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Lokalsport SG Barockstadt will endlich in die Regionalliga
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12:00 20.11.2021
Szene aus dem Hinspiel: Tobias Göbel von der SG Barockstadt (Mitte) wird von den Stadtallendorfern Del-Angelo Williams (links) und Arne Schütze bedrängt. In Fulda gewann die Eintracht mit 3:0, jetzt kommt es zum Rückspiel.
Szene aus dem Hinspiel: Tobias Göbel von der SG Barockstadt (Mitte) wird von den Stadtallendorfern Del-Angelo Williams (links) und Arne Schütze bedrängt. In Fulda gewann die Eintracht mit 3:0, jetzt kommt es zum Rückspiel. Quelle: Foto: Marcello Di Cicco
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Fulda

Was wäre wenn ...? Es war die Schlussphase der Saison 2017/2018 in der Hessenliga. Eine Klasse höher hatte der TSV Eintracht Stadtallendorf den Klassenerhalt bereits klargemacht. Fest stand: Der SC Hessen Dreieich würde als Hessenmeister in die Regionalliga kommen. Daher schien der TSV Lehnerz auf bestem Weg in die Aufstiegsrunde. Doch am vorletzten Spieltag setzte es eine Niederlage, die so wohl niemand erwartet hatte: Der Tabellenzweite verlor mit 1:2, ausgerechnet gegen Borussia Fulda. Eine Woche später, nach einem 3:3 in Lohfelden, war Platz zwei futsch. Bayern Alzenau ging stattdessen auch in die Aufstiegsrunde, scheiterte knapp. Und nicht nur in Fulda schüttelten viele den Kopf.

Was damals passierte, war vor allem eines: sportlich fair. Längst war zu diesem Zeitpunkt klar, dass Borussia Fulda keine Mannschaft mehr in der Hessenliga stellen würde, dass ein Teil des (spielenden wie auch des nichtspielenden) Personals wechseln würde – eben zum Stadtteilclub TSV Lehnerz beziehungsweise zu dem, was daraus werden sollte. Und dennoch ließ sich in diesem letzten Derby kein Borusse hängen, im Gegenteil. Zwischenzeitlich wurde gar gemunkelt, die Zusammenarbeit beider Vereine würde wieder aufgekündigt. „Anscheinend wollen die alle nicht aufsteigen. Das wird Konsequenzen haben“, zitierte „Torgranate“ den damaligen TSV- und heutigen Barockstadt-Vorstand Martin Geisendörfer seinerzeit.

Keine Fusion, formal nur eine Umbenennung

Letztlich blieb es bei sportlichen Konsequenzen, daran änderten auch Proteste der Borussia-Fans, die ihren Verein gar symbolisch zu Grabe trugen, nichts. Anders als teilweise kommuniziert, ist aber nie eine Fusion erfolgt. Formal wurde lediglich aus dem TSV Lehnerz die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Damit lief es in der größten Stadt im Osten Hessens ähnlich wie – ebenfalls 2018 – in Gießen, wo der SC Teutonia Watzenborn-Steinberg nie mit dem VfB Gießen fusionierte, sondern lediglich in FC Gießen umbenannt wurde und Mannschaften des VfB integrierte.

Anders als in Gießen, wo der VfB von der sportlichen Bildfläche gänzlich verschwunden ist, existiert die Borussia weiterhin. Aus der zweiten wurde 2018 die erste Mannschaft, die seitdem in der Kreisliga A aktiv ist. Viele Fans besuchen bis heute die unterklassigen Partien, lehnen die SG Barockstadt als „Konstrukt“ und „Retortenclub“ ab. Dennoch besuchen im Schnitt gut 800 Personen die Heimspiele im Stadion im Sportpark Johannisau – Platz eins in der Zuschauertabelle der Hessenliga. Stadtallendorf liegt mit etwas mehr als 300 Zuschauerinnen und Zuschauern im Durchschnitt auf Rang fünf.

Also, was wäre wenn der TSV Lehnerz das Spiel gegen Borussia Fulda vor viereinhalb Jahren nicht verloren hätte? Möglicherweise wäre der Aufstieg gelungen, würde die SG Barockstadt seitdem in der Regionalliga mitmischen. Vielleicht auch nicht. Fakt ist, dass die Sportgemeinschaft seitdem „hoch“ will, dass sie es bislang nicht geschafft hat. Auf einen fünften Platz 2018/2019 folgte ein vierter Rang, der im Frühjahr 2020 beim Corona-bedingten Abbruch zu Buche stand, sechs Punkte betrug der Rückstand auf Meister Stadtallendorf zu diesem Zeitpunkt. Die Saison 2020/2021 endete dann in der Hessenliga und anderen Oberligen noch früher – so früh, dass die Regionalliga entschied, keine Aufsteiger zuzulassen. Fulda-Lehnerz nutzten elf Siege aus zwölf Spielen letztlich nichts, auch der juristische Weg brachte keinen Erfolg.

Einige Leistungsträger fehlen verletzungsbedingt

Der Frust über den Nichtaufstieg ist laut Manager Sebastian Möller „längst abgehakt“. In diesem Jahr soll der Sprung in die Viertklassigkeit nun gelingen. Trainer Sedat Gören weiß, dass er diesen Auftrag hat. Und er weiß, dass im Hinblick darauf eine ganz wichtige Partie bei der Stadtallendorfer Eintracht bevorsteht, in der auch die angespannte Personalsituation – Leistungsträger wie Dominik Rummel, Leon Pomnitz und Kapitän Patrick Schaaf fehlen verletzungsbedingt – keine Ausrede sein darf. Die 0:3-Hinspielniederlage macht er an „ungewöhnlichen individuellen Fehlern“ fest. Solche, ist der Barockstadt-Coach überzeugt, „werden uns nicht noch mal passieren“.

Einsatz von Stürmer Del-Angelo Williams ist fraglich

Für Dragan Sicaja ist klar: „Barockstadt ist der Favorit auf den Aufstieg.“ Er sagt beim Gedanken an die Fuldaer aber auch: „Wir wollen es ihnen schwer machen.“ So wie im Hinspiel, das die Stadtallendorfer Eintracht auswärts mit 3:0 gewann. Ephraim Eshele avancierte zum Matchwinner, erzielte binnen 19 Minuten alle drei Treffer. Anfang Oktober war das.

Bis dahin war die SG Barockstadt noch gänzlich verlustpunktfrei gewesen, seitdem kamen noch drei Unentschieden aufs Konto. Ganz vorn in der Tabelle der Hessenliga-Qualifikationsgruppe A steht sie aber weiterhin, hat vier Punkte Vorsprung auf den 1. FC Erlensee und den TSV Eintracht – wobei das im Moment nur bedingt aussagekräftig ist: Wie viele Punkte die Topmannschaften mit in die Aufstiegsrunde nehmen, hängt davon ab, welche Konkurrenten es noch dorthin schaffen.

Sowohl Stadtallendorf als auch Fulda-Lehnerz sind im Rennen um den Aufstieg sicher dabei. Die Punkte, um die an diesem Samstag gespielt wird, sind also tatsächlich etwas wert. „Es braucht niemand extra motiviert zu werden“, sagt Trainer Sicaja, der von einem „Prestigeduell“ spricht, darin einen „zusätzlichen Reiz“ sieht und hofft, dass viele Fans sein Team unterstützen werden.

Sie werden dann nah dran sein am Platz, gespielt wird nämlich auf Kunstrasen. Lieber wäre es dem Coach gewesen, die Partie könnte im Herrenwaldstadion stattfinden. „Aber der Platz ist zu tief. Die Drainage ist nicht gut.“ Deshalb trainiert sein Team auf dem oberen Kunstrasenplatz im Sportpark, spielt dort auch.

Ob Stürmer Del-Angelo Williams dabei sein wird, ist offen. „Er muss es selbst entscheiden, muss sagen, ob es geht“, sagt Sicaja. Nachwirkungen seiner Adduktorenverletzung spürt er noch, ist nicht schmerzfrei, war unter der Woche aber im Training dabei. Dort präsentierte sich Hinspiel-Entscheider Eshele „sehr engagiert“, wie der Trainer bescheinigt. Denkbar, dass der 19-Jährige die Möglichkeit bekommt, zu beweisen, dass seine Leistung im Spiel vor anderthalb Monaten keine Eintagsfliege war. sw

Von Stefan Weisbrod