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Lokalsport Shugaa Nashwan will in Tokio Gold erkämpfen
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14:58 19.05.2021
Shugaa Nashwan in Hannover. Am Olympiastützpunkt in der niedersächsischen Landeshauptstadt bereitet sich der 23-Jährige auf die Paralympics vor.
Shugaa Nashwan in Hannover. Am Olympiastützpunkt in der niedersächsischen Landeshauptstadt bereitet sich der 23-Jährige auf die Paralympics vor. Quelle: Archivfoto: funk/100percentme
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Marburg

In den kommenden Tagen gibt’s für Shugaa Nashwan die erste richtige Standortbestimmung nach langer Zeit. In Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, kommen die besten blinden Judoka der Welt zusammen, kämpfen bei einem Turnier um Qualifikationspunkte für die Paralympischen Spiele im Spätsommer in Tokio. „Ich freue mich riesig darauf“, sagt der 23-Jährige im Gespräch mit der OP. Endlich wieder mehr als Training, endlich wieder gegen andere Sportler antreten – nach rund anderthalb Jahren Zwangspause.

Im Herbst 2019 betrieb Nashwan seinen Sport zuletzt wettkampfmäßig. Eine Schulterverletzung bremste ihn anschließend etwas aus, dann die Corona-Pandemie komplett. Meisterschaften, Turniere und Ligawettbewerbe wurden abgesagt. Der blinde Kämpfer nutzte die Zeit, um Blessuren auszukurieren, richtig fit zu werden – aber auch, um sich Ruhe zu gönnen, in sich selbst hineinzuhören. „Ich habe auch viel mental gemacht.“ Sein Selbstvertrauen, sagt er selbst, sei deutlich größer geworden. Den Wunsch, in Tokio nicht nur zu kämpfen, sondern die Goldmedaille zu gewinnen, habe er schon länger, berichtet der Achte der Weltrangliste. „Ich habe mich aber nicht getraut, es auszusprechen. Jetzt spreche ich es aus: Ich will Gold holen.“ Er ist überzeugt: „Wenn man seine Wünsche nicht in die Welt trägt, können sie nicht wahr werden.“

Eigentlich sollten die Paralympics in Japan – wie die Olympischen Spiele – im vergangenen Jahr stattfinden. 2020, das sollte sein Jahr werden – wusste Nashwan schon 2012. Damals verfolgte der damals 14-Jährige die Spiele in London, fasste den Plan, acht Jahre später dabei sein zu wollen.

Am Olympiastützpunkt in Hannover bereitet er sich vor

Als Schüler an der zur Marburger Blindenstudienanstalt (Blista) gehörenden Carl-Strehl-Schule trainierte er hart, verbesserte sich stetig, war erfolgreich – auch im Wettstreit mit sehenden Sportlern. Er spürte: Es kann tatsächlich klappen. Und so fieberte er auf das Jahr 2020 hin. Als das Jahr begann, war er voller Vorfreude. Als einige Monate später die Entscheidung über die Verschiebung kam, gefiel ihm das zunächst so gar nicht, auch wenn er Verständnis dafür hatte.

Die Enttäuschung ist längst verflogen. Er fühle sich „richtig gut“, sagt er. Zuletzt, vor dem Abflug nach Baku, hat er einige Tage bei seiner Familie in Wiesbaden verbracht, sich mit seinen jüngeren Geschwistern beschäftigt. Ansonsten ist sein Lebensmittelpunkt inzwischen Hannover, wo er am Olympiastützpunkt lebt und trainiert.

Der Umzug in die Landeshauptstadt von Wiesbaden war dabei für ihn eine große Umstellung: „In Marburg ist alles sehr familiär. Wir haben auch außerhalb der Halle viel zusammen unternommen, waren bei Konzerten, haben Bergwanderungen unternommen“, blickt er zurück. „In Hannover ist das alles professioneller, da gibt es allein fünf hauptamtliche Trainer für Judo“, berichtet der 23-Jährige, der sich mittlerweile aber auch in der Großstadt angekommen fühlt: „Es sind neue Freundschaften entstanden und ich denke, ich habe dazu beigetragen, dass es auch am Olympiastützpunkt nun etwas familiärer ist.“

Von Stefan Weisbrod

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