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Lokalsport Die „Gipfelstümer“ sind jetzt „Echte Kerle“
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09:55 30.10.2021
Als „Gipfelstürmer“ haben die „Echten Kerle“ die ein oder andere schwierige Passage in Angriff genommen. Hier sind sie auf dem Klettersteig in der Brenta.
Als „Gipfelstürmer“ haben die „Echten Kerle“ die ein oder andere schwierige Passage in Angriff genommen. Hier sind sie auf dem Klettersteig in der Brenta. Quelle: Privatfotos
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Kirchhain

Eben noch in luftigen Höhen die Gipfel erklommen, jetzt auf dem Fahrrad die Schönheiten des eher flacheren Terrains erkundet. Das gilt für eine wackere Gruppe ambitionierter Oldies, die selbst im höheren Alter Sport auf ansehnlichem Niveau betreiben und überdies den sozialen Kontakt pflegen.

Im Jahr 2000 gehören Ferdinand Klaus und Frank Henkel zu den Gründungsmitgliedern, die die Bergsteigergruppe „Gipfelstürmer“ aus der Taufe heben. Die tapferen Sieben unternehmen regelmäßig Bergtouren. Die Alpen und die Dolomiten sind ihre bevorzugten Reviere. „Anfangs haben wir auf Almwiesen noch Kuhhaufen platt getreten“, erinnert sich Henkel, „dann sind wir von Berghütte zu Berghütte gezogen, und später wurde es immer steiler.“ Sie erreichen etliche Gipfel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien, genießen die grandiosen Aussichten, etwa von der Zugspitze, dem Großglockner und dem Plattkopfel. Weitere Touren führen sie im Laufe der Jahre über zum Teil diffizile Klettersteige zu ihren Zielen.

2020 feiern sie ihr 20-jähriges Bestehen, halten Rückschau auf begeisternden Bergsport, der allerdings auch recht kräftezehrend ist. Aus den ursprünglich sieben Bergfexen ist ein Sextett geworden. „Ich habe 2017 meine letzte Bergtour gemacht“, sagt Klaus. Es sei ihm immer schwerer gefallen. Nicht, dass es an der mangelnden Ausdauer gelegen habe. Aber die Knochen und Gelenke tun es nicht mehr so, wie es sein soll.

Die „echten Kerle“

Das tut dem Unternehmungsgeist der Gruppe keinen Abbruch. Sie steigen fortan auf den Sattel und finden ihr sportliches Glück auf dem Fahrrad. „Wir wollten nicht, dass unsere Gemeinschaft auseinander bricht“, betont Klaus. Also nehmen sie diverse Touren in Angriff, die jedenfalls den ganzen Kerl fordern und geben sich den Namen „Echte Kerle“. Sie absolvieren diverse Touren, die sie zum Beispiel über einige hundert Kilometer von der Ohm in der hiesigen Region bis an Rhein, Main und Mosel (2019) führen oder etwa über den Diemel-Radweg (2020). Allerdings sind auch die „Echten Kerle“ während der Corona-Zeit in ihrem Aktionsradius gehindert.

Den 60. Geburtstag ihres „Nesthäkchens“ Frank Henkel nehmen Ferdinand Klaus (74), Gerd Leißner (68), Georg Riehl (68), Peter Gerlach (63) und Hermann Greb (60) zum Anlass, ihm die „Tour de Frank“ durch das südliche Hessen zu widmen. Kurz zuvor ehren sie Greb zu dessen 60. mit der „Besteigung“ des Aussichtsturm in Burgholz – in vorschriftsmäßiger Bergsteigermontur, versteht sich.

Für die „Tour de Frank“ lässt das Geburtstagskind Trikots mit den Namen der Etappenziele anfertigen. Der Weg führt am 7. April zum bequemen Auftakt zunächst über die Stadtallendorfer Panzerstraße zur Gratulationskur nach Erksdorf (6,5 Kilometer), ehe am 29. Juli die eigentliche Tour beginnt. Auf der ersten Etappe erreichen die Radler über die Stationen Kirchhain, Alsfeld und Lauterbach ihr Hotel in Fulda (80 Kilometer). Anderntags sind sie über Schlüchtern, Kinzigtal, Bad Soden-Salmünster und Gelnhausen nach Hanau unterwegs (80 Kilometer). Es folgt die „Königsetappe“ über Offenbach, Höchst, Eppstein, Idstein und Steinfischbach nach Usingen (97 Kilometer). Das Schlussstück in Richtung Heimat führt über Obermörlen, Butzbach, Langgöns und Gießen nach Kirchhain (76 Kilometer).

Damit auch andere Freunde mit Henkel Geburtstag feiern können, organisiert er schließlich noch eine Gruppenfahrt – auf dem Fahrrad natürlich – von der Weimarer Straße in Kirchhain bis zum Seepark in Niederweimar. Manch einer wähnte gar, es sei ein Demonstrationszug von Radfahrern unterwegs. Allerdings sind Radfahrer in der Regel friedfertige Menschen, so auch in diesem besonderen Fall.

Von Bodo Ganswindt