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Lokalsport Tonisha Baker: Die Dauer(b)rennerin
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17:00 27.10.2020
Frohnatur und Leistungsträgerin beim BC Pharmaserv Marburg: Tonisha Baker. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Patrick Unger nannte sie mal ein „Phänomen“: Sie werde nie müde, sei immer auf den Beinen, sagte der langjährige Cheftrainer des BC Pharmaserv Marburg über Tonisha Baker. „Wenn du über Wochen alle drei bis vier Tage gespielt hast, alle anderen platt sind und sich darüber freuen, mal ein paar Tage frei zu haben, fragt sie, wann denn endlich wieder ein Spiel ist.“

Mehr als sieben Monate lang haben die Marburger Basketballerinnen gar kein Pflichtspiel gehabt. Im März endete die alte Bundesliga-Saison abrupt vor dem letzten Hauptrunden-Spieltag, der Beginn der neuen Spielzeit wurde aufgrund der Corona-Pandemie einen Monat nach hinten geschoben. Für Tonisha Baker muss es eine Leidenszeit gewesen sein. Die 30-jährige Frohnatur würde sie aber ganz bestimmt nicht so bezeichnen.

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Keine Reise in die USA über Weihnachten

„Bake“ ist jemand, der sich nicht beklagt, der immer versucht, das Positive zu sehen. „Ein bisschen schade“, sagt die Aufbau- und Flügelspielerin im Gespräch mit der OP, sei es, dass es dieses Jahr nach Weihnachten keine Pause geben soll. Der Spielplan sieht vor, dass am 27. und 30. Dezember gespielt wird – der Zeitraum, den sie sonst für einen Flug über den Atlantik, Besuche bei Familie und Freunden nutzt. „Bestimmt klappt es nächstes Jahr im Sommer“, blickt sie nach vorn – und hofft, bis dahin eine komplette Saison gespielt zu haben: „Das ist in diesem Jahr mein größter Wunsch.“ Der zweitgrößte: „Ich hoffe, dass bald unsere Fans wieder dabei sein können. Ohne sie fehlt ganz viel.“

Das erste Saisonspiel am vergangenen Samstag fand Corona-bedingt ohne Zuschauer statt. „Das ist schon komisch“, sagt Baker, freut sich dennoch, dass es überhaupt wieder um Punkte ging, richtet einen Dank an „alle, die es möglich gemacht haben, alles so hinzukriegen, dass wir spielen durften“.

Im achten Jahr bei den Blue Dolphins

Die „17“ stand gegen Saarlouis mehr als 32 Minuten auf dem Parkett, trug elf Zähler zum 76:55-Sieg bei, legte wieder einige Kilometer zurück. Aber sie ist nicht nur Dauerrennerin beim BC, sie ist auch die Dauerbrennerin: Seit 2013, mit kurzem Zwischenstopp in Wolfenbüttel im Herbst 2014, ist sie in Marburg und nach dem Abgang von Finja Schaake Richtung Hannover die dienstälteste Spielerin. Die Universitätsstadt sieht Baker, die in Middleburg Heights, einer Vorstadt von Cleveland, geboren wurde, längst als ihre Heimat an.

Auch deshalb spürt sie keinen Drang, die Stadt, den BC zu verlassen, im für eine Leistungssportler etwas höheren Alter noch einmal woanders zu spielen. Sie möchte mit dem BC erfolgreich sein. „Wir haben großes Potenzial“, ist Baker überzeugt. Genug, um sogar um den Titel mitzuspielen? „Schwer zu sagen. Wir haben viele starke Gegner.“

Ihr Vater spielte einst in der NFL

„Einmal Deutsche Meisterin zu werden, wäre das Ultimative“, sagt die 30-Jährige, deren Vater Tony zwischen 1986 und 1989 als Runningback in der National Football League für die Atlanta Falcons, die Cleveland Browns und die Phoenix Cardinals und 1991 und 1992 in der World League of American Football für die Frankfurt Galaxy spielte. „Aber ich bin niemand, der trauern würde, wenn es nicht klappt. Ich erlebe viele tolle Sachen, die mich glücklich machen. Dafür muss ich keinen Titel gewinnen.“

Von Stefan Weisbrod