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Lokalsport Projekt soll Kinder für Bewegungsangebote begeistern
Sport Lokalsport Lokalsport Projekt soll Kinder für Bewegungsangebote begeistern
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16:58 23.02.2021
In Berlin lief „Sport vernetzt“ bereits vor der Corona-Pandemie. Bald soll das Projekt in Stadtallendorf starten.
In Berlin lief „Sport vernetzt“ bereits vor der Corona-Pandemie. Bald soll das Projekt in Stadtallendorf starten. Quelle: Florian Ullbrich/Alba Berlin
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Stadtallendorf

Das Projekt von Alba Berlin ist nicht neu, in der Hauptstadt läuft es bereits erfolgreich. Jetzt soll „Sport vernetzt“, initiiert vom gebürtigen Marburger Henning Harnisch, auch nach Stadtallendorf kommen, will auch dort Kindern in Grundschulen und Kindergärten – in Kooperation mit dem TSV Eintracht sowie dem Kreis und der Stadt (siehe Infobox) – Bewegungsangebote leicht zugänglich machen. Die OP spricht mit dem früheren Basketball-Nationalspieler über das Projekt  ...

Das Ziel: „Generell geht es darum, mehr Kinder für Bewegungsangebote zu begeistern“, sagt Harnisch. „Die Grundlagen, dass Kinder auch als Jugendliche und Erwachsene überhaupt Sport treiben, vielleicht sogar auf professionellem Niveau, werden schon im Kindergarten und in der Grundschule gelegt.“ Speziell soll sich das Projekt an Mädchen und Jungen aus Stadtvierteln – Harnisch spricht von „Sozialräumen“ – richten, in denen es einen hohen Anteil an Familien gibt, deren Kinder bislang keinen Vereinssport betreiben. Es solle nicht gewartet werden, ob Kinder zu den Sportvereinen kommen, sondern der Sport solle zu den Kindern kommen – „je niedrigschwelliger, desto besser“.

Mindestens einmal pro Woche

Das vorgesehene Sportangebot: Alba Berlin ist ein Basketballverein – um Basketball geht es aber nicht speziell. „Wir werden nicht versuchen, Kindergartenkindern zum Dunking zu animieren“, sagt Harnisch mit einem Schmunzeln. Für Grundschulen könnte es zum Auftakt Ballspiel-AGs geben, an Kindergärten Projekte unter den Schlagworten Bewegung, Koordination und Rhythmus. Wichtig sei, dass keine Mädchen und Jungen des jeweiligen Bildungsorts von den Angeboten ausgeschlossen werden: „Man muss immer sehen, ob man auf einen Schlag alle Kinder, die mitmachen wollen, erreicht oder in mehreren Gruppen.“ Und die Nachhaltigkeit sei entscheidend: „Es muss das Angebot mindestens einmal pro Woche geben.“

Die Rolle des TSV Eintracht Stadtallendorf: „Der Verein, mit dem Fußball als Leuchtturm, ist in der Stadt bekannt. Er braucht nicht erst vorgestellt zu werden“, sagt Harnisch, sieht darin einen Vorteil. Der TSV mit seinen acht Abteilungen (Basketball ist nicht dabei) soll die Trainer für die Angebote stellen. „Es gibt den Sportunterricht und es soll den außerunterrichtlichen Schulsport geben. Wenn man es schafft, dass mehr Kinder mehr und bessere Sportangebote in der Schule und auch schon im Kindergarten haben, ist das eine Grundlage, dass auch mehr Kinder in den klassischen Vereinssport gehen“, nennt er den Vorteil für die Eintracht.

Alba Berlin agiert als Sparringspartner

Die Rolle von Alba Berlin: Projekt-Initiator Harnisch ist Vizepräsident des Basketballvereins, bei dem Igor Ryabinin als Projektleiter fungiert. „Wir begleiten den Prozess, bringen unsere Erfahrungen ein und tauschen uns regelmäßig mit den Personen vor Ort aus“, erklärt Harnisch, bezeichnet Alba als „eine Art Sparringspartner für Eintracht Stadtallendorf“. Denkbar sei, dass er sich persönlich ein Bild in der Stadt macht, sobald das Projekt läuft: „Wenn man zwei oder drei Mal pro Jahr in Marburg ist, bietet sich das an.“

Die Vorbereitungen: Stadtallendorf ist – neben deutlich größeren Städten wie Essen, Bremen und Dresden – einer von sieben Orten, in die das Projekt „expandiert“. Harnisch kennt Landrätin Kirsten Fründt seit mehreren Jahren, sprach vor einiger Zeit mit ihr über „Sport vereint“. „Wir haben uns gefragt, wo das Projekt im Landkreis funktionieren könnte und sind dann auf Stadtallendorf gekommen, weil es dort sowohl Gegenden in der Stadt gibt, in denen es Sinn ergibt, als auch einen gut aufgestellten Verein.“ Weitere Gespräche fanden statt, die Projektbeteiligten fanden zusammen.

Corona-bedingt gibt es derzeit keine persönlichen Treffen mit den Verantwortlichen vor Ort. „Aber wir machen regelmäßig Online-Meetings, beim nächsten Anfang März soll es konkret um die nächsten Schritte gehen“, berichtet Harnisch, erläutert: „Die Aufgabe in Stadtallendorf ist es jetzt, die passenden Bildungsorte im Sozialraum zu finden und die Idee dort einzupflanzen.“

Im Sommer soll das Projekt starten

Der geplante Start: Im Sommer soll es losgehen, sofern die Corona-Pandemie keinen Strich durch die Planung macht. Losgehen soll es an mindestens einem Kindergarten und an einer Grundschule. „Es können auch mehr sein. Aber es spricht nichts dagegen, klein anzufangen. Wichtig ist, dass es läuft“, erklärt Harnisch, ist überzeugt, dass es klappt: „Kreis und Stadt unterstützen das Projekt und Eintracht Stadtallendorf ist dafür gut aufgestellt. Ich habe das Gefühl, dass alle dazu beitragen wollen, dass es ein Erfolg wird.“

Die Perspektiven: Vereinstrainer könnten später auch Lehrer im regulären Sportunterricht unterstützen: „Zwei sind mehr als einer. Bei 25 oder 30 Kindern in einer Klasse kann das sicher nicht schaden.“ Außerdem könnten in Zukunft weitere Kindergärten und Schulen hinzukommen – nicht nur in Stadtallendorf: „Vielleicht gibt es das Projekt irgendwann auch in Marburg“, sagt Harnisch.

Vier Projektpartner

Beim Projekt „Sport vereint“ kooperieren TSV Eintracht Stadtallendorf, Alba Berlin, Landkreis Marburg-Biedenkopf und Stadt Stadtallendorf. „Wenn sich vier Partner aus unterschiedlichen Betätigungsfeldern finden, um etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, muss es sich um etwas Besonderes handeln“, wird Landrätin Kirsten Fründt in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Projektpartner zitiert. Für die Stadt sei es „eine große Chance, die Erfahrungen aus Berlin für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt für die Förderung des Sports zu nutzen. Die Vorgespräche zu diesem Projekt liefen sehr konstruktiv und zielführend“, sagt Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi. Bernd Weitzel, Vorsitzender des TSV Eintracht, zeigt sich „sehr gespannt darauf, welche Beratungen und Hilfestellungen wir aus Berlin erhalten und hoffen dann, Mitte des Jahres an die Umsetzung gehen zu können“.

Von Stefan Weisbrod