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Lokalsport (Fast) alles super bei den Marburg Open 2022
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22:01 12.07.2022
Tennis auf hohem Niveau vor vielen Interessierten: Zuschauerinnen und Zuschauer beobachten im Finale der Marburg Open Yshai Oliel.
Tennis auf hohem Niveau vor vielen Interessierten: Zuschauerinnen und Zuschauer beobachten im Finale der Marburg Open Yshai Oliel. Quelle: Fotos: Nadine Weigel (2), Thorsten Richter, Stefan Weisbrod
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Marburg

Schon wieder sind ein paar Tage vergangen seit den Marburg Open – Zeit, Bilanz zu ziehen. Und die fällt sehr positiv aus, was nicht nur am hochkarätigen Tennissport liegt, der in der vergangenen Woche an der Willy-Mock-Straße geboten wurde.

Der Turniersieger: Wer auf ein spannendes Einzel-Finale gehofft hatte, wurde enttäuscht – bekam aber als Entschädigung eine Klassevorstellung des Belgiers Raphael Collignon geboten. Der 20-Jährige, der auch zuvor keinen einzigen Satz verloren hatte, dominierte das Endspiel auf dem „Sparkassen Court“ gegen Yshai Oliel, gewann mit 6:2, 6:2. Turnierdirektor Robin Löffler zeigte sich überzeugt, „dass wir von ihm in den kommenden Monaten und Jahren noch einiges erwarten dürfen“. Randbemerkung: Alle Olympia-Medaillengewinner von Tokio – Alexander Zverev (Gold), Karen Chatschanow (Silber) und Pablo Carreno-Busta (Bronze) – haben auch schon in Marburg gespielt, aber keiner von ihnen hatte hier das Endspiel erreicht.

Andere Gewinner: Yshai Oliel hat zwar das Finale verloren, aber der 22-jährige Israeli hat sich eine Menge Respekt verdient, vor allem für seine Energieleistung im Viertelfinale, als er gegen Filip Peliwo fast vier Stunden auf dem Platz stand. Im Halbfinale dauerte es dann noch einmal mehr als drei Stunden, ehe sein Sieg über Milan Welte feststand. Auch der dürfte sich nach der Woche in Marburg eher als Sieger denn als Verlierer fühlen: Eigentlich bereits in der Qualifikation ausgeschieden, rückte der 21-Jährige als „Lucky Loser“ ins Hauptfeld, gewann dort drei Matches – und macht mit den acht Weltranglistenpunkten, die er sich erspielt hat, im ATP-Ranking einen Sprung um mehr als 200 Plätze in die Top 1 000.

Die besten Doppel: Packend waren nicht nur einige Spiele in der Einzel-, sondern auch in der Doppel-Konkurrenz – mit einem dramatischen Endspiel als Höhepunkt: Jannik Opitz und Maik Steiner gewannen gegen Illya Beloborodko und Volodymyr Uzhylovskyi den ersten Satz im Tiebreak, verloren den zweiten auf dieselbe Weise, lagen im entscheidenden Match-Tiebreak mit 5:9 hinten, wehrten vier Matchbälle ab, triumphierten – „phänomenal“, befand Opitz.

Der Spaß am Sport: Mit ihren Schlägern mit zwei Griffen erzeugten Brian Battistone und Tennyson Whiting viel Aufmerksamkeit, der 42-jährige Battistone mit seinem Sprungaufschlag noch mehr. Nach einem Match waren sie zwar raus, hatten aber trotzdem noch ihren Spaß, etwa beim Training mit Kindern, das von den australischen Brüdern Jason und Adam Taylor initiiert wurde. Auch andere Profis machten spontan mit. „Tolle Aktion von allen“, fand Löffler. Auch beim Feiern waren einige der Spieler mit dabei: am Mittwoch beim „Bergfest“ und am Freitag bei einer spontanen kleinen Party.

Das Wetter: Im Vorjahr hatten Regenfälle immer wieder für Unterbrechungen gesorgt. Diesmal kamen lediglich am Donnerstag ein paar Tropfen runter. Ansonsten schien mal die Sonne, waren mal Wolken am Himmel – „so wollen wir das jetzt jedes Mal haben“, sagte Michaela Peters, stellvertretende Vorsitzende des veranstaltenden TV Marburg und Verantwortlich für die Organisation des Turniers.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer: Sie kamen zahlreich – deutlich zahlreicher als bei der verregneten vorherigen Auflage, aber es waren auch mehr als manches Mal zuvor. Am Finalwochenende waren die Plätze besonders gut gefüllt, aber auch unter der Woche, vor allem am Freitag war viel los. „Super glücklich“ war Peters mit dem Zuspruch.

Das Linien-Problem: In jedem Jahr werden die Linien der Plätze durch eine externe Firma herausgenommen und neu gesetzt – und dabei ist offenbar ein Fauxpas passiert. Jedenfalls nahm Supervisor Philippe Gros den Zollstock in die Hand, stellte beim „S&S Court“ fest: Die Mitte des Feldes ist nicht dort, wo sie sein sollte, auf einer Seite ist der Auslauf geringer. Für Einzel war das kein Problem, Doppel konnten dort dann aber nicht gespielt werden – ärgerlich. Die Achtel- und Viertelfinal-Begegnungen fanden daher überwiegend etwas versteckt auf dem „MEG Court“ statt – auch das Match der Amerikaner Battistone und Whiting mit ihren Doppelgriff-Schlägern.

Eine Spende für die Ukraine: Martin Hauck-Trampe hätte für seine Dienste als Physiotherapeuth 200 Euro erhalten sollen, verzichtete aber auf das Geld. Der TV Marburg verdoppelte die Summe, übergab sie an die ukrainischen Doppel-Finalisten Beloborodko und Uzhylovskyi. Die Spende soll den Menschen in deren vom Krieg gebeutelten Heimatland zugute kommen. „Wir werden etwas Passendes finden“, versicherte der sichtlich gerührte Uzhylovskyi.

Der Ausblick aufs nächste Jahr: Viel Zuspruch von Spielern, Interessierten und Sponsoren erhielten die Turnierverantwortlichen, freuten sich zudem über die große Unterstützung der Vereinsmitglieder jeden Alters – Motivation, weiterzumachen und „immer noch ein bisschen besser zu werden“, wie es Löffler ausdrückte. „Wir wollen hier auch im nächsten Jahr richtig geilen Sport und eine gute Atmosphäre anbieten.“

Rückblick in Bildern

Von Stefan Weisbrod