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Lokalsport Wimbledon-Rekordhalter zu Gast in Marburg
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14:03 06.07.2020
Tennisprofi Ruben Bemelmans trainierte beim TC Marburg mit Adrian, Sophie und Felicia. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der belgische Tennisprofi Ruben Bemelmans spielte an zwei Tagen auf der Anlage des TC Marburg gegen Männer und Männer 30 aus der Region und gab Kindern und Jugendlichen praktische und theoretische Tipps sowie Ratschläge rund um den Tennissport.

Eingeladen hatte ihn der Marburger Heiko Hampl, Mitglied des TC Marburg, Ex Turnierdirektor der Marburg Open und Ausrichter von Challenger-Weltranglisten-Turnieren über die hessischen Grenzen hinaus.

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Nunmehr hob er den Ruben-Bemelmans-Cup, ein offenes Einladungsturnier für aktive Tennisspieler, auf den Plan. Dabei hatten die Sportler die Möglichkeit, ihre Spielstärke in LK-Tagesturnieren zu verbessern. Die Veranstaltung erfreute sich eines absoluten Hochkaräters auf der Meldeliste: ATP-Spieler Ruben Bemelmans aus Belgien.

Der inzwischen 32-jährige Linkshänder und beidhändiger Rückhandspieler kassierte bislang mehr als zwei Millionen US-Dollar Preisgeld. Seine höchste Platzierung war Rang 84 im Jahr 2015. Bemelmans hatte 2017 in Wimbledon bereits Tommy Haas und Daniil Medvedev besiegt. Im Jahr darauf verlor er unglücklich mit 5:7 im fünften Satz gegen den US-Amerikaner John Isner.

Inspiration für Kinder und Jugendliche

Wie Turniere funktionieren, braucht man Ruben Bemelmans nicht zu erzählen. Seit 2006 spielt er auf der Tour und hat unter anderen auch gegen Roger Federer, Dominic Thiem, Stan Wawrinka, Nick Kyrgios, Jo-Wilfried Tsonga und Gael Monfils aufgeschlagen.

Er hält außerdem den Wimbledon-Rekord für den einzigen Spieler, der sich sechs Mal erfolgreich durch die Qualifikation gespielt hat. Das schaffte er auch vergangene Saison wieder, hatte dann aber nicht gerade Losglück und traf direkt in der ersten Runde auf den Schweizer Stan Wawrinka (derzeit Weltranglisten-16.).

Die Trainer des TC Marburg, Jan und Veneta Beusch, freuten sich sehr, dass ein Profi nach Marburg kam und sagten: „Das war doch eine tolle Inspiration für alle Kinder und Jugendlichen, Teil eines Turniers zu sein, bei dem ein ATP-Profi mitspielt.“

Jeder Monat macht es schwieriger

Am Rande des Turniers sprach die OP mit dem Tennisprofi aus Belgien.

Herr Bemelmans, Sie sind Tennisprofi, haben mehrfach in Wimbledon für Furore gesorgt, halten dort gar einen Rekord. Weshalb spielen Sie nun ausgerechnet in Marburg?

Ruben Bemelmans: Heiko und ich sind befreundet, und es ist mal etwas ganz anderes, bei einem Event zu spielen, das gar nicht für Profisportler konzipiert wurde. Außerdem konnte ich aufgrund von Wimbledon ja nie die Marburg Open spielen, und so komme ich doch noch in den Genuss, die Stadt und die Spieler aus den Vereinen kennenzulernen. Es ist auch unsere Aufgabe, Events zu machen, bei denen man mit den ganz normalen Tennisspielern zusammenkommt. Wir sind ja auch Botschafter des Sports.

Was sind die größten Probleme für Tennisprofis, die die Coronavirus-Pandemie bewirkt hat und noch bewirken wird?

Bemelmans: Es ist ein finanzieller Totalausfall, und mit 32 Jahren spielt auch der sportliche Teil eine große Rolle, denn meine Zeit auf der Tour wird noch vier bis fünf Jahre sein. Jeder Monat weniger macht es mir schwieriger, wieder in die Top 100 zurückzukehren, was natürlich mein großes Ziel ist. Ich hoffe, dass die Lösungen, die gefunden werden, möglichst fair sind, damit Spieler wie ich, die zum Beispiel nicht die US Open absolvieren können, nicht punktemäßig zu weit zurückfallen.

Sie haben sicherlich den Fall des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic beim von ihm ausgerichteten Adria-Turnier mitbekommen. Dort wurden Hygiene-Regeln missachtet. Was sagen Sie als Tennisprofi dazu?

Bemelmans: Es darf nicht passieren. Und doch wohl war jedem bewusst, dass so etwas irgendwann passieren wird, gerade als viele dachten, dass man Corona praktisch besiegt hat. Ich hoffe, es wiederholt sich nicht, denn das könnte auch gravierende, negative Auswirkungen auf die kommenden Turniere haben, und das wollen wir doch alle vermeiden.

In vielen anderen Sportarten beklagen Profis hohe finanzielle Einbußen aufgrund der Corona-Krise, weil insbesondere die Zuschauer fehlen, Geisterspiele oder Geisterveranstaltungen stattfinden. Ist das Tennis-Geschäft auch abhängig von Zuschauern auf dem Platz?

Bemelmans: Die Grand Slams haben auch hohe Einnahmen aus den TV-Rechten und können ein Turnier auch ohne Zuschauer mit einem Gewinn abschließen. Die kleineren Events sind stärker auf die Einnahmen aus den Ticketverkäufen abhängig, und da würden einige das Turnier ausfallen lassen, wenn man vor leeren Rängen spielen müsste. Es ist eine schwierige Zeit für alle, und wir hoffen, möglichst bald wieder vor Zuschauern performen zu dürfen. Es sind ja nicht nur die direkten Einnahmen durch die Tickets. Die Sponsoren möchten ja auch nicht, dass ihre Werbung vor leeren Rängen präsentiert wird.

Was waren die Höhepunkte Ihrer Karriere?

Bemelmans: Sich sechsmal erfolgreich durch die Qualifikation für Wimbledon gekämpft zu haben, ist super. Das Jahr mit den Siegen über Tomy Haas und Daniil Medvedev war grandios. Und natürlich das Davis-Cup-Finale. Auf dem Weg dahin konnten wir in Frankfurt Deutschland schlagen. Ich war im Doppel gegen die Zverev-Brüder erfolgreich. Sorry dafür.

Ein Profi wie Sie, der mehr als zwei Millionen US-Dollar verdient hat, kann der sich nach der Karriere zur Ruhe setzen?

Bemelmans: Das wäre schön, daran ist aber nicht im Entferntesten zu denken. Man legt sich etwas zur Seite für Situationen, wie wir sie gerade haben. Wenn ich mit Coach unterwegs bin, benötige ich 3.000 Euro, um meine Kosten zu decken. Dazu muss ich bei einem Challenger das Finale erreichen, was man erfahrungsgemäß nicht jedes Turnier schafft.

Die besten 150 können gut von dem Sport leben, wenn sie dort dauerhaft stehen. Ich stand zwar auch viele Jahre unter den besten 150, aber die Preisgelder bei den Grand Slams sind ja erst seit ein paar Jahren drastisch erhöht worden. Von meinem bisher erspielten Preisgeld gehen Steuern ab, Kosten für Flüge, Trainer und Verpflegung. Ich hoffe, noch fünf gute Jahre zu haben und dann dem Sport in anderer Funktion erhalten zu bleiben.

Von Michael E. Schmidt