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Lokalsport Versuchen wir unser Glück gleich um die Ecke!
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17:58 06.02.2021
Runter vom Sofa und rein in die Laufschuhe – auch in Corona-Zeiten kann man sich mit etwas Überwindung fit halten.
Runter vom Sofa und rein in die Laufschuhe – auch in Corona-Zeiten kann man sich mit etwas Überwindung fit halten. Quelle: Tobias Hase/dpa
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Marburg

Ein Virus mit Namen Corona macht uns fett. Das ist eher das Gegenteil von fit. Seit nunmehr einem Jahr hecheln wir – zunehmend kurzatmiger – unserer Form hinterher. Der Winter hat bislang auch nur wenige hinter dem Ofen hervorgelockt. Vielmehr hat man das sportive Treiben auf der Ebene des Durchschnittsbürgers von höchster Stelle downgelockt, wie man in schrecklichem Neusprech daherschwadroniert. Mit anderen Worten: Es ist quasi zum Erliegen gekommen.

Dem trägen Sofalurch mag dies durchaus willkommen sein. Sport ist Mord, glaubt jener zu wissen, macht die Beine lang, widmet sich Chips und Limonade oder gar der ein oder anderen Molle, deren Friedhof in Form von längst verloren geglaubtem Hüftgold in der Äquatorialzone des Körpers fröhliche Urständ feiert. Was bleibt dem großen Rest der redlichen Landsleute? Der Kampf gegen die überflüssigen Pfunde sollte dringend aufgenommen werden! Nur wo und wie?

Was darf die oder der Normalsterbliche überhaupt noch in dieser schrecklichen Zeit? Fragen, die das Leben stellt und der Gesetzgeber mehr oder weniger umfangreich beantwortet. Eines vorweg: Der Individualsport zu zweit oder der mit den Angehörigen des eigenen Hausstandes ist erlaubt. Wenn also die sportliche Keimzelle sich auf jenen Personenkreis beschränkt, dann darf Sport getrieben werden, und zwar entweder zu Hause oder an der frischen Luft.

Eine „Gaudi“ an der Wiese um die Ecke

Da gehen wir doch lieber an die frische Luft, beschließen Mama und Papa, Opa und Oma sowie Kinder und Kindeskinder! Und weil das Gute bekanntlich so nahe liegt, versuchen wir unser Glück gleich um die Ecke, auf der grünen Wiese, im Park, am Bach oder im Wald. Na, wenn das keinen Spaß verspricht!

Da lässt sich das Familienoberhaupt schon mal auf kleine Wettbewerbe ein, die besonders dazu beitragen, den Kreislauf in Wallung zu bringen. Wer zuerst den 50 Meter entfernten Holzstapel erreicht, wird die nächsten 100 Meter vom Rest der Gruppe getragen! Pech gehabt, Opa! Doch die erhöhte Sauerstoffaufnahme wirkt belebend.

Und wenn Opa und Papa später als Bremsklötze gegen die von hinten anschiebende Familie Widerstand leisten, dann kann dies zu einer Gaudi werden. Auch das abwechselnde Weitwerfen mit einem Holzknüppel ist eine mehrfach erprobte und beliebte Disziplin. Schließlich ist der schlichte Fußmarsch über ein paar Kilometer leichter zu ertragen, wenn die Gruppe diese mit ein paar trefflichen Liedchen auf den Lippen meistert.

Eine Pause muss sein!

Natürlich gibt es eine lohnende Pause in Form einer leckeren Brotzeit und Getränken. Wenn dann die Großeltern und Eltern auf dem Rückweg altbekannte Schnurren aus ihrer Jugend wieder neu auflegen und das Jungvolk diese tapfer oder gar schmunzelnd erträgt und seinerseits die Alten mit Storys aus ihren Cliquen überraschen, dann ist dies durchaus eine gelungener Beitrag zur sozialen Integration.

Andernfalls: Wer meckert, muss zehn Liegestütze machen. Jetzt wissen wir, wie Luft riecht. Das nächste Mal fahren wir mit den Rädern über Feld und Flur. Jeder überlegt sich für die anderen eine Aufgabe. Etwas im Gehirnschmalz rühren hat noch jedem gutgetan.

Wer zwar gesund, aber weniger gut zu Fuß ist und mit Jogging und Nordic Walking nichts am Hut hat, kann sich in der Wohnung eine Fitnessecke einrichten mit Hanteln, Gewichten, Ergometern und sich übers Internet anleiten lassen. Man muss ja nicht gleich mit Klopapierrollen jonglieren und das gute Porzellan auf seine Widerstandsfähigkeit prüfen. Für Yoga und Zumba etwa ist Platz in der kleinsten Hütte.

Wie reimte seinerzeit Joachim Ringelnatz in seinem Gedicht „Ruf zum Sport“? „Doch nicht nur der Sport im Winter, jeder Sport ist plus. Und mit etwas Geist dahinter wird er zum Genuss.“ Seien wir also etwas zuversichtlich und bieten Corona die Stirn. Lasst uns die Lust am Sport nicht verlieren – mit Disziplin und Rücksicht auf unsere Nächsten!

Von Bodo Ganswindt