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Lokalsport Saison abbrechen oder auf Fortsetzung setzen?
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20:56 08.04.2020
Geht die aktuelle Saison für Alban Ademi (am Ball; gegen Ederberglands Benjamin Wolf) weiter? Wenn es nach seinem Trainer geht, dann ja. Die Entscheidung über einen Abbruch müssen die Verantwortlichen bei den Verbänden treffen. Quelle: Melanie Weiershäuser
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Marburg

Der Spielbetrieb ruht, Maurice Jauernick beschäftigt sich trotzdem täglich mit Fußball. Der Trainer von Gruppenligist FSV Schröck schreibt seinen Spielern, gibt ihnen Tipps, versucht sie „bei Laune zu halten“. Zuletzt hat er das erste Fitnessvideo von Eintracht Stadtallendorf verbreitet: „Das ist eine klasse Sache, die Übungen sind sehr gut nachvollziehbar“, sagt der Coach und hofft, „dass sich alle individuell fit halten“. Denn: „Wenn die Saison fortgesetzt wird, dann reichen 14 Tage Vorlauf nicht, um eine wochenlange Pause aufzuholen. Dann muss bei allen eine gewisse Grundfitness vorhanden sein."

Dass die aktuelle Spielzeit fortgesetzt wird, darauf hofft Jauernick. Er redet nicht drumherum, dass es für ihn dabei auch um sein eigenes Team geht: Der FSV belegt in der Gruppenliga Rang drei, nur einen Zähler hinter dem Zweiten TSV Steinbach II.

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Sollte abgebrochen werden, würde Schröck aller Voraussicht nach knapp nicht aufsteigen, selbst wenn die Spielzeit nicht annulliert, sondern auf Basis der aktuellen Tabellenstände Aufsteiger ermittelt würden. „Sollte es so kommen, wäre das zu akzeptieren“, sagt der 39-Jährige.

Dennoch ist für ihn klar: „Bei jeder Lösung würde es Gewinner und Verlierer geben. Am fairsten wäre es aber, wenn die ausstehenden Spiele ausgetragen würden, sobald das möglich ist.“

Personalplanung braucht Klarheit

Auch Hendrik Lapp wäre es am liebsten, würde weitergespielt. Der aktuelle Co- und künftige Cheftrainer des SV Bauerbach spricht sich aber dafür aus, die Spielzeit abzubrechen, sollte bis zu einem festgelegten Stichtag – er nennt als Beispiele den 1. Mai oder den 15. Mai – „nicht absehbar sein, dass zeitnah wieder gespielt werden kann“. Sein Vorschlag: Bis zum entsprechenden Datum könnte ein konkretes Szenario erarbeitet werden, ob und wie die Saison gewertet wird.

„Wenn abgebrochen würde, könnte es angewendet werden“, sagt er. „Dann weiß man, wo man dran ist und kann damit arbeiten.“ Konkret geht es ihm dabei um die Frage, in welcher Klasse die Bauerbacher – derzeit Tabellenvorletzter der Verbandsliga Mitte, aber mit Anschluss an die Nichtabstiegszone – in der nächsten Spielzeit antreten: „Es macht natürlich in Gesprächen mit Spielern einen Unterschied, ob man in der Verbandsliga oder in der Gruppenliga spielt.“

Nuhn: Möchte nicht Entscheider sein

Thomas Nuhn von der Sportlichen Leitung der FSG Südkreis wünscht sich eine schnellere Entscheidung. Er spricht sich für den Abbruch und die Annullierung der Spielzeit aus: „Dann hätten wir einen klaren Schnitt und könnten wieder in den normalen Rhythmus kommen“, sagt er in der Hoffnung, dass im Sommer regulär oder nur mit leichter Verspätung in die neue Saison gestartet werden kann.

Er räumt aber ein: „Wenn es für uns nicht um Platz vier, fünf oder sechs, sondern um Platz ein, zwei oder drei ginge, würde ich das vielleicht anders sehen.“ Aktuell ist die FSG Tabellenfünfter der Kreisliga A Marburg. „Ich möchte nicht in der Situation derer sein, die das entscheiden müssen“, sagt Nuhn.

Von Stefan Weisbrod

Saison ist unter-, aber nicht abgebrochen

Der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) hatte am Samstag in einer Videokonferenz entschieden, die derzeit aufgrund der Coronavirus-Pandemie unterbrochene Saison vorerst nicht abzubrechen. Eine Fortsetzung soll – sobald möglich – mit einer Vorlaufzeit von mindestens 14 Tagen verkündet werden.

Bereits zuvor war dieses Vorgehen von den 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), zu denen der HFV gehört, abgestimmt worden (die OP berichtete). Der Grundsatz, wonach eine Saison zum 1. Juli eines Jahres beginnt und zum 30. Juni des folgenden Jahres endet, ist für 2020 und 2021 aufgehoben worden, wie DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärt hat:

„Das bedeutet, die laufende Saison kann, sofern nötig und kein Abbruch gewollt ist, in allen Spielklassen über den 30. Juni 2020 hinaus verlängert werden und das Spieljahr 2020/2021 zu einem späteren Zeitpunkt beginnen oder notfalls sogar ganz oder teilweise entfallen.“

Kommentar

Fortsetzen – sobald es geht

Irgendwann wird wieder Fußball gespielt. Basketball auch. Ebenso Volleyball, Handball. Tischtennis, Tennis und Hockey. In allen Sportarten wird wieder gespielt werden. Es wird wieder um die Wette geschwommen und gelaufen, gesprungen und geworfen, gekämpft und geritten werden.

Das ist ganz klar. Völlig unklar ist, wann es so weit sein wird. Und deshalb ist auch die Entscheidung des Hessischen Fußball-Verbands, jetzt keine endgültige Entscheidung für die aktuelle Saison zu fällen, eine gute.

Diejenigen, die jetzt die Verantwortung tragen, sind nicht zu beneiden. Denn was auch immer sie festlegen, nicht alle werden damit einverstanden sein. Ein Abbruch mit Annullierung der laufenden Saison würde die Teams treffen, die um den Aufstieg spielen.

Am besten mit aktuellem Stand weitermachen

Sollten Auf- und eventuell auch Absteiger anhand des aktuellen Tabellenstands – egal, ob die Durchschnittspunkte pro Spiel berücksichtigt würden oder nicht – ermittelt werden, träfe es Mannschaften, die eigentlich noch beste Chancen auf den Aufstieg oder eben den Nichtabstieg gehabt hätten.

Schiebt man alle (durchaus berechtigten) Bedenken aus formalen Gründen und aufgrund fehlender Planungssicherheit beiseite, ist es aus sportlicher Sicht daher am besten, beim aktuellen Stand weiterzumachen – wann auch immer das möglich sein wird.

Gesundheit hat Vorrang

Bei der Frage, wann wieder gemeinschaftlich Sport betrieben, wieder Fußball gespielt werden kann, muss die Gesundheit aller zweifellos an oberster Stelle stehen. Sollte es bereits in wenigen Wochen möglich sein, würde die Saison 2019/2020 bei diesem Modell etwas später als geplant abgeschlossen, der Start der nächsten Spielzeit etwas nach hinten verschoben.

Ginge es erst im Herbst wieder, könnten vor Weihnachten Meister, Auf- und Absteiger feststehen, im ersten Halbjahr 2021 würde dann möglicherweise eine Kurzsaison mit Hin- aber ohne Rückrunde ausgetragen, um wieder in den normalen Rhythmus zu kommen. Und wenn (hoffentlich nicht) überhaupt dann erst wieder gekickt werden kann, ginge die Spielzeit mit einem Jahr Verspätung zu Ende – aber sportlich so fair, wie es eben möglich ist.

Von Stefan Weisbrod

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