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11:00 06.11.2020
Stadtallendorfs Felix Nolte (links) muss mit der Eintracht im November eine Pause einlegen. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

In der Fußball-Regionalliga Südwest ist der Spielbetrieb im November eingestellt. Wie die Liga gestern mitteilte, geht es frühestens im Dezember wieder los – jedoch nur unter der Voraussetzung, dass „in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland ab spätestens dem 17. November ein Mannschaftstraining unter Wettkampfbedingungen zulässig ist“, heißt es in der Mitteilung.

Sollte dies bis dahin nur in Bayern – der FC Bayern Alzenau ist der einzige bayerische Vertreter in der Südweststaffel – nicht möglich sein, hindere dies nicht die Saisonfortsetzung. Dann müsse sich der FCB gegebenenfalls um eine Trainings- und Spielstätte in Hessen bemühen.

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Während den Teams aus Hessen und Baden-Württemberg der Trainings- und Wettkampfbetrieb weiter erlaubt ist und die Mannschaften aus dem Saarland laut Mitteilung „in begründeten Einzelfällen ausnahmsweise“ die dortigen Sportstätten nutzen können, sei dies für die vier rheinland-pfälzischen Vertreter nicht der Fall.

Dort dürfen laut Verordnung lediglich Erst-, Zweit- und Drittligisten dem Trainings- und Wettkampfbetrieb nachgehen, die vier Regionalligisten bleiben außen vor.

Den Spielbetrieb ohne TuS Rot-Weiß Koblenz, den FSV Mainz 05 II, TSV Schott Mainz und FK Pirmasens fortzusetzen, zieht die Liga nicht in Betracht – zum einen, weil sie „unverschuldet aus öffentlich-rechtlichen Gründen“ nicht ihre Heimspiele austragen könnten, und zum anderen, weil dies „zu massiven Verzerrungen des Wettbewerbs“ führe.

Der Wechsel von Heim- und Auswärtsspielen solle „grundsätzlich einheitlich“ erfolgen, um sicherzustellen, dass alle Mannschaften weitgehend gleich im Spielbetrieb voranschreiten, also nicht viel mehr oder weniger Spiele als andere Teams bestreiten.

Ein weiteres Problem laut Liga: Könnten die rheinland-pfälzischen Vereine im November nicht spielen, müssten sie die ausgefallenen Spiele zu einem späteren Zeitpunkt nachholen – kaum vorstellbar angesichts des vollen Terminkalenders in der Restrunde, in der bereits mehrere Englische Wochen eingeplant waren.

Aufatmen bei der Eintracht

Nur Auswärtsspiele für jene vier Mannschaften könnten nicht in Erwägung gezogen werden, weil die dafür nötige Vorbereitung am Vereinssitz unmöglich umsetzbar sei. Ebenso wenig das Aufsuchen einer Spiel- und Trainingsstätte in einem nicht von den Beschränkungen betroffenen Bundesland, da die damit verbundenen Fahrtstrecken und der erhebliche zeitliche Aufwand den Spielern nicht zumutbar sei.

Zwar hätten die Liga-Gremien bei der Abwägung über die Fortführung des Spielbetriebs auch etwaige wirtschaftliche Interessen von Vereine berücksichtigt. „Insoweit war aber festzustellen, dass – mit Blick auf mögliche Einnahmen aus dem Ticketing – auch in den Bundesländern, die einen Spielbetrieb weiterhin gestatten, Zuschauer nicht zugelassen sind“, heißt es in der Mitteilung. Es überwiege das Interesse an einem sportlich fairen Wettbewerb.

Bei der Stadtallendorfer Eintracht empfindet man die Entscheidung über die Aussetzung des Spielbetriebs als „absolut richtig“, teilt Fußball-Präsident Reiner Bremer auf OP-Anfrage mit. Innerhalb der Liga sei oft über die wirtschaftlichen Auswirkungen gestritten worden. „Das Thema, wie man im Amateurbereich den Infektionszahlen Herr werden soll, hat nur wenige Vereine interessiert. Wir sind einer der wenigen.“

Profivereine können sich die Hygienekonzepte der Bundesligen „vielleicht noch leisten“. „Wir haben aber keine Möglichkeiten, unser Betreuerteam und die Mannschaft mit Testungen zu schützen. Unsere Spieler nehmen am Berufsleben teil und haben alle Familienmitglieder, die zur Risikogruppe zählen“, gibt Bremer zu bedenken.

Mit dem TSV Steinbach, dem Bahlinger SC und dem FC-Astoria Walldorf sei sich der Aufsteiger schnell einig gewesen, dass, solange die Infektionszahlen so hoch sind, nicht gespielt werden dürfe. „Das ist völlig unabhängig davon, wie Rheinland-Pfalz die vierte Liga einstuft“, sagt Bremer.

Zwar dürfte die Eintracht aufgrund der Verfügungslage in Hessen nun weitertrainieren. „Als Erstes aus Gesundheitsgründen und dann aus gesellschaftspolitischer Sicht“ habe der Verein den Trainingsbetrieb jedoch vorübergehend eingestellt.

OFC-Präsident Wagner: „Ein Horrorszenario“

Die Offenbacher Kickers haben enttäuscht auf die Entscheidung der Liga reagiert. „Wir werden das in Ruhe auswerten. Faktisch ist es die negativste Entscheidung, die getroffen werden konnte“, sagte OFC-Präsident Joachim Wagner. „Das ist für die ganze Regionalliga ein Horrorszenario und eine Entscheidung, die keinerlei Planungssicherheit gibt.“ Wagner verwies auf die wirtschaftlichen Konsequenzen und auf den immer engeren Spielplan, da im Winter ohnehin Spielausfälle zu erwarten seien. Der OFC hatte sich vehement für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen, weil sie ihre Kicker als Berufssportler sehen. dpa

Von Marcello Di Cicco

06.11.2020
04.11.2020