Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport TSV Marbach arbeitet am Comeback
Sport Lokalsport Lokalsport TSV Marbach arbeitet am Comeback
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 27.04.2022
Wird bald wieder Seniorenfußball unterhalb des früheren Europabads gespielt? Tom Ortwein (von links), Finn Groen und Luca Combé wären dabei.
Wird bald wieder Seniorenfußball unterhalb des früheren Europabads gespielt? Tom Ortwein (von links), Finn Groen und Luca Combé wären dabei. Quelle: Stefan Weisbrod
Anzeige
Marbach

Klappt es, dürfte es die jüngste Mannschaft im Fußballkreis Marburg, eventuell darüber hinaus werden. Dass es klappt, da sind sie – die Verantwortlichen des TSV Marbach und die Spieler, die sich bereits seit einiger Zeit regelmäßig zum Training treffen – zuversichtlich. Sie wissen aber auch: Die 14 Kicker, die derzeit auf dem Papier stehen, reichen noch nicht.

Die vorherige Periode ohne Seniorenfußball beim Verein aus dem Marburger Stadtteil dauerte vier Jahre. 2018 gab es einen Neuanfang, der zunächst durchaus verheißungsvoll schien. Doch die zweite Corona-Saison 2020/2021 war die bislang letzte Spielzeit des TSV. Nur sechs Partien trug die Mannschaft bis zum pandemiebedingten Abbruch aus, gewann eine davon, gestaltete zwei unentschieden. Lucas Heinisch war dabei, fühlte sich im Club wohl, bedauerte, dass sich das Team auflöste. Dass nun ein Comeback gestartet, in der kommenden Saison wieder Kreisliga-B-Fußball auf dem Rasenplatz unterhalb des früheren Europabads mit seiner markanten, weitgehend auch nach dem Umbau zu Wohnungen erhalten gebliebenen Architektur stattfinden soll, freut ihn. Er hat sich wieder angemeldet. Nach aktuellem Stand wird er der „Oldie“ in der Mannschaft sein – als 25-Jähriger.

Es sind überwiegend Teenager, 18- und 19-Jährige, die immer donnerstags ab 19 Uhr gegen den Ball treten, der Dienstag soll zum zweiten Trainingstag werden. Einer von ihnen ist Tom Ortwein, dessen Spielerkarriere eigentlich in der C-Jugend ihr Ende gefunden hatte. Doch seit knapp zwei Jahren coacht er gemeinsam mit seiner Schwester Sina die Bambini des Clubs. Hin und wieder gegen den Ball zu treten, merkte er, macht ihm doch noch Spaß, vielleicht sogar mehr als früher. Das könnte er doch eigentlich auch wieder in einer Mannschaft machen, meinte sein Vater Frank Ortwein, seines Zeichens Jugendleiter beim TSV.

Jürgen Komorowski wird Trainer der Mannschaft

Die Idee war geboren. Und sie lebt, vor allem dank Mundpropaganda im Freundeskreis. Luca Combé, der ebenfalls zuletzt im C-Jugend-Alter in einem Verein gespielt hatte, und Finn Groen, der bis vor einigen Monaten noch für die A-Junioren der JSG Lahntal aktiv gewesen ist, gehören zur Clique, die den Kern des neuen Teams bildet. Ihnen allen ist wichtig zu betonen, dass sie eben gerade nicht unter sich bleiben wollen, dass jedermann, der mit Freude Fußball spielen möchte, willkommen sei. Interesse ist durchaus vorhanden, Trainingsgäste hat es schon einige gegeben. Manche sind wiedergekommen, andere nicht.

Es müssen noch mehr werden, die wiederkommen, die dann auch im Trikot auf dem Platz stehen wollen. Mit einem Kader von 14 Leuten braucht der TSV nicht in die Saison zu starten, Ausfälle aus unterschiedlichen Gründen sind nie komplett zu vermeiden. Frank Ortwein, der die Koordination übernommen hat, hält eine Mindestzahl von 18 für ausreichend – auch das scheint sehr knapp kalkuliert. Die Zeit drängt, Auftakt der neuen Saison wird in rund drei Monaten sein. Weitere Leute ansprechen, für das Projekt werben – darum geht es nun.

Der Trainer steht indes bereits fest: Jürgen Komorowski, ehemaliger Fußballer, aktiver Schiedsrichter und derzeit noch Coach der A-Junioren des JFV Weimar, hat seine Zusage gegeben. Der Schwager von Frank und Patenonkel von Tom Ortwein freut sich auf „eine neue Herausforderung“. Ein Job im Seniorenbereich habe ihn „schon lange gereizt“, sagt er. Bäume ausreißen, das ist ihm, das ist sicherlich allen im Verein bewusst, wird das neue Team in der untersten Klasse, der Kreisliga B, zunächst bestimmt nicht. Es gehe darum, „einfach Spaß zu haben“, sagt Luca Combé, schiebt hinterher: „Aber natürlich wollen wir auch Punkte holen.“

Diese Rückkehrer sind weiterhin am Ball

Die Zahl der aktiven Männermannschaften ist in den vergangenen Jahren im Fußballkreis Marburg weitgehend stabil geblieben, nachdem sie zuvor kontinuierlich abgenommen hatte. Das liegt auch daran, dass einige Vereine nach Pausen wieder Seniorenteams gemeldet haben und – anders als der TSV Marbach nach dem ersten Comeback 2018 – auch seitdem durchgehend im Spielbetrieb vertreten sind.

FSV Sterzhausen: Im Herbst 2017 reichte das Personal nicht mehr aus, wurde das Team abgemeldet. Im Sommer 2018 dann das Comeback. In der Saison 2020/2021 stand der FSV zum Zeitpunkt des Abbruchs auf Platz eins in der Kreisliga B Biedenkopf, in der aktuellen Spielzeit hat er den Anschluss nach ganz oben verloren. Wichtiger jedoch: An Spielern mangelt es nicht mehr, sogar eine Reserve hat der FSV seit 2019 wieder.

FC Sindersfeld: Viel hing beim Comeback 2018 und hängt auch aktuell an Coach Robert Schulz. Der frühere Hessenliga- und Verbandsliga-Spieler fand im 400-Einwohner-Dorf sein Zuhause, initiierte den Neustart, lockte viele ehemalige Mitspieler zu seinem neuen Verein. Aktuell mischt das Team als Dritter in der Kreisliga B Marburg I vorn in der Tabelle mit.

Spielvereinigung Hassen-/Bellnhausen: Als Elfter liegt die Mannschaft von Andreas Stey im Klassement der Kreisliga B Marburg II im unteren Mittelfeld, doch auch in den Fronhäuser Ortsteilen gilt: Das wichtigste ist, dass gespielt wird. In der Saison 2018/2019 war das nicht der Fall, dann wurde der Neustart versucht – und er ist geglückt. In der vergangenen Spielzeit hatte der Verein gar eine Reserve gemeldet, aktuell gibt es „nur“ die erste Mannschaft.

FSV Borts-/Ronhausen: Auch in den südöstlichen Marburger Stadtteilen besteht derzeit eine Mannschaft. 2019 war der FSV in den Spielbetrieb zurückgekehrt, ebenfalls nach einem Jahr Pause. Seitdem hat es personell im Team zwar einige Veränderungen gegeben, doch Betrieb ist auf dem Sportplatz in Bortshausen nach wie vor, das soll auch so bleiben. Als Sechster mischt das Team von Trainer Salfo Bandaogo im oberen Tabellenmittelfeld in der Marburger B-Liga-Staffel II mit.

Von Stefan Weisbrod