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Lokalsport Kühnen ermutigt Vereine zu neuen Konzepten
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11:00 16.06.2022
So geht’s! Der frühere Tennisprofi Patrik Kühnen zeigte dem Nachwuchs beim Marburger TC, auf was beim Tennisspielen zu achten ist.
So geht’s! Der frühere Tennisprofi Patrik Kühnen zeigte dem Nachwuchs beim Marburger TC, auf was beim Tennisspielen zu achten ist. Quelle: Marcello Di Cicco
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Marburg

Am Rande seiner Tour zu Gast beim Marburger TC sprach der frühere deutsche Spitzen-Tennisspieler Patrik Kühnen im OP-Interview über den Zustand des deutschen Tennissports, die anstehenden Wimbledon Championships und seinen Freund Boris Becker.

In der Pandemie haben mehr Menschen zum Tennisschläger gegriffen. Wie würden Sie den Zustand des deutschen Tennissports beschreiben?

Es gibt eine gute Anzahl von Tennisspielern in Deutschland. Für die Zukunft muss man aber mehr machen, um der heutigen Zeit gerecht zu werden, Stichwort Digitalisierung. Für Vereine, in denen es nicht so gut läuft, gilt es, über neue Konzepte nachzudenken. Ein Beispiel: In Gütersloh hat man bei einem Verein, der viele Mitglieder verloren hat, ein neues Konzept aufgesetzt, Padelcourts und einen Multifunktionsplatz gebaut, man will dort die Gastronomie neu aufsetzen. So etwas kann für Tennisvereine sehr gewinnbringend sein, weil es Kindern, Familien und Senioren als sozialer Treffpunkt dient, in einen aktiven Lifestyle einzutreten. In diese Richtung sollte man sich bemühen.

Sie haben zu einer Zeit gespielt, als Tennis einen Boom erlebte. Was wäre dafür wieder nötig?

Damals wurde der Boom durch Spieler wie Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich, aber auch die Davis-Cup-Erfolge losgetreten. Heute leben wir in einer anderen Zeit, der Davis Cup hat ein anderes Format. Dem Tennissport hat immer eine gute Anzahl der Breitensportler gutgetan, denn Spitzensport kommt aus dem Breitensport. Der Tennissport hat eine Chance zu wachsen, sich neu zu positionieren, ohne dass es die großen Erfolge von Topspielern braucht, die aber unterstützen würden. Man könnte aber schon viel gewinnen, wenn man sich das Vereinsleben noch mal vornimmt.

In knapp zwei Wochen starten die Wimbledon Championships. Was darf man aus deutscher Sicht erwarten?

Es ist äußerst bedauerlich, dass Alexander Zverev verletzt ist und nicht spielen wird. Gleichzeitig ist das eine Chance für andere, sich in den Vordergrund zu spielen. Oscar Otte hat in den vergangenen Monaten überzeugt, sich in die Top 50 hineingespielt, spielt gerne auf Rasen. Da darf man gespannt sein. Generell dient Wimbledon für die Deutschen als Plattform, um für Überraschungen zu sorgen.

Sie haben mit Boris Becker zusammengespielt. Wie haben Sie das Urteil samt Haftstrafe gegen ihn aufgenommen?

Boris ist mein Freund, zu seinen privaten Angelegenheiten habe ich mich nie geäußert, da steht für mich Freundschaft im Vordergrund. Nur so viel: Ich wünsche ihm, dass er gut aus der Zeit herauskommt, dass er sie gut übersteht.

Von Marcello Di Cicco