Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Zusammenschluss erweist sich als „beste Idee“
Sport Lokalsport Lokalsport Zusammenschluss erweist sich als „beste Idee“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 26.08.2021
In der Herrenwaldhalle wurden die Deutschen Meisterschaften 1986 ausgetragen.
In der Herrenwaldhalle wurden die Deutschen Meisterschaften 1986 ausgetragen. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Stadtallendorf

Der Tischtennisverein (TTV) Stadtallendorf blickt in diesen Tagen auf seine Geschichte zurück, die im Jahre 1951 ihren Anfang nahm. Am kommenden Samstag feiern die Vereinsmitglieder im Erksdorfer Sportlerheim das 70-jährige Bestehen. „Die Gründung des TTV Stadtallendorf war die beste Idee für den Tischtennissport in unserer Stadt“, sagt Rolf-Werner Schmittdiel, der den Verein seit nunmehr acht Jahren führt.

Ursprünglich wuchs das Pflänzchen Tischtennissport in der jungen Stadt im Grünen seit 1951, als der SV Blau-Weiß Stadtallendorf aus der Taufe gehoben wurde. Zu den Gründern gehörte Alois Eller. Der inzwischen Verstorbene stand noch im hohen Alter an der Tischtennisplatte. Fünf Jahre später fusionierte der SV mit dem TSV Eintracht Stadtallendorf, in dem sich nun eine Tischtennisabteilung etablierte. 1957 wurden erstmals Mannschaften für den Ligenbetrieb angemeldet.

Konkurrenz erwuchs auch in der eigenen Stadt durch die Vereine TTC Hirschberg (später Sportfreunde), Fortuna Stadtallendorf und den TTV Herrenwald sowie die Tischtennisfreunde (TTF) Rohrborn und den TTV Fortuna Stadtallendorf. An eine Kooperation war lange nicht zu denken, eher trieb der Konkurrenzkampf die ein oder andere unangenehme Blüte. „Aber im Laufe der Zeit näherten wir uns an“, erinnert sich Schmittdiel, „es setzte sich die Einsicht durch, dass man gemeinsam doch stärker sei.“ Zunächst fusionierten Fortuna und Rohrborn. Alle anderen schlossen sich dem TSV an, in dem Jochen Schindler ab 1959 bis in die 80er-Jahre die Tischtennisabteilung leitete.

Als 1983 die Herrenwaldhalle fertiggestellt wurde, wuchs die Idee, dort die Hessischen Meisterschaften auszurichten. „Das war eine Aufgabe, die von einem Verein alleine nicht so leicht zu bewältigen war“, betont Schmittdiel. Also habe man aus beiden Vereinen ein Ausrichterteam für die Landeswettkämpfe im Jahr 1984 gebildet. Das war der Beginn einer fruchtbaren Kooperation, die bis 1990 Bestand hatte. Viele hochrangige Tischtennisveranstaltungen sind unter der Regie der Vereine über die Bühne gegangen, so etwa im Jahre 1986 die 54. Deutschen Meisterschaften oder 1988 das Europaliga-Spiel zwischen Deutschland und Tschechien. „Wir haben uns im Verband einen guten Namen als Ausrichter gemacht“, sagt Schmittdiel, „überdies haben wir unsere ehemaligen Konkurrenten besser kennen und schätzen gelernt.“ Schließlich mündete die erfolgreiche Zusammenarbeit in die Gründung des TTV Stadtallendorf, die am 11. Mai 1990 erfolgte.

TTV nach Gründung direkt einer der größten Vereine

„Wir gingen gleich mit 13 Männer- und drei Frauenteams sowie fünf Jugend- und Schülermannschaften an den Start und waren damit einer der größten Vereine in Hessen“, beschreibt der Vorsitzende die Ausgangsposition.

Auch rein sportlich gab es eine starke Aufwärtsentwicklung. Der 260 Mitglieder zählende TTV wurde interessant für Spieler, die von auswärts nach Stadtallendorf kamen. So schlug etwa der Tscheche Jiri Fafek seine Zelte in der Industriestadt auf und trug von 1991 bis 2009 zu den Erfolgen des TTV bei. Wesentlichen Anteil daran hatte auch Spielertrainer Rolf Gebhard, unter dessen Regie viele junge Spieler aus der Region eine tolle Entwicklung genommen haben. 1995 wurde Carsten Zulauf, der heute als Sportwart des TTV fungiert, Hessischer Vizemeister der Jugend. Im Endspiel unterlag er keinem Geringeren als der Tischtennis-Ikone Timo Boll. Henning Otto holte seinerzeit den Meistertitel im Doppel der Schüler. Um die Jugendarbeit kümmert sich sich aktuell in Sven Scheiwein ein erfahrener Tischtennis-Recke.

Zahlreiche Aufstiege und Meisterschaften sind Beleg für eine gute Arbeit im Verein, die Schmittdiel nicht nur organisatorisch, sondern auch als Spieler mitprägte. „Ich bin seit 1968 aktiv und durfte 1997 den Aufstieg in die Regionalliga mitfeiern und gehörte zum Team, das 1998 Deutscher Vizemeister der Ü 40 wurde. Mit von der Partie waren seinerzeit Jiri Fafek, Erwin Becker und Thomas Woldt.“

Zweite Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften

Die von der Stadt und dem Landkreis gesetzten Rahmenbedingungen für Trainings und Veranstaltungen bezeichnet der TTV-Chef als optimal. So war es unter anderem möglich, im März 2005 einmal mehr die Deutschen Meisterschaften in der Herrenwaldhalle auszurichten. 6 000 Zuschauer ließen sich dieses Highlight nicht entgehen. Auch das Champions-League-Spiel zwischen dem TTV Gönnern und der französischen Mannschaft von Charlerois in der Bärenbachhalle war ein sportliches Schmankerl für 1 400 begeisterte Tischtennisfans.

Derartige Veranstaltungen taten auch der Kasse des TTV gut, zumal ein Verein mit inzwischen noch 160 Mitgliedern und seinen zahlreichen Mannschaften unterhalten werden muss. Ein treuer Sponsorenkreis unterstützt den Verein seit Jahren, so auch bei der Erstellung des Magazins „Topspin“, das zum Jubiläum in seiner 50. Auflage erscheint.

Von Bodo Ganswindt