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Lokalsport Winziges Hintertürchen für Tokio 2020
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17:00 09.12.2019
Lucas Schäfer hat nach wie vor große Ziele im Blick. Quelle: imago
Marburg

Das Ziel hatte Lucas Schäfer aus dem Marburger Stadtteil Gisselberg klar formuliert: eine Medaille bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Nach seinem neunten Platz bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio im Leichtgewichts-Vierer wollte er bei den nächsten Spielen also unbedingt auf das Podium.

Doch nach Komplikationen mit dem Deutschen Ruderverband (DRV) und dem ausbleibenden Erfolg löste sich der Vierer auf (die OP berichtete). Es folgte das Umsatteln in eine andere Bootsklasse – und das gelang ihm mit Bravour: Bei seiner ersten Europameisterschaft im Leichtgewichts-Zweier erreichte Schäfer gemeinsam mit Jason Osborne Platz fünf. Bei der Weltmeisterschaft fuhr das Duo auf den sechsten Rang.

"Das hat mich nicht zufrieden gestellt"

Und dann kam die Schock-­Diagnose: Bandscheibenvorfall. Dadurch nahm Jonathan Rommelmann den Platz von Schäfer im Leichtgewichts-Zweier ein: „Es ist super schwierig, jetzt noch einmal da reinzukommen, denn das neue Team ist ein sehr gutes und eingeschworenes, das bei der Weltmeisterschaft Bronze gewonnen und die World-Cup-Serie die gesamte Saison über angeführt hat.“

Erst im April dieses Jahres konnte Lucas Schäfer wieder einen Wettkampf fahren, allerdings im Leichtgewichts-Einer. Bei den Deutschen Meisterschaften schloss der 25-Jährige mit der Bronze-Medaille ab: „Das war in dieser Saison schon ein Meilenstein für mich. Ich bin stolz auf mich selbst, dass ich nach der langen Zeit gleich auf das Podium gefahren bin.“

In den danach folgenden World-Cups wurde Schäfer zweimal Vierter, jeweils knapp hinter Platz drei. „Das hat mich nicht zufriedengestellt. Und das passt auch nicht zu den Leistungen, die ich davor ablieferte“, fügt Schäfer hinzu. Auch bei der WM knüpfte Schäfer nicht an den Erfolg der Deutschen Meisterschaft an – am Ende stand der 14. Rang zu Buche. Danach hätte für Schäfer die DRV-Kaderüberprüfung stattfinden sollen.

„Aber ich war dieses Jahr nicht gemeldet, weil ich unter normalen Umständen mit der Leichtgewichts-A-Nationalmannschaft im Trainingslager gewesen wäre. Es ist schade, weil der Bundestrainer sich ein Bild meines Trainingsstandes hätte machen können. Aber weil ich verletzt bin, bin ich nicht im Trainingslager in Pisa“, erklärt Schäfer.

Der nächste Wettkampf: Deutsche Meisterschaften

Ist damit der Olympia-Zug endgültig abgefahren? „Es gibt für mich noch zwei Möglichkeiten, nach Tokio zu kommen: entweder über einen akkreditierten Ersatzmann-Platz oder als selbstfinanzierter Ersatzmann mitzufahren“, ist für Schäfer möglicherweise noch ein winziges Hintertürchen für Tokio 2020 offen. Allerdings müsste er für den Leichtgewichts-Zweier vor dem ersten Wettkampf eingesetzt werden, danach ist der Einsatz nicht mehr möglich.

„Aktuell wäre es für mich besser, hier zu bleiben und mich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Denn in Tokio kann ich nicht auf dem Wasser trainieren“, sagt Schäfer. Eine Prognose möchte er nicht abgeben: „Es ist noch alles möglich.“ Der nächste Wettkampf, an dem er teilnimmt, wird die Deutsche Meisterschaft sein.

„Mein Ziel ist es, dort erneut Dritter zu werden“, sagt Schäfer. Nach der Deutschen Meisterschaft hat Schäfer weitere Ziele. Es soll eine Medaille bei der Weltmeisterschaft her, an der alle Bootsklassen teilnehmen werden, die nicht bei den Olympischen Spielen waren.

Dies alles dürfte nicht einfach werden, weil Schäfer in den kommenden drei Jahren auch noch seinen Bachelor-Abschluss in Ernährungswissenschaften schaffen will und – sollte es mit der Teilnahme in Tokio 2020 nicht klappen – die Olympischen Spiele vier Jahre später in Paris anvisiert.     

von Leonie Rink