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Lokalsport Rechner übernimmt VfB Marburg im Sommer
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10:39 27.01.2020
Von der FSG Südkreis zum VfB Marburg: Steffen Rechner wird im Sommer neuer Trainer der „Schimmelreiter“. Quelle: Stefan Weisbrod
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Marburg

Steffen Rechner hat eine Vergangenheit beim VfB Marburg – er spielte von den Bambini bis zu den Senioren im Club, mit dessen erster Mannschaft er 1999 in die Oberliga aufstieg – er hat auch eine Zukunft dort: Im Sommer wird der 42-Jährige Trainer beim Verbandsligisten. Eine entsprechende Mitteilung von dessen aktuellem Verein, der FSG Südkreis, bestätigten sowohl Rechner als auch der VfB.

Einen handfesten Grund für den Trainerwechsel lieferte Hartmut Drescher von der Sportlichen Leitung des VfB indes nicht. In einem knapp einstündigen Gespräch mit der OP blieb letztlich ungeklärt, warum das derzeitige Trainerduo, Chefcoach Harry Preuß und Co-Trainer Gerd Karcher, zum Saisonende die „Schimmelreiter“ verlässt und Rechner in einigen Monaten das Zepter übernimmt. „Man kann gar nicht einen Grund nennen. Es ist schwierig zu erklären, sehr komplex“, sagte Drescher, der dem Trainerteam „gute Arbeit“ attestierte.

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Verbandsliga Mitte

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Die Entscheidung wurde von der Sportlichen Leitung des Clubs, also vor allem Drescher und Peter Starostzik, getroffen und den Coaches am 12. Januar mitgeteilt. Am vergangenen Freitag wurden die Spieler informiert. „Dieser Schritt hat nichts mit unserer sportlichen Situation zu tun. Wir können in der Tabelle sogar noch nach oben klettern“, sagte Drescher. Der VfB hat auf einen Aufstiegsplatz ähnlich viele Punkte Rückstand wie Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Fragen bleiben offen

Mit Rechner will der Verein laut einer Pressemitteilung, übermittelt nach der OP-Anfrage, einen „perspektivischen Zyklus anstoßen und dafür die Voraussetzungen schaffen, ausdrücken, wofür wir stehen, neue Impulse einleiten und von allen einfordern“. Was dies bedeuten soll, blieb auch nach verschiedenen Gesprächen ein Mysterium. Aber es muss etwas geben, das die Verantwortlichen zum Handeln bewegt hat.

Das Duo Preuß/Karcher ist nicht billig. Geht es um Geld? Drescher verneint. Rechner ist knapp zehn Jahre jünger als der 51-jährige Preuß und der Verein hat im vergangenen Sommer eine Verjüngungskur des Kaders eingeleitet. Geht es darum, dass die Vereinsführung meint, dass der neue Mann besser mit jungen Spielern arbeiten kann? Drescher winkt ab. „Die Unterschiede zwischen Preuß/Karcher und Rechner zu suchen und zu fragen, wer besser ist, ist falsch. Es muss ja auch nicht immer besser werden, aber manchmal eben anders“, erklärte Drescher. Was aber anders werden soll – und wie –, bleibt ein Rätsel.

Bei ersten Gesprächen mit Rechner Ende des vergangenen Jahres sei noch kein Austausch des Trainers beabsichtigt gewesen: „Man spricht halt mit Trainern und man fragt natürlich auch mal. Aber als man miteinander gesprochen hat, hatte wir nicht den Wunsch, den Trainer zu wechseln“, versicherte Drescher.

FSG sucht Nachfolger

Preuß selbst hielt sich kurz: „Gerd und ich werden bis zum Sommer weiterarbeiten und wollen mit der Mannschaft die bestmögliche Platzierung erzielen. Dann ist Schluss“, sagte der frühere Profi, der im Sommer 2018 verpflichtet wurde. Karcher ist seit fünf Jahren im Verein, davon vier Jahre als Co-Trainer. Beide wurden nicht von der derzeitigen Sportlichen Leitung geholt, sondern vom einstigen Teammanager Uwe Müller, der nicht mehr in der Vereinsführung tätig ist. 

Rechner bestätigte auf Anfrage seinen Wechsel im Sommer, sein Fokus liege bis dahin aber „ganz klar auf der FSG Südkreis, mit der ich diese Saison erfolgreich abschließen will.“ Seit 2018 ist er Spielertrainer der Fußballsportgemeinschaft aus Argenstein, Niederwalgern, Roth und Wenkbach. Er meisterte mit dem Team einen personellen Umbruch. Nachdem die Mannschaft in der Vorsaison lange gegen den Abstieg kämpfte und sich erst am Ende der Saison noch auf Platz acht vorschob, spielt sie in der laufenden Runde im oberen Tabellendrittel mit.

„Steffen Rechner hat die vielen jungen Spieler weiterentwickelt und ihnen den Spaß am Fußball vermittelt“, lobte Thomas Nuhn von der Sportlichen Leistung der FSG den Coach. „Wir hätten mit ihm gern über den Sommer hinaus weitergemacht, bedauern daher seine Entscheidung, haben aus sportlicher Sicht aber Verständnis dafür.“

Die FSG ist als Tabellenfünfter in die Winterpause gegangen. Der Abstand auf das Toptrio aus Großseelheim, Amöneburg und Rauischholzhausen beträgt zehn Punkte und mehr, der SV Mardorf auf Rang vier ist jedoch nur zwei Zähler voraus. „Den vierten Platz wollen wir gemeinsam mit unserem jetzigen Spielertrainer erreichen“, nannte Nuhn die Zielsetzung. Wer die Nachfolge Rechners bei der FSG antritt sei noch offen, erklärt Nuhn: „Damit setzen wir uns jetzt auseinander. Wir werden sicher eine gute Lösung finden.“

von Benjamin Kaiser und Stefan Weisbrod