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Lokalsport Tim Waldinger steigt in die 3. Liga auf
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11:00 22.06.2022
Tim Waldinger als Schiedsrichterassistent in Aktion.
Tim Waldinger als Schiedsrichterassistent in Aktion. Quelle: Beautiful Sports/Julien Christ/imago
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Wann macht ein Referee seine Sache richtig gut? Tim Waldinger weiß es: „Wenn man nicht auffällt.“ Jedenfalls bei der Spielleitung nicht. Dann nämlich ist ziemlich sicher auch nichts schiefgelaufen. Es ist eben so: Was Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter tun oder nicht tun – das gilt im Fußball, das gilt auch in anderen Sportarten –, wird vor allem dann wahrgenommen, wenn Fehler passieren.

Waldinger ist ein Schiedsrichter, der seine Sache in der Vergangenheit offensichtlich ziemlich gut gemacht hat – sowohl als Verantwortlicher mit der Pfeife als auch mit der Fahne an der Seitenlinie. So jedenfalls müssen es die Beobachter, die Verantwortlichen der Ausschüsse gesehen haben, die für Auf- und Abstiege der Unparteiischen zuständig sind. Sie haben den 26-Jährigen befördert, das gleich doppelt: Als Gespannführer wird er in der neuen Saison auch in der Regionalliga zum Einsatz kommen. Bislang war er in der vierthöchsten Spielklasse „nur“ als Assistent aktiv gewesen. Die Aufgabe an der Seitenlinie übernimmt er künftig auch in der 3. Liga.

Dass er sich darüber „sehr gefreut“ hat, überrascht nicht. Der Job, den er macht – egal ob mitten auf oder am Platz – verändert sich in einer höheren Liga zwar formal nicht. Der größte Unterschied ist das Spieltempo. Entsprechend schnell muss seine Auffassungsgabe sein.

Schiedsrichter Tim Waldinger Quelle: Thorsten Richter

Angst hat er davor nicht, wohl aber Respekt. Und trotzdem sagt er: „Ich will die Spiele auf jeden Fall auch genießen.“ Es werden voraussichtlich auch Partien vor zigtausenden Fans dabei sein, beispielsweise in Essen, Duisburg, Mannheim oder Dresden. „Die Atmosphäre nimmt man sicherlich vorher und nachher wahr“, so kennt er es aus der Regionalliga. „Während des Spiels muss man aber auf das Geschehen konzentriert sein.“

Macht es ihm immer Spaß? An dem Wort „immer“ in der Frage bleibt er kurz hängen. Selten, lässt er durchblicken, gibt es Spiele, bei denen das nicht der Fall ist. Aber in der Regel, ja, sei das so. „Sonst würde ich das nicht machen. Dann würde ich mir ein anderes Hobby suchen.“

Ein Vorbild hat er nicht. Mit Deniz Aytekin werde er manchmal verglichen. „Wahrscheinlich, weil wir beide eine ähnliche Statur haben“, sagt der großgewachsene Waldinger. Er versucht, seinen „eigenen Weg“ zu gehen. Er kommuniziert auf dem Platz viel, will Verständnis für seine Entscheidungen schaffen. „Ich bin nicht der Typ, der von oben herab sagt, so ist es und nicht anders“, erklärt er. Er wolle als „einer der Akteure“ seinen Anteil dazu leisten, dass es „ein gutes Miteinander auf dem Platz“ gibt.

2010, im Alter von 14 Jahren, hatte er mit der Schiedsrichterei angefangen, leitete zunächst Partien im Jugendbereich. Schnell stieg er auf. Vor vier Jahren wurde Waldinger Assistent in der Regionalliga, seit zwei Jahren leitet er Partien in der Hessenliga. Jetzt also geht es zweimal einen weiteren Schritt nach oben.

Und in den nächsten Jahren noch weiter? Der 26-Jährige, der in der Marbach wohnt und für den TSV Rauschenberg pfeift, hätte „grundsätzlich nichts dagegen“, drückt er sich sehr zurückhaltend aus, weiß: „Es spielen viele Faktoren eine Rolle.“ Der wichtigste aber bleibt die Leistung, mit der will er überzeugen. „Ich will meine Spiele gut über die Bühne bringen.“ Also möglichst wenig auffallen.

Von Stefan Weisbrod