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Lokalsport Aufschlag im Kampf gegen Parkinson
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13:00 06.04.2022
Am 11.4. geht’s los: Martin Althaus (links), Vorsitzender des TTC Ginseldorf, und Brigitte Auffarth hoffen auf einen guten Start von „PingPongParkinson“ im Stützpunkt Marburg.
Am 11.4. geht’s los: Martin Althaus (links), Vorsitzender des TTC Ginseldorf, und Brigitte Auffarth hoffen auf einen guten Start von „PingPongParkinson“ im Stützpunkt Marburg. Quelle: Marcello Di Cicco
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Marburg

Brigitte Auffarth erinnert sich noch gut, wie alles bei ihr anfing: Im Urlaub zitterte ihre Hand, sie hielt gerade eine Tasse Kaffee. „Aber auch nur dabei zitterte die Hand, sonst nie. Das war schon merkwürdig“, erzählt die 72-Jährige. Dies war im März 2010. Drei Monate später suchte sie in Marburg einen Arzt auf – bereits in der Erwartung, die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung zu erhalten. Es kam so. Und trotz der Vorahnung war sie überrascht. Die Diagnose sei für sie „eine Katastrophe“ gewesen, sagt Auffarth.

Die Rauischholzhäuserin ist eine von 400 000 Personen in Deutschland, die nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen mit der neurodegenerativen Erkrankung leben. Bei Parkinson findet ein langsam fortschreitender Verlust von Nervenzellen statt.

Studie: Tischtennis hilft bei Parkinson

Passend zum Weltparkinson-Tag am 11. April startet der TTC Ginseldorf in Kooperation mit dem Verein „PingPongParkinson Deutschland“ (PPP) am kommenden Montag (20 Uhr) ein Tischtennis-Schnuppertrainingsangebot für Parkinson-Erkrankte in der Sporthalle der Richtsberg-Gesamtschule. Geht es nach Auffarth und dem TTC-Vorsitzenden Martin Althaus, sollen sich Personen mit Parkinson von da an regelmäßig treffen können, um ganz unabhängig vom Leistungsstand sowie ohne Leistungs- und Wettkampfdruck miteinander Tischtennis spielen zu können.

„Wir finden dies eine wirklich gute Initiative“, begründet Althaus, warum die Ginseldorfer nach Anfrage von PPP-Regionalteamleiterin Silke Kind Anfang des Jahres nicht lange überlegen mussten, ob sie für das Projekt zur Verfügung stehen. Zumal das schnelle Rückschlagspiel, das heute anlässlich des Welttischtennistages gefeiert wird, durchaus positiven Einfluss auf die Parkinson-Erkrankung hat.

So verweist „PingPongParkinson“ auf eine im Mai 2020 veröffentlichte Studie japanischer Wissenschaftler der Fukuoka University. Demnach zeigten Menschen mit Parkinson, die sechs Monate lang einmal wöchentlich an einem Ping-Pong-Training teilnahmen, eine Verbesserung ihrer Symptome. Bei den Probandinnen und Probanden waren Verbesserungen in Sprache, Handschrift und Mobilität zu erkennen.

Neben dem Sporttreiben geht es um soziale Kontakte

Auch Auffarth hofft auf derartige Verbesserungen. Bis vor zwei Jahren spielte die leidenschaftliche Pokerspielerin noch Golf in Bernsdorf, ihre Erkrankung lässt dies jedoch nicht mehr zu. Sie zittert auf der rechten Körperseite, fühlt sich „steif“ – „vor allem beim Aufstehen“, erzählt Auffarth, die mit Medikamenten gegen die Erkrankung ankämpft. Und dennoch: In den vergangenen 24 Monaten sei ihr gesundheitlicher Zustand „rapide“ schlechter geworden.

Die Lust an der Bewegung und am Miteinander hat die frühere Biologielaborantin aber nicht verloren – im Gegenteil. Althaus und Auffarth hoffen inständig, dass sich „eine Handvoll“ (Althaus) Parkinson-Erkrankter finden, die beim TTC künftig dem Tischtennisspielen nachgehen wollen. „Es wäre schade, würde sich keiner melden“, sagt Althaus. Auffarth pflichtet ihm bei. Denn nicht nur der Spaß an der Bewegung sei für Erkrankte wie sie wichtig. „Es geht auch darum, dass man sich austauschen kann über andere Probleme, die man hat“, sagt Brigitte Auffarth.

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Anmeldungen für das Tischtennistraining für Personen mit einer Parkinson-Erkrankung sind erforderlich per E-Mail an vorstand@ttc-ginseldorf.de oder heitmann.b@gmx.de

Von Marcello Di Cicco