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Lokalsport U 23 des VfB Marburg hat den Auftrag erfüllt
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13:00 23.06.2022
VfB Marburg II ist Meister der Kreisliga B Marburg II geworden – das stand nach einem Spielabbruch in Cölbe fest, der Jubel fiel dort eher verhalten aus.
VfB Marburg II ist Meister der Kreisliga B Marburg II geworden – das stand nach einem Spielabbruch in Cölbe fest, der Jubel fiel dort eher verhalten aus. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Wenn nicht wir, wer sonst?“ Die Frage steht auf den Meistershirts, die sich die Spieler der „U 23“ des VfB Marburg überstreiften. Die sachliche Antwort: der FV Wehrda II. Der war der stärkste, in der Schlussphase der Saison in der Fußball-Kreisliga B Marburg II der einzige wirkliche Titel-Konkurrent der „Schimmelreiter“, die letztlich mit sechs Punkten Vorsprung oben standen. Das vor der Saison ausgegebene Ziel ist damit erreicht worden. Auftrag erfüllt!

Gern hätte der VfB seine nach einer Pause neu gegründete Zweitvertretung (siehe Infobox) bereits in der abgelaufenen Saison in der Kreisliga A gesehen. Ein entsprechender Antrag wurde aber vom Marburger Kreisfußballausschuss abgelehnt. „Wir hätten schon in dieser Saison dahin gehört“, sagt Ludwig „Lui“ Hoß, ärgert sich noch immer darüber – vor allem aus einem Grund: den vielen Absagen durch Gegner. „Ich habe 18-, 19-, 20-Jährige, die immer ins Training kommen, die sich voll reinhängen und sich auf die Spiele freuen. Denen muss ich dann am Spieltag oder am Tag davor sagen, dass wieder einmal eine Mannschaft nicht gegen uns antreten will. Das ist nicht schön.“

Er berichtet von einem Telefonat mit dem Trainer einer anderen Mannschaft, der die Absage so begründet habe: „Er hat gesagt, es seien nur sieben Leute im Training gewesen und er wolle nicht mit einem Team zu uns fahren, was dann 20 Dinger kassiert.“ Insgesamt fielen ein halbes Dutzend Partien des VfB II aus, wurden jeweils mit 3:0 gewertet. „Klar, wir kriegen dann die Punkte. Aber wo bleibt da das Sportliche?“

Auch die Partie beim FV Cölbe II am drittletzten Spieltag wurde letztlich mit 3:0 für die Marburger gewertet – das aber aus einem anderen Grund: Die Partie wurde abgebrochen, weil sich ein FV-Spieler schwer verletzt hatte. Dafür habe er „volles Verständnis“ gehabt, sagt Hoß, zollte den Cölbern „überhaupt großen Respekt“, denn: „Sie hatten auch personelle Probleme, haben aber alles zusammengekratzt, um gegen uns spielen zu können.“

Ludwig "Lui" Hoß, Trainer des VfB Marburg II. Quelle: Stefan Weisbrod

Es war die Partie, in der das junge VfB-Team den Aufstieg aus eigener Kraft perfekt machen wollte. Zum Zeitpunkt des Abbruchs führte es mit 2:0. „Wir wussten dann gar nicht so richtig, wie wir uns verhalten sollten“, erzählt der Trainer. Den emotionalen Moment, in dem das Spiel abgepfiffen wird, der Aufstieg feststeht, gab es nicht. „Wir hatten die Meistershirts dabei, haben sie dann auch angezogen. Aber es war alles sehr verhalten.“ Später wurde dann aber doch noch „gebührend gefeiert“.

Dass sich in der Rückrunde eine Mannschaft „zusammengefunden“ hat, nachdem das Personal in der Hinserie noch häufig gewechselt hatte, unterschiedliche Spieler aus dem Verbandsliga-Kader eingesetzt wurden, freut Hoß besonders: „Da ist eine Gemeinschaft entstanden.“ Das und die gute Beteiligung hätten ihm auch die Trainingsarbeit erleichtert. Und daran will er in der Sommervorbereitung anknüpfen.

Hoß bleibt Trainer der Mannschaft, die fast vollständig zusammenbleibt, für die auch nur mit wenigen Zugängen geplant wird. „Ich denke, wir sind für die A-Liga gut aufgestellt“, sagt der erfahrene Coach, an dessen Hauptaufgabe sich nichts ändern wird: junge Spieler zu entwickeln und perspektivisch an die erste Mannschaft heranzuführen. Über ein konkretes Saisonziel möchte er noch nicht sprechen. Klar sei nur: „Die Vorgabe wird diesmal ganz sicher nicht lauten, Meister zu werden.“

Von der Bezirksoberliga bis zur Abmeldung

Lange Zeit war der VfB Marburg auch mit seiner Zweitvertretung höherklassig aktiv. In der Saison 2002/2003 spielte sie letztmalig in der damaligen Bezirksoberliga, der dritthöchsten hessischen Spielklasse. Danach bewegte sich die Reserve zwischen der Bezirksliga, aus der später die Kreisoberliga wurde, und der Kreisliga A, ehe sie 2013 zum ersten Mal abgemeldet wurde. In der Saison 2015/2016 trat eine „Zweite“ der „Schimmelreiter“ in der Kreisliga B an, wurde anschließend aber wieder zurückgezogen. Im vergangenen Jahr ist der erneute Neustart gewagt worden – mit dem klaren Ziel, die als „U 23“ bezeichnete Mannschaft dauerhaft als Sprungbrett für junge Spieler zu etablieren.

Von Stefan Weisbrod