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Lokalsport Titelträume mit dem BC
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17:00 13.11.2019
Theresa Simon (rechts) fühlt sich bereits nach ein paar Monaten schon sehr wohl bei den Blue Dolphins. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Sie ist am richtigen Ort. Theresa Simon fühlt sich wohl in Marburg – als Spielerin des BC Pharmaserv und als Studentin an der Philipps-Universität. Lange ist sie noch nicht da, nach ein paar Monaten ist sie aber bereits überzeugt, mit der Entscheidung für den Umzug vom südniedersächsischen Göttingen nach Oberhessen alles richtig gemacht zu haben. „Das passt einfach“, sagt die 21-Jährige im Gespräch mit der Oberhessischen Presse.

Simon weiß, was sie will: Basketball spielen – und zwar erfolgreich. Dafür investiert sie seit ihrer Kindheit in Wolfenbüttel einiges. Sie stammt aus einer sportlichen Familie. „Da wurde aber vor allem Tennis gespielt“, erzählt sie. Logisch, dass sie mit sechs Jahren zunächst zum Schläger und zum kleinen gelben Filzball griff. Zwei Jahre später kam der größere orangene Ball ins Spiel, weitere zwei Jahre später entschied sie sich „für den Teamsport“ – sprich: für Basketball. Sie blieb dabei.

Was nicht heißt, dass sie sich nicht auch für andere Sportarten interessiert. Sie fährt gern Ski, kommt dazu allerdings seit einiger Zeit kaum: Eine wirkliche Winterpause gibt es in der Basketball-Bundesliga nicht, die Verletzungsgefahr schreckt sie zudem ab. Auch auf den Fußball hat sie einen Blick, drückt dem FC Bayern die Daumen. Warum gerade dem Rekordmeister aus München?

An familiärer Prägung liegt es nicht, aus Süddeutschland stammt sie auch nicht – also ein Erfolgsfan? „Warum sagen das immer alle?“, fragt sie lachend zurück. Die NBA verfolgt sie ebenfalls, hält es in der nordamerikanischen Basketball-Liga mit den Golden State Warriors.

"War das für uns alle ein riesiger Schock"

Für den Meister von 2015, 2017 und 2018, in der Vorsaison in der Finalserie von Toronto besiegt, läuft es in der neuen Spielzeit bislang nicht rund – was auch an schweren Verletzungen zweier Topspieler liegt: Klay Thompson fällt mit einem Kreuzband­riss aus, Steph Curry brach sich in der vergangenen Woche die Hand. „Wenn so wichtige Leute fehlen, macht sich das natürlich bemerkbar“, sagt Simon.

In ihrem eigenen Team ist das nicht anders: Joey Klug dürfte nach ihrem Bänderriss zwar bald wieder eingreifen können, in Marie Bertholdt (Kreuzband­riss) und Alex Kiss-Rusk (Riss im Labrum des Schultergelenks) fallen aber zwei Stützen der Marburger Bundesliga-Mannschaft längerfristig aus. Beide verletzten sich am Sonntag, 3. November, bei der knappen 85:88-Niederlage gegen Titelfavorit Keltern.

Als dann die Diagnosen bekannt wurden, „war das für uns alle ein riesiger Schock“, sagt Simon, die mit Bertholdt sowie der US-Amerikanerin Candice White eine WG bildet. Überhaupt versteht sie sich mit ihren Mitspielerinnen super: „Wir sind ein echtes Team, unternehmen auch in der Freizeit viel miteinander. Die Chemie stimmt.“ Umso mehr berühren sie die schweren Verletzungen auch persönlich.

Sportlich gelte es, die Ausfälle möglichst gut zu kompensieren. Der Verein plant Nachverpflichtungen, im Spiel am Samstag, 9. November, gegen Osnabrück musste es noch ohne Neue gehen. Das Spiel ging 79:85 nach Verlängerung verloren.

Aggressivität und Schnelligkeit

Aggressivität und Schnelligkeit, allgemein die Defensivarbeit – das sind ihre Stärken. BC-Trainer Patrick Unger ist mit ihrer Entwicklung „sehr zufrieden“, sagt aber auch: „In ihr steckt vor allem spielerisch noch eine Menge Potenzial.“
Simon selbst sieht das genauso.

Für die 21-Jährige, die 2018 mit Wolfpack Wolfenbüttel in die Bundesliga aufstieg und anschließend ein Jahr für die Flippo Baskets Göttingen in der ersten Liga spielte, war gerade die Entwicklungsmöglichkeit beim BC einer der Gründe für den Wechsel.

In Marburg sieht sie ihre mittelfristige Zukunft. Ihr Zeithorizont: zunächst drei Jahre. So lange dauert ihr Studium der Bewegungs- und Sportwissenschaft mindestens. Später, daraus macht sie keinen Hehl, möchte sie im europäischen Ausland spielen: „Das ist auf jeden Fall ein persönliches Ziel.“

Bis dahin will die Nationalspielerin mit den Blue Dolphins in der Bundesliga, im nationalen Pokal und im Europacup etwas erreichen. Sogar Titel? „Das wäre ein Traum.“ Kein unerreichbarer, wie sie meint: „Diese Saison kann in Deutschland gefühlt jeder jeden schlagen.“ Durch die Ausfälle werde es „natürlich schwerer, aber unmöglich ist nichts“, ist sie überzeugt. „Wichtig ist, dass wir uns weiter verbessern und am Saisonende am stärksten sind. Dann geht es um alles.“

von Stefan Weisbrod