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Als Trainerin beim Männer-Team
Als Trainerin beim Männer-Team
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15:00 15.12.2021
Stefanie Quent trainiert die zweite Mannschaft der HSG Marburg/Cappel (hier in der Partie gegen den VfB Driedorf).
Stefanie Quent trainiert die zweite Mannschaft der HSG Marburg/Cappel (hier in der Partie gegen den VfB Driedorf). Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Marburg

Sie ruft, gibt Kommandos und schwört ihr Handball-Team ein. Stefanie Quent ist die Trainerin der zweiten Mannschaft der HSG Marburg/Cappel – des zweiten Männer-Teams.

Eine Frau an der Seitenlinie einer Männer-Mannschaft ist für einige Menschen noch immer ein ungewöhnliches Bild. „Für mich ist das total normal. Erst wenn andere Leute fragen, wo der Trainer des Teams sei oder sowas, dann fällt mir erst wieder ein, dass es nicht normal ist, dass eine Frau eine Männer-Mannschaft trainiert“, berichtet die 33-Jährige, die selbst in ihrer Jugend mit den Jungen trainierte. Denn nicht sie, sondern die Mannschaft fragte bei der Gründung zur Saison 2015/16, ob sich Quent vorstellen könne, das Team zu leiten. „Ich bin einige Male interimsmäßig eingesprungen, als die Mannschaft auf den Trainer des ersten Teams gewartet hat. Nach einigen Einheiten wurde ich dann gefragt, ob ich nicht bleiben und die Mannschaft übernehmen möchte“, die Handballspielerin, die noch im zweiten Frauen-Team des Vereins spielt, lebt für den Sport.

Drei Tage in der Halle

Auch wenn ihr dabei vorhandene Zeit ein manches Mal einen Strich durch die Rechnung macht. „Ich habe mich dazu entschieden, nur noch für die zweite Frauen-Mannschaft zu spielen, weil ich nicht regelmäßig an den Einheiten teilnehmen kann. Mit den Jungs stehe ich nämlich schon an drei Tagen unter der Woche in der Halle. Und dann muss ich mich noch um die Vorbereitung und die Organisation kümmern“, sagt Quent, die mit ihrer Mannschaft bereits zwei Aufstiege feiern konnte. Wobei der Aufstieg der Bezirksliga D in die C-Liga mit Glück aufgrund einer Ligen-Umstrukturierung zurückzuführen sei. „Dagegen haben wir beim Aufstieg in die B-Liga einen wirklich guten Kader gehabt. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss zwischen Wetzlar und uns“, sagt die Übungsleiterin.

Ihr Team in dieser Spielzeit beschreibt sie als „jung und mobil“ und fügt an: „Mir ist besonders wichtig, dass die Jungs Spaß und eine gute Zeit als Mannschaft haben. In dieser Saison sind wir überraschend gut, aber wir haben auch gute Spieler im Team. Ein bestimmtes Ziel haben wir erstmal nicht angepeilt.“

Einen Glücksgriff, neben ihrem Team im Verein, hatte sie im Beruf. „Ich arbeite im Sponsoring beim Basketball-Bundesligisten Gießen 46ers. Das lässt sich mit dem Handball gut vereinen. Die Regeln und der Ball sind zwar anders, aber es ist ein Privileg für mich, dass ich im Sport arbeiten darf“, fügt Quent an, die 2000 mit dem Handball beim damals als HSG Oberlahn gegründeten Verein begann, der heute als HSG Marburg/Cappel bekannt ist.

„Ich habe noch nie bei einem anderen Verein gespielt oder trainiert. Und bei meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Verein bin ich auch mit Herzblut dabei. Außerdem freue ich mich, dass ich so viele Gestaltungsfreiräume bekomme“, sagt die 33-Jährige.

Von Leonie Rink