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Lokalsport Eine junge Turnerin auf dem Weg nach oben
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14:58 05.06.2021
Die achtjährige Sofia Simonow aus Niederweimar trainiert als einziges Mädchen des Landkreises im Hessenkader.
Die achtjährige Sofia Simonow aus Niederweimar trainiert als einziges Mädchen des Landkreises im Hessenkader. Quelle: Privat
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Niederweimar

Sofia sitzt brav und interessierten Blickes dem alten Mann gegenüber, der sie neugierig befragt nach ihrem Tagesablauf. Die achtjährige Grundschülerin aus Niederweimar gibt geduldig Auskunft: aufstehen, frühstücken, Schule, Mittagessen, Hausaufgaben. Das könnte auch auf fast alle Kinder ihres Alters zutreffen, und zwar fünfmal die Woche.

Doch Sofia hat eine besondere Art der Beschäftigung an den Nachmittagen: Seit nunmehr eineinhalb Jahren trainiert sie von Montag bis einschließlich Freitag in Wetzlar bei der dortigen Kunstturnvereinigung (KTV) unter professionellen Bedingungen, und zwar dreieinhalb Stunden täglich.

Aussichten auf den Bundeskader

Sofia turnt aktuell im hessischen Landeskader in der Altersklasse 9 und hat Aussichten, in den Bundeskader aufgenommen zu werden. Das entscheidet sich Ende des Jahres. Ihre Cheftrainerin ist Svitlana Ivanova, eine renommierte und hoch dekorierte ehemalige Weltklasseturnerin, die sich bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen mehrfach auszeichnete. Auf die Frage: „Ist sie streng?“, antwortet sie eher verhalten: „Ein bisschen.“ Gleichzeitig räumt sie ein, dass das Training zwar anstrengend sei, aber dennoch Spaß mache.

Den Spaß an der Sache hat Sofia in recht frühen Jahren für sich entdeckt. Als Fünfjährige macht sie im Kindergarten auf ihr turnerisches Talent aufmerksam. Von dort wird sie an den TSV Cappel verwiesen, wo Trainerin Mareike Opper schnell ihr Talent erkennt. „Sie hat uns geraten, Sofia zur weiteren Ausbildung nach Wetzlar zu schicken“, sagen ihre Eltern Kristina und Eugen Simonow, die seit sechs Jahren mit ihren Töchtern Melissa und Sofia in Niederweimar leben.

Nächster Wettkampf: Bärchen-Pokal

Das harte und konsequente Training in Wetzlar trägt Früchte. Sofia macht weiter Fortschritte, schlägt sich beachtlich auf Landes- und Bundesebene. So hat sie etwa in einem bundesweiten Online-Wettkampf vom 3. bis 5. Mai einen Einheitstest mit dem 10. Platz abgeschlossen. Ihre Übungen an allen Geräten sind per Video aufgezeichnet und zur Bewertung durch Kampfrichter vorgeführt worden.

Die achtjährige Sofia Simonow aus Niederweimar trainiert als einziges Mädchen des Landkreises im Hessenkader. Privatfoto Quelle: Privat

Die nächsten Wettkämpfe sind der um den Bärchen-Pokal in Berlin, dessen Ausrichtung wegen der Corona-Pandemie möglicherweise verschoben wird, sowie der hochrangige Wettbewerb Ende Juli um den Turntalentschulen-Pokal. Dafür hat sich Sofia im Einzel und mit ihren Freundinnen Milana und Tajana im Team qualifiziert. „Wir können uns gut leiden“, sagt sie, „und wir treiben uns gegenseitig an.“ Schließlich stehen Ende September die Hessischen Einzelmeisterschaften in Limburg auf dem Programm.

Keine Zuschüsse

Sofias Tages- und Monatsplan ist fest umrissen und verlangt dem Mädchen und ihren Eltern einiges ab. Doch sie wollen die Herausforderung annehmen. „Solange es Sofia Spaß macht, hat sie unsere volle Unterstützung“, sagt Papa Eugen Simonow. Er und seine Frau fahren ihren jüngsten Spross regelmäßig zum Training – das sind 80 Kilometer täglich – und begleiten und betreuen Sofia bei Wettkämpfen.

Das macht zuweilen Übernachtungen erforderlich. Sie zahlen alles aus der eigenen Tasche, Zuschüsse gibt es keine, Sponsoren wären willkommen. So bleibt die Hoffnung auf die Aufnahme in den A-Kader auf Bundesebene.

Beim Trampolinspringen „staunen die anderen“

Doch von Sofia halten sie derartige Probleme fern. Die hat weiterhin große Lust am Turnen, konzentriert sich auf ihre schwierigen Übungen an Stufenbarren, Schwebebalken, Boden und Sprung, trainiert Schwünge, Felgen, Stemmen und Kippen.

Ein wenig Freizeit bleibt ihr noch. Zu Corona-Zeiten gibt es da wenige Möglichkeiten. „Dann spiele ich ein wenig mit meinem Handy“, sagt sie. Und wenn sie wieder mit ihren Freundinnen und Freunden spielen darf, dann zeigt sie auf dem Trampolin im Hof, was sie drauf hat. „Dann staunen die anderen.“

Von Bodo Ganswindt

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