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Gerd Freiling ist trotz Handicap ein sportliches Vorbild
Gerd Freiling ist trotz Handicap ein sportliches Vorbild
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09:00 12.12.2021
Gerd Freiling spielt in der Bezirksoberliga für den TTC Burgholz-Kirchhain – und ist außerdem bei Turnieren im Para-Tischtennis aktiv.
Gerd Freiling spielt in der Bezirksoberliga für den TTC Burgholz-Kirchhain – und ist außerdem bei Turnieren im Para-Tischtennis aktiv. Quelle: Bodo Ganswindt
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Amöneburg

Als er vor 35 Jahren mit der ärztlichen Diagnose konfrontiert wird, er habe Morbus Crohn, ist das ein Schock für den damals 16-jährigen Gerd Freiling. Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Entstehung bis heute noch nicht exakt entschlüsselt ist und in mehr oder weniger intensiven Schüben verläuft, prägt fortan seinen weiteren Lebensweg. Er lernt, mit der Krankheit zu leben.

Das funktioniert nicht immer gut. „Ich habe mich mehre Male operieren lassen und irgendwann nur noch 42 Kilogramm gewogen“, sagt er. Schließlich stellt er unter ständiger ärztlicher Beobachtung seine Ernährung um und hat damit Erfolg. Überdies betätigt er sich sportlich. Seit seinem achten Lebensjahr ist er in dieser Sportart aktiv. In der jüngeren Vergangenheit gehört er zunächst zehn Jahre dem TTV Richtsberg an, ehe er sich zuletzt dem TTC Eintracht Burgholz-Kirchhain anschließt. Mit dem spielt er auf der Position im mittleren Paarkreuz in der Bezirksoberliga und schickt sich an, mit seinen Vereinskameraden den Aufstieg in bisher unerreichte Höhen zu schaffen. „In der Verbandsliga hat der Verein noch nie gespielt“, betont er. Mit dem Erreichen der Herbstmeisterschaft ist ein großer Schritt in diese Richtung getan, wenn es zuletzt auch gegen die Gäste aus Marburg-Ockershausen eine Niederlage setzte.

Drei Mal Meister im Doppel

Die regelmäßige sportliche Betätigung tut ihm gut. Zweimal pro Woche trainiert er Technik und Kondition. Inzwischen agiert er auch als Fitnesstrainer. Seiner Passion geht er auf zwei Ebenen nach. Einerseits im Regelsport, wo er es zu beachtlichen Erfolgen bringt. Er wird Bezirksmeister im Einzel und im Doppel. Andererseits setzt er Akzente im Para-Behindertensport in der Wettkampfklasse der allgemein Behinderten (AB). Mit dem Magdeburger Heiko Müller holt er drei Deutsche-Meister-Titel im Doppel und wird im Einzel dreimal Deutscher Vizemeister. Auf Hessenebene steht er zweimal im Einzel und im Doppel ganz oben auf dem Treppchen.

Tischtennis sei sein Haupthobby. Die in jeder Hinsicht fordernde Sportart ist offenbar dafür geeignet, sein Immun- und Herzkreislauf-System zu stärken und den Einsatz von Medikamenten in Grenzen zu halten. Er fühle sich wohl während der sportlichen Betätigung. Im Wettkampf schützt er den empfindlichen Darmbereich und trägt einen kaum sichtbaren Beutel auf dem Bauch. Überanstrengungen muss er vermeiden, bei Beschwerden sind Trainingspausen angeraten.

Bei TTC Burgholz-Kirchhain steht er im Einzel und im Doppel mit Jörg Lecher vollwertig seinen Mann. Mit 51 Jahren ist er der mit Abstand älteste Spieler. „Wie kennen uns alle schon seit Jahren und pflegen Freundschaften auch über den Sport hinaus“, sagt der in Amöneburg lebende Freiling, der in seinem Berufsleben zuletzt in der Buchhaltung tätig war, inzwischen aber Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht, die er mit seinen Honoraren als Fitnesstrainer aufbessert.

Von Bodo Ganswindt