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Lokalsport Aranas-Roth holt Medaillensatz bei der WM
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19:17 06.10.2021
Eileen Aranas-Roth vom Marburger TC holte mit Carsten Gröger WM-Gold im Mixed-Doppel.
Eileen Aranas-Roth vom Marburger TC holte mit Carsten Gröger WM-Gold im Mixed-Doppel. Quelle: Privatfoto
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Marburg/Umag

Einerseits freut sich Eileen Aranas-Roth. Kein Wunder, schließlich hat die Tennisspielerin des Marburger TC erst vor wenigen Tagen einen kompletten Medaillensatz bei der Tennis-Weltmeisterschaft im kroatischen Umag gewonnen – an jenem Ort, wo sie einige Monate zuvor bereits einen Dreifach-Erfolg bei der Europameisterschaft gefeiert hatte (die OP berichtete).

Insbesondere wegen des Finaltags blickt die 35-Jährige jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den zehntägigen Trip in die Kleinstadt auf der Halbinsel Istrien unweit der Grenze zu Slowenien zurück. „Es war der bitterste und zugleich erfolgreichste Tag meines Lebens“, sagt Aranas-Roth über jenen Tag, an dem sie zwei Finals spielte – zuerst im Einzel, dann im Mixed-Doppel.

Sieben Punkte zum Titel

Die in der Setzliste an Position eins gestartete Aranas-Roth führte im Einzel-Finale der Altersklasse 30+ gegen die ungesetzte Almudena Sanz-Llaneza Fernandez nach einem 6:1 im ersten Satz mit 4:2 im zweiten Durchgang, es stand 15:15, der TC-Spielerin fehlten nur noch sieben Punkte zum Titel. „Dann habe ich mir einen Muskelfaserriss zugezogen“, erzählt Aranas-Roth. Trotz physiotherapeutischer Behandlung konnte sie fortan nicht mehr richtig laufen, geschweige denn richtig Tennis spielen. „Ich wollte das Match aber nicht aufgeben“, sagt Aranas-Roth. Also biss sie auf die Zähne, musste aber dabei zusehen, wie die Spanierin aufholte – und den zweiten Satz mit 6:4 gewann. Weil sie sich nicht mehr bewegen konnte, gab Aranas-Roth schließlich auf, sodass es „nur“ für Silber reichte.

Nach einem Freilos zum Auftakt hatte sie im Viertel­finale gegen die Portugiesin Dominika Gorecka gewonnen, die nach 1:6 im ersten Satz aufgab. Im deutsch-deutschen Duell behielt die TC-Spielerin anschließend gegen Natali Gumbrecht (6:2, 6:3) die Oberhand.

Nur eineinhalb Stunden nachdem sie das Finale verletzungsbedingt aufgegeben hatte, stand für die 35-Jährige schon das nächste Highlight an: das Mixed-Finale, in das sie und ihr Spielpartner Carsten Gröger sich vorgekämpft hatten. „Ich hatte meinem Spielpartner gesagt, dass ich trotz der Verletzung auf jeden Fall antrete. Wir sind dann quasi auf drei Beinen ins Finale gegangen. Das war schon etwas nervenaufreibend“, sagt Aranas-Roth schmunzelnd.

Nach einem 6:3, 4:6 gegen die argentinischen Finalgegner Jesica Soledad Orselli/Stanislav Ichkov ging es im dritten Satz in den Match-Tiebreak. „Wir hatten uns im dritten Satz noch mal richtig ins Zeug gelegt, lagen im Tiebreak aber konstant hinten“, erzählt die in Oberbrechen im Landkreis Limburg-Weilburg wohnhafte Aranas-Roth. Mit Gröger gelang ihr aber noch der Ausgleich (8:8), anschließend die zwei letzten erfolgreichen Ballwechsel zum hart erkämpften WM-Titel – zum Abschluss eines Tages mit emotionalen Höhen und Tiefen. „Vor der WM wäre ich mit einer Medaille zufrieden gewesen“, sagt Aranas-Roth, „doch wenn man auf diese Art und Weise die Chance auf eine zweite Goldmedaille verpasst, ist es schon etwas ärgerlich.“

Turniere in Spanien und Österreich

Auf dem Weg ins Finale hatten Aranas-Roth/Gröger nach einem Freilos in Runde eins das niederländische Duo Bart Beks/Marielle Kemperink (6:4, 6:4) und die Landsleute Anna Katharina Lüke/Oliver Manz (6:0, 6:4) bezwungen.

„Gar nicht zufrieden“ war Aranas-Roth mit ihrem Abschneiden im Doppel mit Nina Späth. Das an eins gesetzte Duo hatte zunächst ein Freilos im Viertelfinale, schied danach aber im Halbfinale aus und holte so Bronze. Gegen Anna Katharina Lüke/Katharina Rath hieß es am Ende 3:6, 1:6. Im Finale setzten sich Natali Gumbrecht/Christine Kraupa gegen Lüke/Rath durch (6:2, 6:1).

Nach ihrem Muskelfaserriss ist Aranas-Roth inzwischen wieder ins Training eingestiegen. Im November will sie in Valencia wichtige Punkte für die Weltrangliste sammeln. Seit der WM führt sie mit Gröger die Mixed-Weltrangliste an. Im Januar plant die Spielerin des Marburger TC die Teilnahme an der Hallen-Europameisterschaft im österreichischen Seefeld.

Alle Ergebnisse der Weltmeisterschaften gibt es im Internet unter https://bit.ly/3DjSqXV

Von Marcello Di Cicco