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Lokalsport Sprinttalent setzt Maßstäbe in Hessen
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12:59 12.10.2021
Die 13-jährige Janne-Sue Elsaßer (TSV Kirchhain) blickt optimistisch in die Zukunft.
Die 13-jährige Janne-Sue Elsaßer (TSV Kirchhain) blickt optimistisch in die Zukunft. Quelle: Bodo Ganswindt
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Kirchhain

Als Sechsjährige eifert Janne-Sue Elsaßer ihrer älteren sehbehinderten Schwester Maike nach und schließt sich der Leichtathletikabteilung des FV Wehrda an. Doch alsbald trennen sich ihre auf dem sportlichen Sektor beschrittenen sportlichen Wege. Während Maike Judo als Disziplin für sich entdeckt und später gar in ihrer Klasse Europameisterin wird, hält Janne der Leichtathletik die Stange. „Ich habe mit elf Jahren auch Wettkämpfe im Schwimmen bestritten und Judo probiert“, sagt sie, „doch ich habe mich für die Leichtathletik entschieden.“ Mama Esther, eine Leichtathletin, und Papa Henry, ehemaliger DDR-Meister im Judo, haben sicher einiges zur Neigungsbildung ihrer Töchter beigetragen.

Das Talent von Janne ist offensichtlich. Das erkennen auch Jutta und Wilfried Eisenberg. Das Ehepaar aus Rauschenberg trainiert seit vielen Jahren die Leichtathletinnen und Leichtathleten des TSV Kirchhain unter ambitionierten Bedingungen. Als sich die zehnjährige Janne bei ihnen vorstellt, nehmen sie die junge Michelbacherin unter ihre Fittiche. „Ich war eigentlich noch etwas zu jung, aber sie haben mich aufgenommen“, sagt Janne.

Der Trainingsplan

Die Eisenbergs orientieren sich fortan dreimal pro Woche für jeweils eineinhalb bis zwei Stunden in ihrer Trainingsausrichtung für ihren neuen Schützling an den Prinzipien für eine vielseitige Grundausbildung. „Die inzwischen 13-jährige Janne befindet sich zurzeit in der ersten Phase des Trainingsaufbaus“, sagt Jutta Eisenberg, „dabei geht es um die Vermittlung von Grundlagen bezüglich der konditionellen Fähigkeiten auf den Gebieten von Schnelligkeit, Schnellkraft, Ausdauer und Beweglichkeit sowie der Fertigkeiten bezüglich leichtathletischer Bewegungsabläufe.“

Das alles geschehe unter Berücksichtigung von Jannes besonderer Begabung für den Weitsprung und den Sprint. 2020 läuft Janne die 75 Meter in Hessenrekordzeit von 9,53 Sekunden. Ein Jahr später beeindruckt sie über die 100 Meter mit 12,74 Sekunden und kratzt im Weitsprung mit 4,97 Metern an der 5-Meter-Marke. Im Blockwettkampf der W 13 mit den Disziplinen 60-Meter-Hürden, Weitsprung, 75 Meter, Ballwurf und 800 Meter bringt sie es auf 2 592 Punkte. „Auch im kommenden Jahr wird die Entwicklung der Mehrkampfleistungen im Mittelpunkt der Trainingsbemühungen stehen“, betont Jutta Eisenberg.

Bereit für Herausforderungen

Die erhöhte Belastung im Training empfindet Janne nicht als solche. Die Eisenbergs seien zwar streng, aber freundlich. „Sie verlangen mir natürlich einiges ab.“ Und sie ist bereit. Allerdings hat die Gymnasiastin am Landschulheim Steinmühle in der zu Ende gehenden Corona-Saison nur wenig Gelegenheit, ihr ganzes Können unter Wettkampfbedingungen zu zeigen. Immerhin hat sie bei Meetings in Borken und Schwalbach über 100 Meter und im Weitsprung an den Start gehen können.

Sie fühlt sich fit und blickt voraus auf die kommende Saison. Ob sie ihre Leistungen künftig steigern kann, hängt von vielen Faktoren ab. „Sie ist im Sprintbereich derzeit ein überragendes Talent“, sagt Trainerin Eisenberg. Gleichwohl lasse sich ihre weitere Leistungsentwicklung nur schwer prognostizieren, zumal in der Trainingswissenschaft der Grundsatz vertreten werde, dass sich das Talent in der Tätigkeit zeige. Mit anderen Worten: Das Ausmaß der sportlichen Begabung könne immer nur aktuell festgestellt werden. Noch ist Janne von der eigenen Zuversicht und dem Willen getragen, es nach oben zu schaffen. Wie hoch es gehen wird, bleibt also abzuwarten.

Von Bodo Ganswindt