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Lokalsport Sollen die Skigebiete öffnen?
Sport Lokalsport Lokalsport Sollen die Skigebiete öffnen?
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09:55 03.12.2020
Wie gut gehen Wintersport und Pandemie zusammen? Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Marburg

„Hier scheint man hinsichtlich des Wintersport-Betriebs optimistisch zu sein. Die Schneekanonen laufen schon“, sagt Felix Wiemers. Mit „hier“ meint der gebürtige Biedenkopfer den Ort Mayrhofen in Österreich, wo der 32-Jährige schon seit 14 Jahren lebt, immer über die Wintermonate.

Wiemers ist nicht nur Kunstturner bei der heimischen KTV Obere Lahn, er ist vor allem Extremskifahrer, lebt davon, indem er Film- und Fotoaufnahmen nach Auftrag macht – etwa für Sponsoren oder Social-Media-Kampagnen.

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Die von der Politik losgetretene Diskussion um die Schließung der Skigebiete wegen der Corona-Pandemie verfolgt auch er. „Gesundheit geht vor“, hat Wiemers eine klare Meinung, „wobei ich es schön fände, wenn man Ski fahren kann. Entscheiden wollte ich es aber nicht.“

Nachdem sich im Frühjahr der Tiroler Wintersport- und Partyort Ischgl zum Corona-Hotspot entwickelt hatte, ist die Angst groß, dass durch die Öffnung der nationalen und internationalen Skigebiete die Infektionszahlen im kommenden Winter wieder schlagartig steigen. Eine Befürchtung, die aus Sicht von Sebastian Bahmer, Vorsitzender des SC Holzhausen/Hünstein, nachvollziehbar ist.

Ein klares Nein zum Ap­rès-Ski

„Ich kann zwar verstehen, dass die Skigebiete mit allen Mittel für ihre Öffnung kämpfen, schließlich hängen ganze Regionen am Wintersport“, sagt Bahmer, „aber ich kann mir nicht vorstellen, wie die Hygienemaßnahmen dort umgesetzt werden sollen.“ An Reiz, so meint er, würden die Skigebiete wegen eines Verbots von Ap­rès-Ski ohnehin verlieren, denn: „Das Flair abseits der Piste fehlt dann einfach.“

Geht es nach Udo Achenbach, Vorsitzender des SC Kleingladenbach, sollte man die für viele Sportler obligatorische Zerstreuung nach dem Skilaufen „klar unterbinden“. „Den Familien und Sportlern sollte man das Skifahren aber ermöglichen“, wünscht sich Udo Achenbach – eben weil eine ganze Branche daran hänge.

Beobachtungen stimmen Ristau nachdenklich

Dies ist auch Noemi Ristau bewusst. Die sehgeschädigte Skifahrerin aus Marburg ist seit einem Monat beim Zoll angestellt, knapp 120 Tage im Jahr auf Skiern unterwegs und betreibt ihre Sportart professionell. Erste internationale Wettkämpfe in Österreich hat Ristau – mit ihrer Begleitläuferin Paula Brenzel – unter strengen Corona-Regeln bereits absolviert.

„In der Pandemie ist es wichtig, die Kontakte so gut es geht zu minimieren. Allerdings ist der Sport unser Job, insofern wäre es bedauerlich, wenn wir ihn nicht ausüben könnten“, sagt die Skirennfahrerin, die aber auch um die Schwierigkeiten weiß. Erst kürzlich war sie beim Training im schweizerischen Saas-Fee, um sich auf ihre Wettkämpfe vorzubereiten. „Mein Eindruck war, dass sich dort kaum einer von den Touristen an die Corona-Regeln gehalten hat.“

Von Marcello Di Cicco