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Lokalsport Hertlein plädiert für Öffnung der Sporthallen
Sport Lokalsport Lokalsport Hertlein plädiert für Öffnung der Sporthallen
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14:58 23.02.2021
Jürgen Hertlein führt den Sportkreis Marburg-Biedenkopf seit 2013 als Vorsitzender (Archivfoto).
Jürgen Hertlein führt den Sportkreis Marburg-Biedenkopf seit 2013 als Vorsitzender (Archivfoto). Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Seit Anfang November des vergangenen Jahres liegt der Vereinssport wegen der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie auf Eis, auch der Wettkampfspielbetrieb ruht – einzig in professionellen Spielklassen wie der Basketball-Bundesliga der Frauen und der Fußball-Regionalliga Südwest dürfen heimische Mannschaften spielen. Im OP-Interview kritisiert Jürgen Hertlein, seit 2013 Vorsitzender des Sportkreises Marburg-Biedenkopf, vor allem die restriktiven Einschränkungen für Vereinssportler, nicht zum Training in die Sporthallen zu dürfen – und verteidigt die Arbeit des Sportkreises gegen Kritik von außen.

Soziale und gesundheitliche Folgen

Herr Hertlein, war es eine richtige politische Entscheidung, dass der Vereins- und Breitensport auch nach dreieinhalb Monaten Lockdown bei den Bund-Länder-Beratungen Anfang Februar völlig aus­geklammert wurde?

Ich finde das ziemlich schlimm. Denn wir wissen ja nun mal, dass wenn wir kein Sport treiben, dies sehr viele – vor allem gesundheitliche und soziale – Folgen hat. Im Kreis Marburg-Biedenkopf haben wir den Fall, dass selbst Individualsportler im Leistungsbereich nicht in die Hallen können, um zu trainieren – ein Beispiel ist die Herrenwaldhalle in Stadtallendorf. Das ist alles sehr eigenartig – und ich halte es auch für völlig falsch. Generell ist es überzogen, wenn man Hallen komplett schließt, denn Profimannschaften dürfen ja auch in die Halle. Bei entsprechenden Vorkehrungen und Einhaltung der bekannten Regeln ist es doch kein Problem, für den Breitensport beziehungsweise auch für untere Ligen die Hallen zu öffnen.

Wie könnte eine Perspektive für den Vereins- und Breitensport aussehen?

Das ist schwierig zu sagen, denn momentan ist ja alles heruntergefahren. Man müsste langsam und gezielt öffnen. In anderen Bereichen wurde immer wieder gesagt: ,Wir warten ab, bis wir eine Inzidenz von 35 erreicht haben, dann beginnen wir langsam damit, zu öffnen.’ Das könnte man für den Sportbereich schon bei einer höheren Inzidenz erlauben.

Hertlein hält Öffnungen bei höheren Inzidenz-Werten für möglich

Also ist aus Ihrer Sicht eine Inzidenz von 35 nicht notwendig für die Öffnung des Vereins- und Breitensports?

Nein, ich halte die Öffnung auch ab einer höheren Inzidenz für möglich. Man müsste nur darauf achten, dass nicht Mannschaftsspiele mit vielen Zuschauern in den Hallen stattfinden. Es gibt doch viele Trainingsmöglichkeiten, die man Breitensportlern ermöglichen kann, bei denen man nicht gleich mit 50 Personen in die Halle muss.

Lassen Sie uns zur Situation der Sportvereine kommen. Können Sie etwas zur Entwicklung der Mitgliederzahlen der hiesigen Sportvereine seit Beginn der Corona-Pandemie sagen?

Wie sich die Mitgliederzahlen der Vereine durch Corona verändert haben, wissen wir als Sportkreis nicht, weil uns die Vereine dies nicht melden. Was wir aber sagen können, ist, dass wir nach wie vor dieselbe Anzahl an Vereinen haben. In der Corona-Krise ist also noch kein Verein in die Insolvenz gegangen.

25 Vereine stellten Antrag auf Corona-Hilfen

Gibt es denn Sportvereine, die aufgrund der Pandemie-Situation finanziell in arge Bedrängnis geraten sind?

Wir wissen von 25 Vereinen, die Anträge auf Corona-Hilfen gestellt haben. Es kann aber sein, dass es noch mehr Vereine sind, die Hilfen beantragt haben – die haben es uns nicht mitgeteilt.

Welche Rolle nimmt der Sportkreis Marburg-Biedenkopf ein, um die Vereine zu unterstützen, die finanziell in Schwierigkeiten geraten sind?

Wir können lediglich die Informationen vom Landessportbund an die Vereine weitergeben, sodass die Vereine dann wissen, ob, bei wem und in welcher Höhe sie Anträge stellen können. Der Sportkreis selbst hat ja kein Geld, um direkt helfen zu können.

Ristaus Kritik am Sportkreis

Ulrike Ristau, Vorsitzende des VfL Marburg, hat kürzlich im OP-Gespräch Kritik an der Arbeit des Sportkreises geübt. Sie sagte: „Vom Sportkreis kam in der Corona-Zeit gar nichts.“

Dann geht Frau Ristau offenbar nicht an Ihren Computer, denn das stimmt einfach nicht. Peter Jacobi (Geschäftsführer des Sportkreises Marburg-Biedenkopf, Anmerkung der Redaktion) gibt Informationen des Landessportbundes grundsätzlich per Internet an die Vereine weiter. Ich kann ja nicht selbst zum VfL Marburg gehen und dem Verein sagen, was er zu tun hat. Jeder kann sich auch selbst über unsere Arbeit auf der Homepage des Sportkreises Marburg-Biedenkopf informieren.

Lassen Sie uns noch einen Blick in die Zukunft werfen. Welche nachhaltigen Folgen könnte die Pandemie für den Vereinssport haben?

Im Moment kann ich das nicht beurteilen. Fakt ist, dass es gerade für Kinder ziemlich schwierig ist, wenn sie keinen Sport mit anderen Kindern treiben können. Kommunikation geht verloren – was übrigens auch für Erwachsene gilt. Im Sport geht es ja nicht nur um die körperliche Ertüchtigung, es geht dabei ja auch um soziale Kontakte. Inwieweit es Zeit benötigt, das, was momentan brach liegt, wieder aufzuholen, kann ich nicht beurteilen. Es wird aber sicher dauern, bis wir das frühere Niveau wieder erreichen.

Keine großen Kosten bei kleinen Vereinen

Sie hatten von 25 Vereinen gesprochen, die finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen. Sehen Sie die Gefahr, dass es nach der Pandemie nicht mehr so viele Vereine gibt wie davor?

Das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Denn die Vereine, die Probleme hatten, haben sich ja an die entsprechenden Stellen gewandt. Und die anderen haben ihre Mitgliedsbeiträge. Die normalen, kleineren Vereine haben ja keine großen Kosten. Sie haben zwar Kosten für Übungsleiter, die sie aber vom Landkreis oder der Stadt sowie vom Landessportbund über Zuschüsse erstattet bekommen. Insofern dürfte es bei den ,Kleinen’ nicht so ins Gewicht fallen, sondern eher bei denen, die erhebliche Kosten haben – etwa weil sie hauptamtliche Trainer beschäftigen oder weil sie Mieten und Nebenkosten für Sportstätten zahlen müssen. Diese Vereine könnten Probleme bekommen. Deshalb haben wohl 25 Vereine Anträge gestellt.

Corona-Sportampel soll "Wiedereinstieg" ermöglichen

Der Landessportbund Hessen (LSBH) hat sich mit einem konkreten Vorschlag für einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Sportbetrieb an die Landespolitik gewandt. Unter dem Begriff „Corona-Sportampel Hessen“ zeigt der Dachverband des hessischen Sports in seinem Eckpunktepapier auf, wie ein an das jeweilige Infektionsgeschehen angepasster Sportbetrieb aussehen könnte.

Nach dem Vorschlag des Landessportbundes sollte die Öffnung des Kinder- und Jugendsports im Verein in gleicher Weise erfolgen wie Kitas und Schulen. Für den Erwachsenenbereich sieht die Corona-Sportampel des Landessportbundes vier Stufen vor, die im Eckpunktepapier wie folgt beschrieben sind:
Stufe Rot: Sport kann auf Sportanlagen im Freien oder in gedeckten Anlagen (Sporthallen, Schießsportanlagen, etc.) allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand stattfinden. Damit kann zum Beispiel Paartanz, Tennis (Einzel), Tischtennis (Einzel), Golf zu zweit, Judo oder auch Schießsport ausgeübt werden. Auch Sportarten wie Leichtathletik, Rudern, Segeln oder Segelfliegen dürfen ausgeübt werden. Das Erteilen von Unterricht in Individualsportarten im 1:1 ist zulässig.
Stufe Orange: Sportbetrieb in festen Gruppen mit Obergrenzen von maximal zehn Personen ist zulässig. Körperkontakt ist möglich. „Räumliche Teilgruppen“ sind möglich (z.B. zwei feste Trainingsgruppen mit je zehn Personen in zwei Sportanlagenhälften). Maximal je zwei Begleitpersonen (z.B. für Kinder) sind möglich. Jenseits der o.g. Obergrenze ist Sport möglich, wenn er kontaktfrei und mit Mindestabstand ausgeübt wird.
Stufe Gelb: Sportbetrieb in festen und größeren Gruppen (bis max. 25 Personen) ist zulässig. Körperkontakt ist möglich, ebenso räumliche Teilgruppen und Begleitpersonen. Jenseits dieser Obergrenze ist Sport möglich, wenn er kontaktfrei und mit Mindestabstand ausgeübt wird.
Stufe Grün: Sportbetrieb ist ohne Kontakt-, Zahlen- und Gruppenbegrenzung möglich.

Von Marcello Di Cicco

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