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Lokalsport Training mit Vorsicht
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17:59 16.05.2020
Am Dienstagabend,12. Mai, ab 20 Uhr absolvierten Footballer der Marburg Mercenaries eine Trainingseinheit unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Seit dem 9. Mai ist es in Hessen wieder erlaubt, kontaktfrei organisierten Sport draußen oder in der Halle zu betreiben – unter Einhaltung vorgegebener Abstands-und Hygieneregeln. Allerdings sind noch nicht alle Sporthallen geöffnet.

Verantwortlich für die Öffnung der Hallen sind Landkreise, Städte und Gemeinden. Solange es allerdings ein Betretungsverbot für Schulen gibt, bleiben auch die dazugehörigen Sporthallen im Landkreis geschlossen. Nach OP-Informationen könnten die Sporthallen wieder am 1. Juni geöffnet werden.

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Was bedeutet dies für die Vielzahl an Sportarten in unserem Landkreis? Und wie sieht das Training etwa bei den Basketballern, Turnern, Blindenfußballern, American Footballern, Tischtennisspielern, Volleyballern oder Fußballern aus? Die OP ging diesen Fragen nach.

Basketball

Für den Frauen-Bundesligisten BC Pharmaserv Marburg steht derzeit noch kein Mannschaftstraining an. Die Spielerinnen des neuen Trainers, Dana Beszczynski, Nachfolger von Patrick Unger, müssen sich also individuell, zum Beispiel mit Online-Training, fit halten.

BC-Headcoach Beszczynski weilt auch noch nicht in Marburg, sondern befindet sich bis auf Weiteres in seiner derzeitigen Heimat in Österreich. Wann er in Marburg eintrifft, hängt auch mit der Öffnung der Sporthallen zusammen.

Auch Patrick Unger, inzwischen zuständig als Nachwuchskoordinator des Bundesligisten Gießen 46ers, hofft, dass die Hallen bald wieder öffnen, um den Nachwuchs ausbilden zu können. „Inzwischen haben wir ein Programm für das Online-Training entwickelt und bieten dies an. Zudem arbeiten Mike Koch und ich derzeit an einem sportlichen Konzept für die Nachwuchs-Akademie und sind in ständigem Austausch.“

Michael „Mike“ Koch ist der neue Geschäftsführer und Sportdirektor der Gießen 46ers. „Den Spielern fehlt die Spielpraxis, insofern hoffe ich, dass es bald wieder losgehen kann“, sagt nicht nur Patrick Unger.

Volleyball

Trainer Wolfhard Glodde vom TV Biedenkopf ist erleichtert. Ab Samstag werden die Jugendlichen und Erwachsenen wieder trainieren – zwar nicht in der Halle, aber immerhin auf dem vereinseigenen Beachvolleyballfeld am Freibad. Er und sein Trainerkollege Volkmar Hauf von den Biedenkopf-Wetter Volleys haben einen Plan entwickelt, um alle Vorgaben einzuhalten.

Maximal fünf Spieler dürfen gemeinsam trainieren. Inzwischen gibt es 16 Gruppen à fünf Spieler, die jeweils zu festen Zeiten – verteilt auf die ganze Woche – trainieren werden. „Die Vorfreude ist groß, vor allem die Jugendlichen sind begeistert“, sagt Glodde.

American Football

Die American Footballer der Marburg Mercenaries sind bereits etwas weiter. Sie stiegen am Dienstagabend wieder ins Mannschaftstraining ein. Allerdings nicht in voller Stärke. Der Kader umfasst 45 bis 50 Spieler. Immerhin konnten davon rund 15 (inklusive Trainern) auf dem Kunstrasen im Georg-Gaßmann-Stadion trainieren.

„Dies geschieht alles in Absprache mit der Stadt Marburg und selbstverständlich unter Einhaltung aller Abstands-und Hygiene-Regeln“, erklärt Michael Dalkowski, Sportlicher Leiter der Mercenaries. So werden etwa Bälle desinfiziert, die Spieler kommen allein und halten während der Übungseinheiten einen Zwei-Meter-Abstand ein.

„Das ist zwar alles ein bisschen komisch, aber wir sind froh, zumindest wieder etwas machen zu können“, ergänzt Dalkowski. Dies geschieht alles ohne Kontakt, also eher Football-untypisch. Deshalb geht es auch noch nicht um das Einstudieren von taktischen Spielzügen, sondern um Lauf- und Wurfübungen. Stand jetzt werden die Footballer ihren Spielbetrieb im September wieder aufnehmen.

Fußball

Viele Fußball-Vereine erstellen derzeit Pläne, wie sie verantwortungsbewusst wieder ins Training einsteigen können – unabhängig davon, dass noch nicht entschieden ist, ob die Saison überhaupt fortgesetzt wird. „Unsere Hessenliga-Mannschaft hält sich derzeit individuell fit. Dabei geht es mehr um Bewegungstherapie.

Mit wettkampforientiertem Fußball-Training hat dies jedoch nichts zu tun“, sagt Reiner Bremer, Vorsitzender der Fußball-Abteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf. Er findet die eingeführten Lockerungen für den Sport auf den ersten Blick „ganz okay“, ergänzt jedoch kritisch: „Hoffentlich kamen diese nicht zu früh.“

Die zahlreichen Trainer des TSV erarbeiten derzeit ein Konzept, wie es unter Einhaltung aller Kontakt-und Hygiene-Vorschriften mit dem Training weitergehen könnte. „Dabei denken wir in erster Linie an die zahlreichen Jugendlichen, die gern wieder spielen wollen. Selbstverständlich holen wir auch die Eltern mit ins Boot. Ich denke, wir können nächste Woche langsam wieder beginnen. Alles jedoch mit Bedacht und großem Verantwortungsbewusstsein“, betont Bremer.

Tischtennis

Die Zelluloid-Künstler müssen sich unterdessen noch gedulden. „Da die Hallen noch nicht genutzt werden dürfen, haben wir es schwer. Die wenigen, die eine eigene Tischtennis-Platte zu Hause haben, können zwar ein bisschen trainieren, doch fehlen ihnen adäquate Trainingspartner und der Wettkampfcharakter“, sagt Carsten Zulauf, Spieler des TTV Stadtallendorf.

„Die Tischtennis-Szene geht davon aus, dass es im September wieder losgeht. Deshalb spielt sich zumindest einiges hinter den Kulissen ab“, sagt Zulauf und meint damit die zahlreichen Wechsel von Spielern zu anderen Vereinen. Er selbst ist als Spielervermittler mit einer eigenen Agentur tätig.

Kunstturnen

Die Saison in der 3. Bundesliga Nord beginnt für die Kunstturner der KTV Obere Lahn mit einem Heimwettkampf gegen das TZ Bochum-Witten zwar erst „voraussichtlich am 19. September“, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Turnliga. Die Athleten des Zweitliga-Absteigers trafen die bisherigen Einschränkungen inklusive gesperrter Trainingshalle dennoch.

Denn eigentlich trainiert die Riege „durchgängig das ganze Jahr über in der Halle“, skizziert KTV-Mannschaftsführer Maik Wehn. Vor allem mit Ausdauertraining hielten sich die Hinterländer fit, „um nicht so viel aufholen zu müssen“. Mit Handstandklötzen und Mini-Barren übten die Sportler zu Hause zudem Kraftelemente.

„Die gerätespezifischen Bewegungen fehlten aber“, gibt Wehn zu bedenken – und veranschaulicht an einem Beispiel, dass es mit Blick auf das Zeitfenster zwischen bisheriger Trainingsausfalldauer und Saisonstart durchaus problematisch werden könnte, zum rechten Zeitpunkt in Topform zu sein, denn: „Bei uns Turnern gibt es die Regel, dass man nach Verletzungen doppelt so lange wie die Verletzungsdauer braucht, um fit zu sein.“ Ähnlich sei es, wenn das Kollektiv zwei Monate lang nicht sportartspezifisch trainiert habe

Blindenfußball

Ende April gab die für die Blindenfußball-Bundesliga zuständige Sepp-Herberger-Stiftung bekannt, den Saisonauftakt für den Deutschen Meister Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg und die anderen Teams auf Mitte September zu verlegen.

Da einige Marburger Spieler in anderen Orten wie Köln oder Dresden studieren, könne das Team ohnehin nie regelmäßig komplett miteinander trainieren, berichtet Marburgs Trainer Manfred Duensing. „Wir machen zweimal wöchentlich eine Videotrainingskonferenz. Jeder hat einen Klingelball zu Hause, mit dem er trainieren kann“, erklärt der Coach. Zudem soll diese Woche das Training auf dem Cappeler Kunstrasenplatz aufgenommen werden.

Von Michael E. Schmidt und Marcello Di Cicco

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