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15:59 17.07.2020
Hasan Tarkan Naziyok (Emsdorf, Mitte) setzt sich gegen die Cappeler Maxim Sajzew (links) und Niklas Kornmann durch. Quelle: Thorsten Richter
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Emsdorf

Vor rund sechs Wochen, genauer gesagt am 30. Mai, wäre auf dem Sportplatz „am Köppel“ in Cappel wohl die Hölle losgewesen. Es hätte der letzte Spieltag angestanden in der Kreisoberliga Nord.

Der FSV Cappel hätte gegen den SV Emsdorf gespielt. Es wäre das Topspiel dieser Liga schlechthin, wahrscheinlich sogar das entscheidende Spiel um die Meisterschaft gewesen. Der Zuschauerandrang wäre enorm gewesen.

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Die Coronavirus-Pandemie machte jedoch einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung. Die Saison der Kreisoberliga Nord wurde nach dem 21. Spieltag abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt lag der SV Emsdorf vor dem FSV Cappel.

Beide Teams hatten bis dahin jeweils 14 Partien gewonnen, drei verloren und viermal Remis gespielt. Beiden kamen auf je 46 Punkte. Am 10. November gab es das Hinspiel in Emsdorf. Es endete 0:0. Damit war auch der direkte Vergleich ausgeglichen und auch nach der vom Hessischen Fußballverband (HFV) beschlossenen Quotientenregel kamen beide auf den Wert 2,19.

Die Folge: Der SV Emsdorf wurde aufgrund der besseren Tordifferenz (59:25) Meister vor dem FSV Cappel (43:21) und steigt in die Gruppenliga auf. Cappel geht als Zweitplatzierter leer aus, da der RSV Büblingshausen als Zweiter der Kreisoberliga Dillenburg mit 2,47 den besseren Quotienten hatte als Cappel und Allendorf/Lumda (2,21; Kreisoberliga Gießen).

Mitgefühl mit dem Konkurrenten

„Klar ist das äußerst bitter für Cappel. Das tut mir wirklich sehr leid. Wir hätten die Runde auch viel lieber zu Ende gespielt mit dem Highlight zum Schluss gegen Cappel“, sagt Emdorfs Trainer Tobias Sälzer. den nach drei Jahren Trainertätigkeit beim TSV Kirchhain den SV Emsdorf erst vor dieser Saison übernommen hatte.

Der 33-jährige Sälzer hat aber auch Verständnis für die Entscheidung des HFV: „Die Corona-Krise ließ nichts anderes zu, als die Saison abzubrechen. Leider gibt es nun auch einige Härtefälle, wie etwa Cappel, das den Aufstieg auch verdient gehabt hätte.“

So aber geht es nun für sein Team darum, sich möglicht gut auf die neue Herausforderung Gruppenliga vorzubereiten. Allerdings hat die Mannschaft seit dem Saisonabbruch bis jetzt nicht gemeinsam trainiert. „Mit den ganzen Auflagen hätte dies keinen großen Sinn gemacht und mit Fußball auch nichts zu tun gehabt. Es wäre eher frustrierend gewesen, deshalb waren wir der Meinung, wir lassen es und bereiten uns – so gut es geht – individuell vor.“

Erstes Testspiel am ersten Augustwochenende?

Ab nächste Woche wird dann in Emsdorf wieder dreimal die Woche trainiert – verbunden mit der Hoffnung, dass im September der Ligenspielbetrieb wieder anlaufen kann. „Ich bin froh, dass unser Landkreis nicht so stark betroffen ist von der Corona-Krise und hoffe, dass es sich anderorts auch positiv entwickelt“, sagt Sälzer, der zumindest im Hinblick darauf die sportlichen Planungen ausgerichtet hat.

So soll am ersten Augustwochenende eine erstes Testspiel stattfinden – übrigens gegen den FSV Cappel. „Auch das zeigt die Verbundenheit beider Vereine, sagt Sälzer, der im „richtigen Leben“ als Lehrer an der Grundschule in Bürgeln tätig ist.

Sportlich traut er seinem SV Emsdorf auch in der höheren Liga einiges zu. „Das Team zeigt überragenden Zusammenhalt, besitzt große individuelle Qualitäten, und unser Dorf ist einfach Fußball-verrückt. Die Unterstützung seitens der Zuschauer ist grandios – egal, ob zu Hause oder auswärts. Auch dies ist sicherlich ein großes Pfund“, freut sich Sälzer auf neue Saison in der Gruppenliga.

Von Michael E. Schmidt

15.07.2020
15.07.2020