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Lokalsport „The Power“
 freut sich 
schon auf Marburg
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07:59 22.10.2019
Plauderten im OP-Gespräch aus dem Nähkästchen: die Dart-Profis Glen Durrant (links) und Phil Taylor. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Am 19. Januar kommt Dart-Legende Phil Taylor nach Marburg. Vorab sprach er mit der OP über Hessen, seine Show-Wettkämpfe, das viele Reisen – und den Brexit.

Als Phil Taylor um kurz nach halb elf zusammen mit Glen Durrant 
Aldis Stadl betritt, zückt Taylor erst einmal sein Handy und filmt das Interieur für seine 
 Social-Media-Kanäle.

„Bavarian Pub“ („Bayerische Kneipe“, Anmerkung der Redaktion), schwärmt die 59-jährige Dart-Legende – und auch Durrant (48), der die vergangenen drei Weltmeisterschaften der British Darts Organisation (BDO) gewonnen hat, ist sichtlich beeindruckt von Mittelhessen.

Fast jeden zweiten Tag ein Turnier

„Die Gegend ist toll, der Blick, die Häuser, die Ruhe – perfekt“, sagt Taylor im exklusiven Pressegespräch mit der OP. So mag es nicht verwundern, dass die Vorfreude groß ist auf die Rückkehr nach Marburg.

Spielt er dieser Tage bei seinem Deutschland-Trip drei Show-Wettkämpfe (sogenannte Exhibitions), unter anderem in Hann. Münden, zelebriert der 16-fache Weltmeister im Januar mit anderen Größen der Dartsszene sein Können in Marburg.

2018, im ersten Jahr nach dem Ende seiner Karriere, „habe ich sehr viele Exhibitions gespielt, vielleicht 150, 160. In diesem Jahr sind es etwa 70“, verrät Taylor.

„Wie viel ich dafür trainiere, hängt davon ab, wie viel Zeit ich habe. Heute ist es etwa eine Stunde. Demnächst habe ich Challenge-Matches gegen Barney (Raymond van Barneveld, Anmerkung der Redaktion) und Michael van Gerwen. Deswegen bin ich wieder zurück an der Trainingsscheibe“, lässt Taylor mit einem Lächeln im Gesicht durchblicken – und merkt an: „Exhibitions werden seriöser.“

Das Reisen gehört angesichts seiner vielen Auftritte noch zu seinem Alltag. „Als ich mit dem Reisen angefangen habe, habe ich es geliebt, Fotos aus dem Flugzeug gemacht. Alles war neu für mich. Heute ist Reisen das Schlimmste für mich – und ich hasse Flugzeuge“, sagt „The Power“ und schmunzelt.

„The Power“ hat den Brexit verstanden

So gar nicht zum Lachen zumute ist den beiden Engländern angesichts des nahenden Brexits. „Ich bin keine sehr politische Person“, sagt Durrant, „ich habe dafür gestimmt, in der EU bleiben. Ich gehöre zu den wenigen Leuten in England, die die EU nicht verlassen wollen.“

Taylor war nach eigener Aussage bisher noch gar nicht richtig klar, was der Brexit bedeutet – bis er jüngst für ihn am eigenen Leib spürbar wurde. In einem seiner Mietshäuser ließ er neue Türen einbauen. Sein Handwerker rechnete ihm vor, dass die Türen um 20 Prozent teurer geworden sind.

Hier gibt's Tickets

Außer VIP-Tickets sind für das Dart-Event am Sonntag, 19. Januar 2020, in der Marburger Georg-Gaßmann-Halle noch Eintrittskarten für 55 (Innenraum Mitte), 45 (Innenraum hinten), 35 (Tribüne vorne) und 25 Euro (Tribüne hinten) erhältlich.

Zu kaufen sind diese in den OP-Geschäftsstellen im Schlossbergcenter sowie im Franz-Tuczek-Weg in Marburg. OP-Abonnenten zahlen für zwei 25-Euro-Tickets 40 statt 50 Euro.  

Das nächste Mal müsse er mit einem Preisunterschied mit 40 bis 50 Euro pro Tür im Vergleich zu vorher rechnen, erzählt er – „ok, jetzt habe ich den Brexit verstanden“, sagt er.

Und dann zeigt er mit dem Daumen nach oben – nicht als positives Signal: Einiges wird durch den Brexit teurer, will „The Power“ damit sagen.     

Weltmeisterschaft, World Matchplay, Premier 
League – die großen Turniere hat Phil Taylor allesamt gewonnen. Nicht nur einmal. Mehrmals. Doch die Zeit der Wettkämpfe­ ist seit knapp zwei Jahren vorbei für „The Power“, der so ganz aber nicht von der Sportart lassen mag, die er populär gemacht hat – und die ihm 
 Legendenstatus einbrachte.

Hochkonzentriert: So kennen die Fans den 16-fachen Weltmeister Phil Taylor. Foto: Lisa Ducret

Seither tourt Taylor durch die Welt und spielt Show-Wettkämpfe. Im Mai 2018 gastierte er dafür erstmals in Marburg, wo er seinerzeit vor gut 2.500 begeisterten Fans spielte. Am Sonntag, 19. Januar, ist der 59-Jährige wieder in der Universitätsstadt, um die Pfeile fliegen zu lassen – und nicht nur er.

Auch Rob Cross, Weltmeister von 2018 und derzeit laut der PDC-Weltrangliste „Order of merit“ die Nummer zwei der Welt hinter dem amtierenden Weltmeister Michael van Gerwen, kommt an die Lahn. Der fünffache Weltmeister Raymond van Barneveld ebenso wie Stephen Bunting, Wayne Mardle­ und Glen Durrant, der Taylor zum OP-Gespräch begleitete.

Taylor: eher Rob als Barney

Die Chance, dass die Marburger Fans im Januar live und hautnah den Weltmeister sehen können, ist zumindest gegeben, denn einige der Stars spielen bei der WM im Dezember im Alexandra Palace. „Ich glaube nicht, dass Barney dieses Jahr Weltmeister wird“, wagt Taylor einen vorsichtigen Blick in die Kristallkugel.

Wildcard-Turnier

Hier geht's zum Bericht.

„Dass Rob es wird, halte ich für möglich“, sagt Taylor – und nach einer kurzen Pause meldet sich Durrant zu Wort: „Ich glaube, wir werden den Weltmeister in Marburg sehen“, sagt der 48-Jährige – und deutet mit einem Augenzwinkern auf sich selbst. „Heyyyyyy“, ruft Taylor daraufhin zu Durrant 
rüber. Der Umgang ist locker.

Vermissen tut Taylor die großen Turniere nicht. „Die Wettkämpfe sind der einfache Teil“, sagt der Engländer, „die Quali, etwa für die WM, ist der schwere Teil. Man spielt dafür fast jeden Tag.“ Ein Comeback schließt der 16-
fache Weltmeister kategorisch aus. „Dafür gibt es keine Chance. Ich kann es nicht machen, bin zu alt. Sieben, acht Stunden pro Tag, und das jeden Tag, sieben Tage die Woche – das kann ich nicht mehr.“

von Marcello Di Cicco