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17:57 22.01.2021
Julius Mihr vom FSV Cappel sorgt mit seinem Corona-Training für Abwechslung.
Julius Mihr vom FSV Cappel sorgt mit seinem Corona-Training für Abwechslung. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Man glaubt, den Schweiß förmlich zu riechen. Dabei ist das gar nicht möglich. Schließlich schwitzen alle brav allein daheim in ihren Zimmern.

„Jawoll Jungs, kommt schon, auf, jetzt gebt nochmal richtig Vollgas“, ruft Jonas Christiansen in sein Handy. Auf dem Display sind „seine Jungs“ in einer Online-Konferenz über Videos hinzugeschaltet.

In den kleinen Chatfenstern sieht man, wie sie mit den Händen an den Wänden auf der Stelle rennen. „Wenn es in den Socken zu rutschig ist, dann zieh’ sie aus“, schaltet sich Julius Mihr hinzu. Der 20-Jährige ist Cheftrainer der B-Jugend des FSV Cappel.

Zusammen mit seinem Bruder Frederik und mit Jonas Christiansen sorgt er dafür, dass ihre Schützlinge mit Spaß und Fleiß durch die Corona-Zeit kommen.

Idee wurde im März geboren

Drei Mal die Woche laden die Betreuer ihre 24 Spieler der U 17 zum Online-Training ein: Sprinttraining, Balltraining und Krafttraining. Alles kontaktlos – verbunden nur über die Video-Konferenz im Smartphone. „Aber es klappt, das Fitnesslevel können sie auf diese Weise zumindest gut halten“, freut sich Julius Mihr.

Und das ist nicht alles: Bereits beim ersten Lockdown im März hatten die Cappeler über Instagram eine Fußball-Challenge ins Leben gerufen, die den Jugendlichen durch die spielbetrieb- und trainingsfreie Zeit helfen sollte. Darunter waren so lustige Sachen wie die Herausforderung, eine Rolle Klopapier möglichst lange in der Luft zu kicken und Ähnliches.

Als dann nach einem relativ normalen Fußballsommer im November der Spielbetrieb und das Training erneut eingestellt wurden, fackelten die Cappeler nicht lang. Unter dem Hashtag #cappelkickscorona wurde erneut eine Challenge gestartet, die bei den zurück in die Zimmer verbannten Sportlern für Motivation sorgen sollte.

„Am Anfang war es etwas komisch“

„Für die Jungs war es schon hart, zu sehen, dass die Profis weiter Fußball spielen, das im Amateursport aber nicht möglich ist“, erinnert sich Julius. Doch die Online-Challenge hat den Frust schnell weggeblasen. Die jungen Fußballer haben gezeigt, dass sie ziemlich kreativ sind am Ball. Entstanden sind lustige Videos von meisterhaften Distanzschüssen in Mülleimer, erstaunlichen Dribbelkünsten und einfach jede Menge Spaß am Leder.

„Die Online-Trainings sind in dieser Zeit eine gute Alternative“, findet Moritz Seffer. Der 16-Jährige nimmt regelmäßig an den sportlichen Konferenzschalten teil und powert sich immer ziemlich aus. Genauso wie sein Teamkollege Osman Moustafa. „Am Anfang war es etwas komisch mit den Online-Trainings, aber wenn alle aus dem Team mitmachen, motiviert das auch und Spaß macht es dann auch“, betont er.

Dennoch hoffen die Fußballer des FSV Cappel, möglichst bald in den Normalbetrieb zurückkehren zu können – und weg von den Bildschirmen. Denn irgendwie ist Fußball eben doch eine Kontaktsportart.

Von Nadine Weigel