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Lokalsport Sechs aktive Corona-Fälle bei Eintracht Stadtallendorf
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10:58 18.03.2021
Eintracht-Trainer Dragan Sicaja (rechts; neben dem Sportlichen Leiter Fejz Hodaj). Nach aktuellem Stand muss sein Team am Samstag in Frankfurt antreten – sogar dann, wenn weniger als elf Spieler einsatzfähig sein sollten.
Eintracht-Trainer Dragan Sicaja (rechts; neben dem Sportlichen Leiter Fejz Hodaj). Nach aktuellem Stand muss sein Team am Samstag in Frankfurt antreten – sogar dann, wenn weniger als elf Spieler einsatzfähig sein sollten. Quelle: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Am Samstagnachmittag (20. März, 14 Uhr), so sieht es der Plan vor, soll Eintracht Stadtallendorf in der Fußball-Regionalliga Südwest bei Titelanwärter FSV Frankfurt antreten. Für Dragan Sicaja ist das Spiel jedoch „das Letzte, woran ich gerade denke“.

Aktuell, sagt der Trainer, „ist es am wichtigsten, dass die Jungs alle gesund werden“. Er meint damit die sechs Spieler aus seinem Kader, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben und unterschiedlich schwer erkrankt sind.

Zehn einsatzberechtigte Feldspieler

Gerade einmal zwölf einsatzberechtigte Spieler, darunter zwei Torhüter, sind aktuell im Training, das ohnehin gerade erst wieder aufgenommen wurde, nachdem vor mehr als zwei Wochen ein Teambetreuer positiv auf das Virus getestet worden war. Die Spielordnung der Regionalliga sieht vor, dass Partien aufgrund von Corona-Fällen verlegt werden können, sofern der Kader dadurch auf weniger als 16 Spieler schrumpft.

Der Haken: Verletzte und erkrankte Spieler, bei denen keine aktive Corona-Infektion vorliegt, werden bei diesen 16 Spielern mit eingerechnet – somit im Stadtallendorfer Fall auch der längst noch nicht wieder einsatzfähige Kapitän Kevin Vidakovics und die anderen Langzeitverletzten. Die 16er-Marke wird daher formal nicht nur erreicht, sondern übertroffen.

Antrag auf Verlegung der Begegnung abgewiesen

Ein Antrag des Vereins, die Partie dennoch zu verlegen, ist abgewiesen worden, wie Jonas Ochs, Referent der Geschäftsführung der Regionalliga Südwest GbR, der OP auf Anfrage bestätigt: „Es hat den Antrag gegeben. Die Spielkommission ist dabei einbezogen worden, dem Antrag ist nicht stattgegeben worden.“

Findet also die Partie des Schlusslichts beim Aufstiegsanwärter aus Frankfurt am Samstag statt, selbst wenn die Gäste – etwa aufgrund weiterer Verletzungen – in Unterzahl antreten müssten? „Ja, auch dann würde das Spiel angesetzt bleiben“, lautet die knappe wie unmissverständliche Antwort Ochs’. Er gehe jedoch „davon aus, dass Stadtallendorf genügend Spieler zur Verfügung haben wird“.

Ein infizierter Spieler könnte aus Quarantäne kommen

Auch die Eintracht-Verantwortlichen hoffen es. Eventuell, sagt Präsident Reiner Bremer, könnte einer der sechs infizierten Spieler bis zum Wochenende aus der Quarantäne entlassen werden – sicher ist das keineswegs, ebenso wie unklar ist, ob er dann wirklich einsatzfähig wäre.

„Wer nach einer Infektion negativ getestet wurde, ist dadurch ja nicht automatisch wieder gesund“, sagt Bremer, der betont: „Die Gesundheit steht über allem.“ Daher haben die Vereinsverantwortlichen auch sportärztliche und sportkardiologische Untersuchungen organisiert – was „derzeit alles andere als einfach“ sei, einen „enormen organisatorischen Aufwand“ bedeute.

Mit drei Trainingseinheiten gegen eine der besten Teams

„Wir tun wirklich alles dafür, dass wir eine Mannschaft mit tatsächlich einsatzfähigen Spielern zusammenbekommen“, bekräftigt Bremer. Dennoch ist er enttäuscht, dass das Spiel nicht abgesetzt worden ist, aller Voraussicht nach am Samstag (20. März) ausgetragen wird: „Man muss auch sehen, dass wir zwei Wochen gar nicht trainiert haben.

Dann sollen wir nach drei Einheiten mit vielleicht elf Leuten plus einem Ersatztorwart bei einer der besten Mannschaften der Liga antreten. Wie soll das denn ausgehen?“ Das alles sei „nicht mehr normal“.

Bremer: Dramatische Lage

Diese Aussage bezieht er nicht nur darauf, dass am Samstag (20. März) in Frankfurt der Ball rollen soll. Es geht ihm um die komplette Situation – darum, dass der Spielbetrieb in der Regionalliga Südwest „trotz der dramatischen Lage, die wir haben“, weiterhin läuft.

„Deshalb habe ich in Mannheim im Gericht gesessen“, sagt er mit Blick auf die – letztlich abgewiesene – gemeinsame Klage des TSV Eintracht und weiterer Regionalligisten gegen die Saisonfortsetzung im Spätherbst vergangenen Jahres.

Bremer spricht sich für Saisonabbruch aus

„Es wäre am besten, man würde jetzt endlich einen Schlussstrich ziehen. Sollen die besten Mannschaften Playoffs um den Aufstieg spielen“, sagt er. Dabei wolle er auch keinen Vorteil für die Eintracht: „Wenn wir in die Hessenliga zurückkehren, dann ist das eben so.“

Nach dem Spiel in Frankfurt soll es für den TSV Eintracht bereits am Dienstagabend (23. März, 19 Uhr) mit einer Partie bei der SV Elversberg weitergehen. Das nächste Heimspiel ist für den 27. März angesetzt, dann soll Astoria Walldorf nach Stadtallendorf kommen.

Von Stefan Weisbrod