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Lokalsport Sport nach Corona – das müssen Sie wissen!
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21:48 04.05.2022
Zwei Jogger laufen an einem Hinweisschild vorbei. Wer Corona hatte, sollte mindestens zehn Tage Pause machen, raten Mediziner.
Zwei Jogger laufen an einem Hinweisschild vorbei. Wer Corona hatte, sollte mindestens zehn Tage Pause machen, raten Mediziner. Quelle: Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Marburg

Kein Fieber mehr, kein Husten, auch das Atmen macht keine Probleme. Geschafft, endlich symptomfrei, die Corona-Infektion überstanden, der Test negativ. Man fühlt sich fit, warum also nicht sofort wieder die Laufschuhe schnüren oder sich aufs Rad schwingen? Einfach loslegen, wie früher. Für gesunde Sportler kein Thema. Für alle, die sich dieses tückische Coronavirus eingefangen haben, allerdings schon. Denn nach einer Infektion ohne Pause wieder durchzustarten sei nicht die beste Idee, warnen Sportmediziner. Denn freigetestet nach einer Corona-Infektion bedeutet längst noch nicht, direkt wieder voll belastbar zu sein. Intensives Sporttreiben kann dann ans Herz gehen – mit fatalen Folgen.

Eindringlich warnen Sportmediziner deshalb alle Freizeitsportlerinnen und -sportler nach überstandener Corona-Infektion davor, nicht zu früh mit dem Sporttreiben zu beginnen. Das gelte selbst bei Menschen, die einen eher milden Krankheitsverlauf gehabt haben, sagt die Düsseldorfer Kardiologin und Sportmedizinerin Susanne Berrisch-Rahmel dem WDR. „Das Virus kann auch Gefäße am Herzen angreifen“, erklärt Berrisch-Rahmel.

„Achten Sie auf Ihren Körper, steigen Sie nicht zu früh wieder ein – das Virus wird total unterschätzt“, warnt auch der renommierte Münchner Sportwissenschaftler Professor Dr. Martin Halle in einem Interview mit dem NDR. Er empfiehlt unbedingt Ruhe zu bewahren und vorsichtig zu sein. „Bei dem einen oder anderen kann das auch mal vier Wochen oder länger dauern. Da muss man seinem Organismus schon etwas Zeit geben. Bei einer Knieverletzung muss man auch Minimum zwei bis drei Wochen Pause machen“, erklärt Halle.

Einer, der mit Nachwirkungen einer Corona-Infektion zu kämpfen hat, ist Manuel Bachmeier. Der Torhüter von Fußball-Verbandsligist SV Bauerbach hatte sich Anfang März infiziert, verspürte während seiner Quarantäne nur leichte Symptome: „Ich hatte kein Fieber, nur Husten und Schnupfen. Es war wie bei einer Erkältung.“ Nachdem diese auskuriert schienen, wollte er schnell wieder zurück auf den Fußballplatz – auch, weil er sich seiner Mannschaft verpflichtet fühlte: „Wir hatten zu dieser Zeit keinen anderen Torhüter, der spielen konnte, also habe ich gesagt, dass ich spiele.“

Dabei merkte der 25-Jährige schon beim ersten Versuch, dass er Probleme hat: „Ich war schon nach dem Warmlaufen total platt und hatte einen starken Druck in der Brust.“ Auf Training verzichtete er, stellte sich bei zwei Spielen dennoch ins Tor, bewegte sich nicht mehr als unbedingt nötig. Das habe „halbwegs gut geklappt“, sagt der Keeper, der sich schließlich noch eine Handverletzung zuzog, deshalb ohnehin komplett pausieren musste. Vielleicht, meint er rückblickend, hätte er länger komplett auf Sport verzichten sollen.

Warnung vor zweiter Welle

Während Aktive im Leistungsbereich bei einem milden Verlauf und medizinischer Betreuung relativ schnell wieder voll in ihren Sport ausüben können, sollten Amateure mindestens zehn Tage Pause nach einer überstandenen Covid-Erkrankung machen, empfehlen Sportmediziner. „Erst dann locker beginnen und nach 14 Tagen kann man wieder mehr Belastung auf den gesamten Körper geben“, rät Halle. Er weiß auch um die Gefahr, die viele nicht kennen: Die zweite Welle der Coronavirus-Infektion erfasst den Körper nach sieben bis zehn Tagen. „Die muss man auf jeden Fall abwarten“, so der eindringliche Appell von Halle.

Denn die Folgen sind möglicherweise schwerwiegend. Bei zu hoher Belastung droht eine gefährliche Herzmuskelentzündung. Sein Rat deshalb: auf alle Signale des Körpers achten und entsprechend darauf reagieren. Wer schon bei geringer Belastung kurzatmig wird, schnell erschöpft ist, Herzrasen verspürt, sollte vorsichtig sein. Das seien Warnsignale, dass möglicherweise etwas mit dem Herzen nicht stimmt, so Berrisch-Rehmel. Dann sollte man sich unbedingt durchchecken lassen. Sicher ist sicher.

Bachmeier ging schließlich zum Arzt, er ließ sich untersuchen. Der Verdacht einer Herzmuskelentzündung kam auf, ein Kardiologe schloss diese jedoch aus. Er hat Long Covid – aber was bedeutet das für ihn? In der kommenden Woche ist ein Belastungs-EKG geplant; der Bauerbacher Torhüter hofft, dass dadurch neue Erkenntnisse gewonnen werden.

„Ich fühle mich im Alltag gesund, kann aber keinen Sport machen“, sagt Bachmeier. „Und bislang kann mir auch kein Arzt sagen, wann das wieder möglich sein wird.“ Das sei „auch für den Kopf schwierig“.

Was Sportmediziner empfehlen

Wann wieder mit dem Sporttreiben nach einer Corona-Infektion starten? Die Sportmedizin empfiehlt:

  • zehn Tage Pause sind das absolute Minimum für Freizeitsportler
  • vorsorglich beim Arzt durchchecken lassen
  • locker wieder anfangen, mit kleinen Läufen oder Radfahren
  • in den Körper hineinhorchen
  • Warnsignale wie Schwindel, Herzpoltern oder Luftnot ernst nehmen
  • dem Körper Pausen gönnen
  • wer Halsschmerzen, Husten, Bronchitis oder Fieber hatte, sollte zwei bis vier Wochen komplett auf Sport verzichten
  • für alle mit Lungenentzündung: mindestens vier Wochen keinen Sport; bei einer Herzmuskelentzündung sind drei bis sechs Monate Sportverzicht angeraten

Von Alfred Hermsdörfer und Stefan Weisbrod