der abgebrochenen Saison Meister der Marburger B-Liga-Staffel II geworden. Wobei das mit der zweiten Mannschaft relativ ist: Einen wirklichen Kader gab es nicht.

Gerade einmal sieben Spieler seien der Reserve fest zuzuordnen gewesen, erklärt Reinhardt, doch mehr als 40 Kicker wurden eingesetzt – von Teenagern bis zu alten Herren weit jenseits der 50. Den „Oldies“ sei „ein Riesendank“ auszusprechen, sagt der 53-Jährige, der selbst in mehreren Partien aktiv mitgewirkt hat.

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Teilweise standen bis zu sieben Altherren-Fußballer auf dem Platz, manchmal zusammen mit Spielern aus der ersten Mannschaft. „Auch sie haben sich super eingebracht. Keiner, der bei uns ausgeholfen hat, hat irgendwelche Allüren gezeigt“, erklärt der bisherige Coach, spricht von „immer wieder bunt zusammengewürfelten Teams, die meist gut funktioniert haben“.

Ein Spiel muss kampflos abgegeben werden

Von 18 Begegnungen, die in die Wertung eingegangen sind, gewann Wetter II 14. Zwei Unentschieden gab es – und auf dem Papier zwei Niederlagen. Tatsächlich wurde die Mannschaft auf dem Platz nur einmal besiegt: im August 2019 vom späteren Vizemeister und Mitaufsteiger TSV Caldern, „ausgerechnet in dem Spiel, in dem wir den nominell besten Kader zusammen hatten“, wie Reinhardt berichtet. Die zweite Niederlage resultiert aus dem März 2020, vom letzten Spieltag, der vor der Corona-Pause ausgetragen wurde: „Wir haben einfach nicht genügend Leute zusammenbekommen.“ Die Punkte gingen daher kampflos an den TSV Michelbach II. Trotzdem blieb die „Zweite“ des VfB mit durchschnittlich 2,44 Zählern pro Partie ganz vorn – aus Sicht von Reinhardt „sicherlich etwas glücklich“. Er sagt aber auch: „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt eben die beste Bilanz. Daher sind wir der verdiente Meister.“

In die Kreisliga A geht Reinhardt nicht mit, jedenfalls nicht als Trainer: „Ich habe im Winter schon gesagt, dass ich aufhöre. Ich bin jetzt seit 25 Jahren Trainer, ich brauche das nicht mehr.“ Sein Nachfolger steht in Marco Bamberger bereits fest. Möglich ist jedoch, dass Reinhardt auch in der neuen Saison als Spieler in der ein oder anderen Partie mitwirken wird: „Wenn Not am Mann ist, darf man mich gern fragen. Ansonsten werde ich als Zuschauer dabei sein und die Daumen drücken.“

Fast jedes Jahr eine neue Liga

Gäbe es eine Wertung der Mannschaften, die in den vergangenen zehn Jahren am häufigsten die Ligazugehörigkeit gewechselt haben, der VfB Wetter II stünde weit oben. Die Reserve des aktuellen Gruppenligisten spielte seit 2010 nur zweimal ein zweites Jahr in Folge in derselben Klasse, was auch der geografischen Lage geschuldet ist: In der Saison 2010/2011 stieg die Mannschaft aus der Kreisliga A Biedenkopf ab, blieb aber im Hinterland am Ball, trat in der dortigen Kreisliga B an. In der Spielzeit 2012/2013 ging es im Heimatkreis Marburg in Staffel I der Kreisliga B weiter, 2013/2014 wurde dann die Meisterschaft in der Frankenberger Kreisliga B errungen. In der Kreisliga A des nördlichen Nachbarkreises spielte das Team zwei Saisons – abgeschlossen mit dem Titel 2016. Nachdem sich die Kreisoberliga Gießen/Marburg Nord als etwas zu stark erwies, war die Kreisliga A Marburg von 2017 bis 2019 die Heimat der VfB-Reserve. Dorthin kehrt die Mannschaft nun als Meister der Kreisliga B Marburg II zurück.

Von Stefan Weisbrod