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Lokalsport Vyborny ist mehr als nur ein Kämpfertyp
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14:58 15.09.2021
Im November 2009 spielte Richard Vyborny mit dem italienischen Verein Este gegen den TTC Zugbrücke Grenzau im Europapokal, in dieser Saison greift er mit dem TTV Stadtallendorf in der Regionalliga West an.
Im November 2009 spielte Richard Vyborny mit dem italienischen Verein Este gegen den TTC Zugbrücke Grenzau im Europapokal, in dieser Saison greift er mit dem TTV Stadtallendorf in der Regionalliga West an. Quelle: imago
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Stadtallendorf

Wenn der TTV Stadtallendorf am kommenden Samstag (18. September, 16 Uhr) auf heimischem Parkett gegen Obertshausen in die neue Saison der Tischtennis-Regionalliga West startet, ist auch ein bekanntes Gesicht dabei: Den Herrenwäldern gelang es, in Richard Vyborny einen Spieler als Neuzugang zu gewinnen, der schon einige internationale Erfolge vorzuweisen hat: Siebenmal nahm der Tscheche zwischen 1993 und 2006 an Weltmeisterschaften teil, wurde 2006 mit dem Team Fünfter; bei der EM 2005 gewann er im Mannschaftswettbewerb Bronze, hatte 2001 als 50. seine Topplatzierung in der Weltrangliste.

Und sogar bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen ging der heute 50-Jährige für sein Land schon an die Platte. „Leider war ich nur einmal bei Olympia dabei, es war aber eine super Erfahrung“, sagt Vyborny im Gespräch mit der OP.

Zulauf holte ihn nach Stadtallendorf

Der Zufall hat den früheren Doppel-Spezialisten nun an den Herrenwald verschlagen. Über TTV-Spieler Carsten Zulauf, der Spieler aus aller Herren Länder vermittelt, kam der Kontakt zustande. „Ich habe zu ihm gesagt: ,Wenn du einen Verein kennst, bei dem ich acht, neun Spiele in der Saison machen kann, dann sag’ mir Bescheid.’“

Zulauf kannte einen, den TTV Stadtallendorf. Künftig soll Vyborny der Spitzenspieler der Stadtallendorfer sein – allerdings nur bei den Heimspielen. Denn aus seiner tschechischen Heimat reist der 50-Jährige jedes Mal an, um um Punkte zu kämpfen.

Sport und Beruf verbunden

„Bis nach Stadtallendorf sind es für mich etwa 400 Kilometer“, erzählt Vyborny, der seinen sportlichen Einsatz gleich mit seiner beruflichen Verpflichtung verbindet. Bei einem Unternehmen in Hofheim, das Beläge für Tischtennisschläger entwickelt, fungiert er als Tester jener Beläge. „So kann ich beides verbinden, fahre von dort aus direkt nach Stadtallendorf weiter.“

Arbeit, Tischtennis, Heimfahrt – einige Wochenenden sind künftig für den Tschechen eng getaktet. Die Reise zu den Auswärtsspielen tritt er nicht mit dem Team an, in der Weststaffel wären die Fahrten von dann knapp 800 Kilometern – je nach Spielort – „einfach zu weit“, zumal Vyborny zunächst wieder richtig fit werden will.

Ein Mann der „alten Schule“

„Ich habe vor eineinhalb Jahren eine neue Hüfte bekommen, bin deshalb noch nicht zu 100 Prozent fit“, erzählt der Tscheche. Ein persönliches Ziel für ihn und seine neuen Mannschaftskollegen, die er bislang noch nicht persönlich getroffen hat, will er daher nicht ausgeben – aber er lässt durchblicken: „Ich bin ein Mann alter Schule, ein Kämpfertyp.

Wenn ich spiele, dann will ich auch gewinnen.“ Vyborny versteht sich nach wie vor als Profispieler, weiß daher auch, dass auf ihm als neue Nummer eins ein gewisser Druck lastet – dem möchte er, so gut es geht, gerecht werden.

Eine Doping-Sperre

Bei allen Erfolgen begleitet den Rechtshänder seit einigen Jahren ein Makel in seiner Vita: 1997 wurde er des Dopings überführt und deshalb für zwei Jahre gesperrt. „Mein Vater, damals mein Trainer, hat mir seinerzeit Tabletten in einem Fitnessstudio besorgt, die er für unbedenklich hielt. Ich hatte Probleme mit der Regeneration.“

Vyborny, damals 27 Jahre alt, nahm sie, nicht wissend, dass sie ihm Probleme bereiten würden. „Das war blöd von mir, ich hätte besser nachfragen sollen“, stellt er rückblickend fest, beteuert aber, dass er nie beabsichtigt hatte, damit seine Leistung zu steigern.

Das Comeback

Immerhin gelang ihm damals ein traumhaftes Comeback: Während seiner Sperre trainierte er sieben, acht Monate gar nicht. Dennoch schaffte er es nach nur 14-tägiger Vorbereitung auf Anhieb, ein Top-12-Turnier in Tschechien zu gewinnen – es brachte ihm die WM-Nominierung ein.

In Stadtallendorf will er vor allem mit seiner Erfahrung helfen – vielleicht auch im Doppel. „Das wird ein bisschen Zufall“, sagt er angesichts der Tatsache, dass er bisher nicht mit seinen neuen Teamkollegen zusammengespielt hat. „Wir werden am Freitag ein bisschen was ausprobieren“, sagt er, lacht und gibt sich locker – ganz seinem Naturell entsprechend.

Von Marcello Di Cicco