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Lokalsport Die Sehnsucht nach Schwitzen und Schwätzen
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18:58 14.03.2021
Renate Kern (rechts) steht trotz ihrer mittlerweile 52 Jahre immer noch auf dem Volleyballfeld (Archivfoto).
Renate Kern (rechts) steht trotz ihrer mittlerweile 52 Jahre immer noch auf dem Volleyballfeld (Archivfoto). Quelle: Benedikt Bernshausen
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Biedenkopf

„Zu normalen Zeiten nutzen wir die Sommerferien, um einen gemeinsamen Urlaub zu machen“, sagt Volkmar Hauf. Ansonsten sind sein Leben und das seiner Ehefrau Renate Kern wesentlich vom Volleyball bestimmt. „Von September bis in den Mai hinein haben wir gefühlt kein Wochenende und keinen Abend frei.“ Sie haben ihre Passion zum Beruf gemacht.

Sie als Lehrerin in den Fächern Biologie und Sport an der Lahntalschule in Biedenkopf, er als freier Mitarbeiter beim Volleyballverband in der Trainerausbildung, der Lehrerfortbildung sowie als Mitglied in verschiedenen Gremien, die sich um die sportpolitische Entwicklung bemühen. Aber eben auch ihre freie Zeit ist geprägt vom Training und der Betreuung von Volleyballtalenten.

Eine Saison beim TV Wetzlar in der 2. Bundesliga

Renate Kern ist seinerzeit zum Studium von Niedersachsen nach Marburg gezogen und hat sich dort den Volleyballern von Blau-Gelb Marburg und später dem TV 05 Wetter angeschlossen. Es folgt eine Saison beim TV Wetzlar in der 2. Bundesliga, ehe sie wieder im hiesigen Landkreis aufschlägt.

Inzwischen hat sich aus der schon länger währenden Kooperation des TV Biedenkopf mit dem TV Wetter eine Frauenspielgemeinschaft mit dem Namen SG Biedenkopf/Wetter Volleys gebildet, die sich einige Zeit recht wacker in der 2. Bundesliga hielt, inzwischen aber in die Oberliga abgestiegen ist.

Eine 52-Jährige in einer jungen Mannschaft

Natürlich hat eine Fluktuation des Spielerinnenkaders stattgefunden, in dem die inzwischen 52-Jährige noch immer – vor allem auf der Position der Zuspielerin – eine nicht unmaßgebliche Rolle spielt. „Es ist eine sehr junge Mannschaft – die Jüngste ist 14 Jahre alt –, die vor allem Erfahrungen sammeln muss“, betont Kern.

Noch fühle sie sich fit genug, den jungen Teamkolleginnen eine Hilfe zu sein. Sie gehe aber immer freiwillig zurück ins zweite Glied und sei dann zur Stelle, wenn sie gebraucht werde. Dass sie das Volleyballspielen nicht verlernt hat, ist auch daran abzulesen, dass sie im Rahmen eines Doppelspielrechtes mit der TG Bad Soden zuletzt den deutschen Ü-43-Meistertitel gewonnen hat.

Fünf Nationalspielerinnen hervorgebracht

Kern und Hauf verstehen sich quasi als „Trittbrett“ für eine Weiterentwicklung der Talente an höherer Stelle. Der Erfolg in den vergangenen Jahren kann sich sehen lassen. In Victoria und Constanze Bieneck, Sarah Schneider (alle Beachvolleyballerinnen) sowie Leonie Schwertmann (1. Bundesliga, Aachen) und Pauline Kunkler (1. Bundesliga, Berlin) bringt die sportliche Kaderschmiede immerhin fünf Nationalspielerinnen hervor.

Überdies nimmt die Jugendliche Line Otto (14) zurzeit an einem Kaderlehrgang in Münster teil. Hinzu kommen zahlreiche Titel mit den Schulmannschaften im Wettbewerb „Jugend trainiert“.

Kern: „Übernehme außerdem eine Mentorentätigkeit“

Die Sichtung und Förderung der jungen Spielerinnen gedeiht vor allem auf dem fruchtbaren Boden eines schulischen Konzeptes, in dem die Biedenkopfer Schule als Landesleistungszentrum durch ein offizielles Programm der hessischen Regierung unterstützt wird. Kern ist mit einem Großteil ihres Stundendeputats als Trainerin tätig. „Ich sichte die Kinder, führe sie an das Training heran und übernehme außerdem eine Mentorentätigkeit.“

Auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf als Schulträger steht hinter der Arbeit in der Lahntalschule. „Wir werden sehr gut unterstützt, spüren Rückenwind und profitieren von einer guten Infrastruktur, darin sehen wir auch eine Anerkennung unserer Arbeit“, betont Hauf, der darüber hinaus auch die positiven Rückmeldungen aus der Elternschaft begrüßt.

Training ist nur den Kaderathletinnen und -athleten erlaubt

Aktuell macht das Corona-Virus einen Strich durch viele Rechnungen. Das Training ist nur den Kaderathletinnen und -athleten unter strikter Einhaltung der Hygieneregeln erlaubt. Allerdings fallen viele Veranstaltungen und Meisterschaften aus. „Wir hoffen, nach Ostern wieder spielen zu können – etwa draußen auf einer Sandanlage“, sagt Hauf.

Er und seine Frau vermissen die Arbeit mit den jungen Leuten. „Es ist nicht nur unsere Profession, sondern auch die Leidenschaft, gerne mit Menschen zusammenzuarbeiten, die das mögen, was sie machen. Es ist toll zu sehen, wie auch die Kinder im Sport als Gemeinschaftserlebnis diese Leidenschaft entwickeln. Daher möchten wir gerne wieder Räume schaffen, in denen man schwitzen und schwätzen kann.“

Nachwuchs fehlt bei Trainern und Betreuern

Eine Sorge jedoch treibt das Ehepaar um: Es fehlt der Nachwuchs in der Trainer- und Betreuerriege. „Man fühlt sich wie eine alte Eiche, unter der kein neuer Baum wächst“, sagt der 60-jährige Hauf, „jeder, der Interesse hat, kann mit uns Kontakt aufnehmen“.

Von Bodo Ganswindt