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Lokalsport Kommt der Videobeweis in der Kreisliga?
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16:58 09.12.2020
Schiedsrichter Martin Petersen zieht beim Bundesligaspiel 1. FC Köln – FC Union Berlin den Videobeweis zurate. Quelle: Foto: Martin Meissner
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Marburg

Das Szenario kennt jeder Fußballfan: Der Lieblingsklub hat ein Tor erzielt, doch richtig freuen kann man sich nicht, denn: „Das Tor wird überprüft“, heißt es wenig später. Sekunden und Minuten vergehen. Der Schiedsrichter hält seine Hand an sein Headset und hört, was der Video Assistant Referee (VAR) ihm mitteilt. Zählt das Tor, oder zählt es nicht? Hoffen auf der einen Seite, bangen auf der anderen.

Nach einem Bericht des „Kicker“ plant der Weltfußballverband Fifa die Einführung eines „VAR light“ in allen Spielklassen. Ziel sei es, den Schiedsrichtern im Amateurfußball „das Leben zu erleichtern“, berichtet der Kicker weiter. Kommt der Videobeweis also bald auch auf den Sportplätzen im heimischen Landkreis?

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Braun sieht Probleme bei Schiedsrichter-Ansetzungen

Lars Braun, Kreisschiedsrichter-Obmann des Fußballkreises Biedenkopf, ist skeptisch, ob der Videoassistent überhaupt eingeführt wird. „Ich halte vom VAR gar nichts. Wir haben jetzt schon das Problem, dass wir kaum Schiedsrichter haben und wissen nicht, wie wir die Spiele besetzen sollen. Ich weiß nicht, wo wir dann noch einen Videoassistenten herbekommen sollen“, merkt er an.

Bei der Schiedsrichtervereinigung Marburg war das Thema auf der Agenda – aber nur kurz. „Ich habe nur die Überschrift im ,Kicker’ gelesen und dann herzlich gelacht. Ich habe mich nicht getraut weiterzulesen“, sagt Kreisschiedsrichter-Obmann Markus Bengelsdorff.

„Es war kurz Thema bei uns, aber auch Kreisfußballwart Peter Schmidt hat gesagt, dass doch noch nicht der 1. April sei“, lässt Bengelsdorff durchblicken, dass eine mögliche Umsetzung in weiter Ferne liege. Der Marburger sieht den „VAR light“ eher als eine Option an, damit man das Regelwerk erweitern könne.

Verbandsschiedsrichter-Chef gibt sich „sehr skeptisch“

„Also, wenn sich eine Firma bereit erklärt, alle Spiele in der Region zu filmen, dann sagen wir nicht Nein. Aber ansonsten halte ich das für unrealistisch, und das ist kein Thema für uns“, sagt Bengelsdorff. Weiter glaubt der Marburger Kreisschiedsrichter-Obmann daran, dass es als Möglichkeit diene, damit Amateure und Profis auf dem Papier gleichgestellt sind.

Gerd Schugard, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Hessischen Fußball-Verband (HFV), sieht dies ähnlich, stellt in Sachen Gleichstellung aber fest, „dass wir es de facto nicht sind“. In den bisherigen Gesprächen sei der „VAR light“ weder auf Verbandsebene Thema gewesen, noch sei es von übergelagerter Ebene an den Verband herangetragen worden.

„Der Verbandsschiedsrichterausschuss beschäftigt sich damit nicht“, sagt Schugard, der einer möglichen Umsetzung ohnehin „sehr skeptisch“ gegenüber steht, denn: „Dies wäre mit einem sehr großen Aufwand verbunden. Auf Kreisebene ist so etwas kaum umsetzbar.“

Von Leonie Rinkund Marcello Di Cicco