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11:59 30.07.2020
Reiner Schrauf ist nicht mehr Kreisjugendfußballwart, der HFV-Vorstand stimmte mehrheitlich gegen die obligatorische Bestätigung im Amt. Quelle: Archivfoto: Marcello Di Cicco
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Marburg

Der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) hat am vergangenen Samstag bei einer Videokonferenz mehrheitlich die Bestätigung von Reiner Schrauf im Amt des Jugendwartes des Fußballkreises Marburg abgelehnt. „Damit ist er aus dem Amt ausgeschieden“, erklärt HFV-Vizepräsident Torsten Becker auf OP-Anfrage.

Gegen diesen Beschluss will sich Schrauf zur Wehr setzen. „Ich werde kämpfen und Einspruch gegen diese Entscheidung einlegen“, kündigt der Ernsthäuser an. Inzwischen hat er sich juristischen Beistand genommen, will die Angelegenheit nun prüfen lassen – vom Verbandsgericht, wenn es sein müsse, sogar von einem zivilen Gericht. „Ich wäre auch bereit, eine Strafanzeige gegen Peter Schmidt zu stellen“, sagt Schrauf gegenüber der OP. Deutliche Worte in einem Streit, der bereits seit Februar in vollem Gange ist (siehe Infokasten).

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Vom Marburger Kreisfußballwart sieht sich Schrauf massiv in seinen Rechten verletzt. Denn beim Kreisfußballtag in Roßdorf habe Schmidt versucht, die obligatorische Bestätigung Schraufs als Kreisjugendwart durch die Delegierten der Vereine zu verhindern. Laut Schmidt seien seinerzeit beim entsprechenden Tagesordnungspunkt von ihm lediglich die Namen jener Mitglieder des Kreisjugendausschusses verlesen worden, die in ihrem Amt bestätigt werden konnten. Der Name des nicht anwesenden Schrauf sei nicht gefallen, deshalb sei der Kreisjugendwart auch nicht im Amt bestätigt worden – so die Auffassung Schmidts und des Verbandes, nicht aber von Schrauf. In dem der OP vorliegenden Protokoll des Kreisfußballtags findet sich im entsprechenden Abschnitt eine Anmerkung, dass für Schrauf nach den Beratungen der Satzungskommission keine Bestätigung im Amt erfolgen könne, da gegen ihn eine Anzeige vorliegt.

Das Prozedere der Ämterbestätigungen „hatte ich wenige Tage vorher mit Justiziar Benjamin Koch und Vizepräsident Torsten Becker abgesprochen, weil zu diesem Zeitpunkt gegen Reiner Schrauf bereits ein Verfahren lief. Für mich war die Vorgehensweise völlig in Ordnung“, sagt Schmidt, der erneut so vorgehen würde. Er habe die Angelegenheit lediglich aus der Öffentlichkeit heraushalten und so Schrauf schützen wollen.

Der geschasste Kreisjugendwart sieht dies komplett anders. In einem Pressestatement sagt Reiner Schrauf: „Peter Schmidt hat in einem nicht mit demokratischen Grundsätzen zu vereinbarenden Wahlverfahren versucht, meine Bestätigung zu verhindern. Er hat den dortigen Delegierten in keiner Weise transparent gemacht, dass er mich von der Bestätigungswahl zum Kreisjugendwart ausschließen wollte. Vordergründig wegen eines damals laufenden Verfahrens vor dem Verbandsgericht, vermutlich jedoch, um mich auf diesem Weg aus dem Amt zu entfernen.“

Gegenüber der OP bestätigt Schmidt, dass er Schrauf in einer Sitzung kurz nach dem Kreisfußballtag den Rücktritt nahegelegt habe. Der Jugendwart lehnte jedoch ab. Unterdessen räumt der stellvertretende Kreisjugendwart Lutz Greif im Gespräch mit der OP ein, dass es im Jugendausschuss Vorbehalte gegen Schrauf gebe. „Aus verschiedenen Gründen, die ich nicht nennen will, hat sich das Verhältnis einiger Jugendausschussmitglieder zu Reiner Schrauf abgekühlt.“ Vier Personen des Gremiums, darunter Greif, hätten Schmidt schriftlich mitgeteilt, nicht weiter unter einem Kreisjugendwart Reiner Schrauf arbeiten zu wollen.

Schrauf geht nun allerdings in den Angriffsmodus über und hat seinerseits Schmidt wegen einer Amtspflichtverletzung beim Verbandsgericht angezeigt – mit der Begründung, dass Schmidt vorsätzlich die Bestätigung Schraufs habe verhindern wollen. „Das gesamte Vorgehen des Kreisfußballwartes Peter Schmidt ist nicht zu vereinbaren mit den Ansprüchen und satzungsrechtlichen Vorgaben des HFV, der die wichtigsten Ämter seiner Funktionäre ausdrücklich durch seine Vereine legitimieren lassen will“, begründet Schrauf.

Schraufs Vorwürfe streitet Schmidt gegenüber der OP ab, will sie jedoch nicht weiter kommentieren. „Damit soll sich nun das Verbandsgericht als entscheidendes Gremium beschäftigen“, sagt der Kreisfußballwart.

Bitter stößt Schrauf zudem auf, dass seine schon vor der jüngsten HFV-Vorstandssitzung eingereichte Anzeige gegen Schmidt bei der Abstimmung im Vorstand nicht berücksichtigt worden sei. „Peter Schmidt hätte dort nicht abstimmen dürfen“, meint Schrauf. Becker hält dagegen: „Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, gilt die Unschuldsvermutung.“ Auch betont der HFV-Vize, dass „nichts unter den Teppich gekehrt“ worden sei, was für die Entscheidungsfindung der Vorstandsmitglieder von Bedeutung gewesen wäre. Überdies tritt Becker dem Vorwurf Schraufs entgegen, dass der Vorstand in dieser Konstellation satzungsrechtlich ohnehin nicht legitimiert sei, über die Bestätigung Schraufs abzustimmen. „Nach dem Verbandstag ist der Vorstand das zweithöchste Gremium. Wenn also der Vorstand nicht legitimiert ist, wer dann?“, entgegnet Becker.

Auf Anfrage räumt Peter Schmidt ein, sich vor der jüngsten HFV-Vorstandssitzung per E-Mail an die Vertreter des Gremiums gewandt zu haben. Sein Ziel sei es gewesen, den Mitgliedern ein umfassendes Bild der Situation zu verschaffen. Und er äußert darin auch die Bitte, „eine Bestätigung von R. Schrauf abzulehnen“. Für einen „Neustart, der mit einem außerordentlichen Kreisjugendtag beginnen sollte, stehen Frauen und Männer zur Verfügung, den Jugendfußball (...) im Kreis Marburg neu zu organisieren“, schreibt Schmidt. Wie Greif auf OP-Anfrage mitteilt, soll jener Kreisjugendtag noch vor dem für spätestens Mitte September geplanten Saisonstart im Jugendbereich stattfinden.

Hintergrund: Die Causa Reiner Schrauf

Reiner Schrauf wurde am 31. Januar beim Kreisjugendfußballtag in Wehrda in seine dritte Amtszeit als Jugendwart des Fußballkreises Marburg gewählt. In der Folge stieß Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt Ermittlungen gegen Schrauf an. Hintergrund: Schrauf hatte dem Verband nach dem Kreisjugendtag mitgeteilt, dass dort Solveig Freitag-Sachwitz zur Mädchenreferentin gewählt wurde. Diese Wahl fand aber nicht statt, da Freitag-Sachwitz beim Kreisjugendtag nicht zugegen war; sie hatte im Vorfeld lediglich ihre Bereitschaft signalisiert, das Amt zu übernehmen – allerdings mündlich. Während des Verfahrens des Verbandsgerichts des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) ließ Schrauf sein Amt ruhen. In seinem Urteil vom 11. April sprach die Kammer einen Verweis gegen Schrauf aus, woraufhin er seine Amtsgeschäfte wieder aufnahm (die OP berichtete). Am vergangenen Wochenende verweigerte der Verbandsvorstand – bestehend aus den 32 Kreisfußballwarten, 6 Regionalbeauftragten und 11 Präsidiumsmitgliedern – Schrauf die nachträgliche, notwendige Bestätigung, dass er Kreisjugendwart ist. Ursprünglich hätte diese Bestätigung beim Marburger Kreisfußballtag am 29. Februar in Roßdorf erfolgen sollen. Während Schrauf der Meinung ist, dass dies dort im Zuge einer Blockabstimmung geschah, sind Schmidt und Verbandsvertreter der Ansicht, dass dies nicht geschehen ist.

Von Marcello Di Cicco