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Lokalsport Marburg Mercenaries stehen am Scheideweg
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00:18 28.05.2019
Justus Moreland (Marburg Mercenaries, rechts) stoppt den Lauf von Justin Rodney (Frankfurt Universe).  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Vor wichtigen Spielen fangen Trainer in allen Sportarten gerne an zu relativieren. Spielen den entscheidenden Charakter der Partie herunter, um so Druck von der Mannschaft zu nehmen und sie nicht aus einem zu tiefen emotionalen Loch wieder herausziehen zu müssen, wenn das Spiel in die Binsen geht.

Nicht so Dale Heffron. „Wir müssen dieses Spiel gewinnen. Schaffen wir das, sind wir wieder im Geschäft. Wird es nichts, stehen wir nach einem Drittel der Saison auf dem letzten Platz“, sagt der Head Coach der Marburg Mercenaries.
Sein Team ist am Sonntag zum Siegen verdammt. Nach drei Spielen belegen die „Mercs“ den achten und somit letzten Rang in der Gruppe Süd der German Football League (GFL).

Keiner ist für diese missliche Lage verantwortlich außer den „Söldnern“ und niemand anderes kann ihnen aus dem selbst gebuddelten Loch hervor helfen. Das Potenzial für Erfolg ist da. Es muss nur ausgeschöpft werden. Zumal die Marburger nach einem spielfreien Wochenende gut ausgeruht sind.

Die Kirchdorf Wildcats, die in der GFL Süd Rang fünf belegen, sind zwar kein dankbarer Gegner für diese Aufgabe, weil es leichte Spiele für die Marburger derzeit nicht gibt, aber vor heimischem Publikum stellen die „Wildkatzen“ eine lösbare Aufgabe dar. Und sollten die Mercenaries eine Leistung wie beim 14:20 gegen die Frankfurt Universe einreichen und dabei nur ein paar Fehlerquellen austrocknen, sollte es mit Saisonsieg Nummer eins klappen.

Gesamte Team muss eine Schippe drauflegen

Dafür muss das gesamte Team, besonders die Leistungsträger aus Übersee, jedoch eine Schippe drauflegen. „Unsere amerikanischen Importspieler müssen besser sein. Sie müssen unser Team führen und den Unterschied machen“, sagt Heffron. Allen voran Quarterback Jakeb Sullivan.

Obwohl seine Offensive bisher weniger als 15 Punkte pro Spiel produziert hat, sind die Statistiken nicht hoffnungslos finster. Der Marburger Angriff bewerkstelligt pro Partie fast 330 Yards – solide. Der Ball wird also passabel übers Feld bewegt, doch die Kardinalsfehler müssen abgestellt werden.

Geradezu tödlich sind die Turn­over, also Ballverluste in Form von verlorenen Fumbles und Interceptions. Insgesamt stehen bereits zehn Ballverluste der Offensive zu Buche. „Da müssen wir besser sein. Turnover werden ein entscheidender Faktor gegen Kirchdorf sein“, sagt Heffron. Den zehn Turnover stehen nur fünf von der Marburger Defensive gegenüber. Bedeutet: Im Durchschnitt hatten die Gegner ein bis zwei Angriffsrechte mehr als die „Söldner“.

„Wir müssen in der Abwehr, gerade in der Passverteidigung, die Bälle sichern, wenn wir die Chance haben. Die Möglichkeiten sind da, aber wir machen nichts damit“, kritisiert Defensive Coordinator Sergej Schmidt, der ansonsten
mit seiner Verteidigung, besonders mit der starken Laufverteidigung, nicht unzufrieden ist.

Das Laufspiel soll endlich zünden

Zweite Schicht des Erfolgsfundaments gegen die Wildcats, die bisher zwei Niederlagen und ein Unentschieden verbucht haben, ist Erfolg bei dritten Versuchen – sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung. Nur knapp 22 Prozent beim entscheidenden Versuch, der das Angriffsrecht am Leben hält oder es um die Ecke bringt, sind für Offensive Coordinator Elias Gniffke inakzeptabel.

„Das ist natürlich eine Baustelle und wir haben bei Kirchdorf Schwachstellen ausgemacht, die wir unbedingt angreifen wollen“, sagt Gniffke. Unter anderem seien die Linebacker der Wildcats nicht die Sichersten beim Tackling. Zudem soll das Laufspiel endlich zünden.

Die Marburger stellen bisher mit 70 Rushing Yards pro Spiel, ungeplante Läufe von Sullivan sogar einberechnet, eine der schlechtesten Laufspiele der Liga. Was natürlich zusätzlichen Druck auf das Passspiel aufbaut, da Eindimensionalität im Football immer schlecht ist.

„Auf dem Laufspiel lag auch der Fokus. Wir haben ein paar Umstellungen gemacht. Auch was die Zuordnungen in der Offensive Line beim Blocken angeht“, berichtet Gniffke. Ein respektables Laufspiel ist und bleibt in der Offensive fast die halbe Miete.

von Benjamin Kaiser

German Football League Süd: Schwäbisch Hall Unicorns – Stuttgart Scorpions (Sa., 17 Uhr), Ingolstadt Dukes – Frankfurt Universe (Sa., 18.30 Uhr), Allgäu Comets – Munich Cowboys (So., 15 Uhr), Marburg Mercenaries – Kirchdorf Wildcats (So., 16 Uhr).

German Football League Nord: Kiel Baltic Hurricanes – Düsseldorf Panther (Sa., 16 Uhr), Cologne Crocodiles – Dresden Monarchs (Sa., 17 Uhr), Berlin Rebels – Hildesheim Invaders, Lions Braunschweig – Potsdam Royals (beide So., 15 Uhr).