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Lokalsport SV Bauerbach will nicht in den Abstiegskampf geraten
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15:00 15.08.2020
Soll für Tore sorgen: Guilherme Appel Prestes da Silva (links; in einem Testspiel gegen den VfL Biedenkopf) ist von Eintracht Stadtallendorf zum SV Bauerbach gewechselt. Foto: Nadine Weigel
Soll für Tore sorgen: Guilherme Appel Prestes da Silva (links; in einem Testspiel gegen den VfL Biedenkopf) ist von Eintracht Stadtallendorf zum SV Bauerbach gewechselt. Quelle: Nadine Weigel
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Bauerbach

Der SV Bauerbach geht mit einigen Zugängen in die neue Verbandsliga-Saison. Trainer Hendrik Lapp ist überzeugt, dass auch die nötige Qualität vorhanden ist, um nicht auf einen der letzten sechs Plätze zu landen.

Der Rückblick: Als im März die letzten Spiele vor der Unterbrechung und schließlich dem Abbruch der Saison aufgrund der Corona-Pandemie stattfanden, stand der SV Bauerbach in der Verbandsliga-Tabelle auf einem Abstiegsplatz.

Im offiziellen Endklassement belegt er mit durchschnittlich genau einem Punkt pro Spiel Rang 15 unter 17 Mannschaften. Im Schnitt schoss die Mannschaft in den 21 Spielen exakt zwei Tore, kassierte aber rechnerisch fast drei (insgesamt 58).

Lapp, seinerzeit noch Co-Trainer unter Stefan Frels, ist davon überzeugt, dass eine realistische Chance auf den sportlichen Klassenerhalt da gewesen wäre. „Ob’s gereicht hätte, weiß niemand“, sagt er aber auch offen. Letztlich gab es wegen des Saisonabbruchs keine Absteiger.

Die Veränderungen:

Frels, der den SVB 2018 zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte – dem Aufstieg in die Verbandsliga – geführt hatte, hat den Club nach drei Jahren verlassen. Lapp ist nun Cheftrainer – mit 28 Jahren der jüngste in der Verbandsliga Mitte.

Als seinen Assistenten haben die Verantwortlichen um den Vorsitzenden Edmund Euker im Brasilianer Guilherme Appel Prestes da Silva einen Stürmer mit Regionalliga-Erfahrung von Eintracht Stadtallendorf verpflichtet. Als Coach hat er bislang noch nicht gearbeitet – für Lapp kein Problem: „Man hat vom ersten Training an gemerkt, dass er sein Wissen weitergeben will. Er spricht unheimlich viel mit den jungen Spielern.“ „Gui“, wie der 31-Jährige meist genannt wird, soll auf dem Platz als Lapps „verlängerter Arm“ fungieren – und er soll Tore schießen.

Das hat in der Vorsaison Manuel Brehm regelmäßig gemacht: 15 Treffer gingen auf das Konto des Angreifers, der jetzt bei Ligakonkurrenz VfB Marburg unter Vertrag steht. Auch der bisherige Kapitän ist nicht mehr dabei: Mirko Freese hat es zu Hessenligist FSV Fernwald gezogen.

Robin Dempt, der aufgrund gesundheitlicher Probleme nur wenige Spiele bestritt, hat sich in Richtung VfB Wetter verabschiedet, Jan Niklas Schäfer, der studienbedingt selten zur Verfügung stand, ist zu Borussia Momberg gewechselt. Lapp hat „durchaus mitbekommen, dass spekuliert wurde, beim SV Bauerbach würde sich nach dem Abgang von Stefan Frels alles auflösen. Das ist definitiv nicht so.“

Im 27-jährigen David Moreno hat der Marburger Stadtteilclub einen Verteidiger mit viel Erfahrung in der Verbandsliga von den SF BG Marburg geholt. Stürmer Tim Napierala kommt vom VfL Biedenkopf, der Brasilianer Vinicius Henrique Silva Pinto vom FCA Darmstadt.

In Berkant Malakcioglu (Hessen Kassel), Salem Milto (Eintracht Stadtallendorf), John Kahsay (VfB Marburg) und Torhüter Mattis Barth (SG Salzböde-Lahn) sind zudem vier Teenager neu dabei. „Sie sind Perspektivspieler, haben aber wie alle anderen die Chance, sich einen Platz in der ersten Elf zu erkämpfen“, betont Lapp, der mit dem Kader „sehr zufrieden“ ist, weitere Zugänge aber trotzdem nicht ausschließt: „Wir sind noch mit zwei Spielern in Kontakt.“

Die Taktik:

Unter Frels agierte der SVB in der Regel in einem 4-1-4-1- oder einem 4-2-3-1-System. Unter Lapp als Chefcoach könnte sich das ändern: „Es bietet sich an, mit zwei echten Stürmern zu spielen“, sagt er mit Blick auf das Personalangebot in der Offensive. Für ihn ist auch Maximilian Wießner, unter Frels meist auf Außen eingesetzt, eher „echter“ Stürmer. Für den Platz neben da Silva, der gesetzt sein dürfte, kommen zudem unter anderem die Zugänge Napierala und Milto infrage.

„Überhaupt“, sagt Lapp, „gibt es auf allen Positionen mehrere Optionen“, ist darüber „sehr froh“, denn: „Im Frühjahr war es personell richtig eng. Jetzt sieht das ganz anders aus. Das sorgt für einen gesunden Konkurrenzkampf. Wer spielen will, muss auch im Training alles geben.“

Den Platz des abgewanderten Freese im zentralen Mittelfeld könnte in Silva Pinto ebenfalls ein neuer Spieler einnehmen. Lapp bezeichnet den Linksfuß als „begnadeten Techniker“ und ist überzeugt: „Von ihm werden wir einiges sehen.“ Eine weitere von mehreren Optionen: Janik Schwarz könnte von außen nach innen gezogen werden.

In der Innenverteidigung bieten ihm sich ebenfalls neue Möglichkeiten: Moreno, den Lapp neben da Silva als „zweiten Königstransfer“ bezeichnet, hat beste Chancen auf einen Stammplatz. Neben ihm könnte ein „gefühlter Zugang“ agieren: Julian Schratz ist nach einjähriger Pause aufgrund eines Kreuzbandrisses wieder eingestiegen. Lapp will, dass seine Mannschaft defensiv kompakter agiert als bislang. „Schöner Fußball wurde in Bauerbach immer schon gespielt, wir schießen immer unsere Tore. Das soll auch so bleiben“, sagt er und schiebt hinterher: „Wenn wir weniger Tore kassieren, müssen wir auch weniger schießen, um zu gewinnen.“

Das Ziel:

Für Lapp keine Frage: „Es geht für uns um den Klassenerhalt.“ Am liebsten wär’s ihm, „wir hätten mit dem Abstiegskampf gar nichts zutun. Aber das wird dieses Jahr umso schwerer“, sagt er mit Blick auf die Zahl der Absteiger: Voraussichtlich müssen sechs von 20 Teams „runter“.

Und sonst?

Bevor es am 6. September mit einem Heimspiel gegen den RSV Weyer in der Verbandsliga losgeht, steht für den SVB am 28. August noch das Endspiel um den Kreispokal der Vorsaison gegen Stadtallendorf auf dem Programm. „Wir wollen alles versuchen. Wir werden sehen, wofür es reicht“, macht Lapp deutlich, die Partie nicht bloß als Vorbereitung zu sehen.

Da die Eintracht als Regionalligist für die dritte Runde des Hessenpokals gesetzt ist, darf Bauerbach dort in der ersten Runde starten, auch wenn das Finale auf Kreisebene verloren gehen sollte. Lapp freut sich darauf, will möglichst weit kommen und spekuliert ein bisschen: „Wenn wir die dritte Runde erreichen und dort auf Kickers Offenbach treffen ... das hätte was!“

Von Stefan Weisbrod

Einwurf von Marcello Di Cicco

Wenn 40 Punkte nicht reichen

Es ist so etwas wie die Bauernregel des Fußballs: Wer 40 Punkte in einer Saison holt, steigt nicht ab. In der Bundesliga reichten – historisch betrachtet – bislang sogar 39 Punkte und blickt man exemplarisch auf die Tabellen der Verbandsliga Mitte, so musste dort in den vergangenen Spielzeiten auch nie ein Team die ominöse Marke knacken, um ein weiteres Jahr in der Spielklasse dranzuhängen.

In der kommenden Runde dürfte sich dies ändern: Da es in der Vorsaison wegen Corona keine Absteiger gab, sind nun so gut wie alle Ligen mit mehr Teams bestückt. Um wieder auf den „Normalzustand“ zu kommen, müssen mehr Mannschaften „runter“ – sechs dürfte es allein in der Mitte-Staffel erwischen.

Dem SV Bauerbach, TSV Michelbach und Co. steht also eine hohe Hürde bevor. Um sie zu nehmen, heißt es: punkten, was das Zeug hält. Am besten schon von Beginn an. Denn mit jedem Spiel, in dem ein Team leer ausgeht, wird es schwerer, die nötige Marke zu erreichen. Und die dürfte hier und da über 40 Punkten liegen.